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Parchimer Theater soll mit Rostock fusionieren

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Parchim/Schwerin | In die Theaterlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns kommt die vom Bildungsministerium angestrebte Bewegung. Stadt und Landkreis Parchim wollen auf eine Fusion ihres Theaters mit dem Rostocker Volkstheater hinarbeiten. Die Stadtvertretung Parchims stimmte nach Angaben eines Sprechers bereits einstimmig dafür, Verhandlungen mit der Hansestadt aufzunehmen. Der Kreistag soll das Thema am 23. September auf die Tagesordnung nehmen. Hintergrund: Die Fusion muss bis Ende dieses Jahres zustande kommen.

Ansonsten verliere das Landesjugendtheater in Parchim einen Teil seiner Landeszuschüsse in Höhe von jährlich 1,15 Millionen Euro, erklärte Intendant Thomas Ott-Albrecht. Im ersten Jahr bekäme sein Haus aus dem Finanzausgleich 10 Prozent weniger, im zweiten betrage die Kürzung dann 20 Prozent. Die Stadt schieße 51 000, der Landkreis als zweiter Träger 220 000 Euro zu.

Die Parchimer Bühne kooperiert bereits eng mit dem Volkstheater, das in der neuen Saison zwölf Neuinszenierungen plane. Im Juli und August hatte das Parchimer Ensemble in Rostock den "Ritter Kamembert" gespielt und die 80er-Jahre-Revue "Ich will Spaß! Oder: Wo bitte ist die Fernbedienung". Intendant Thomas Ott-Albrecht hatte gegenüber unserer Zeitung bereits angekündigt, die Zusammenarbeit auszubauen. Von dieser Zusammenarbeit profitierten beide Häuser, die Effizienz werde erhöht. Ziel sei eine Fusion unter dem Dach einer Holding und die Erhaltung der Produktionsstätte in Parchim, sagte der Intendant nun.

In der Diskussion um die Theaterstruktur war auch immer wieder eine Zusammenarbeit der Theater in Schwerin und Parchim Thema gewesen - aber nie zustande gekommen. Auch bei den jüngsten Gesprächen scheiterte eine Zusammenarbeit nach Informationen unserer Zeitung daran, dass die Schweriner Seite das Parchimer Theater nur als Bespielbühne übernehmen wollte.

Der Intendant des Rostocker Volkstheaters, Peter Leonard, begrüßte die Parchimer Absichten. In der nun beginnenden Spielzeit gebe es fünf Koproduktionen mit Beteiligung von Mitarbeitern beider Theater. "Wir haben damit die Grundlagen gelegt für eine Fusion", sagte Leonard. Auch er halte eine Holding für denkbar. "Bei Kunst geht es um Vielfalt." Es sei Auflage des Landes, das Angebot in Parchim im Bereich Jugend und Familien zu erhalten.

Die Landesregierung hatte sich Ende vergangenen Jahres auf ein neues Theater- und Orchesterkonzept verständigt. Nach Protesten musste sie Abstand von der langfristigen Bildung zweier "Kulturkoooperationsräume" östlich und westlich der A 19 mit jeweils einem Theater und einem Orchester nehmen. Nun soll eine enge regionale Vernetzung der Spielstätten auf der Grundlage eines "Vier-Standorte-Modells" vorangetrieben werden. Theater soll es künftig an den Standorten Rostock, Schwerin, Greifswald/Stralsund und Neubrandenburg/Neustrelitz geben. Während sich Parchim nun für Rostock und damit gegen eine Fusion mit Schwerin entschied, ist die Zukunft der Vorpommernbühne in Anklam noch offen. Anklam kooperiert mit beiden Theaterstandorten im Osten des Landes. Intendant Wolfgang Bordel kündigte an, allen vier strukturtragenden Standorten Angebote unterbreiten zu wollen. "Wir wollen mit dem Stärksten und Gesündesten zusammengehen", sagte er. Die Theater im Land klagen seit Langem über stagnierende Zuschüsse der öffentlichen Hand bei zugleich steigenden Kosten. Das Land hält seine jährlichen Zuwendungen seit Mitte der 1990er-Jahre konstant bei 35,8 Millionen Euro. Eine Erhöhung der Mittel wurde von allen Landesregierungen bislang immer abgelehnt, obwohl die Kommunen Aufstockungen verlangten. Mit dem neuen Konzept will die Landesregierung auch leistungsabhängige Anreize setzen: Höhere Besucherzahlen ziehen auch höhere Zuschuss anteile nach sich.

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erstellt am 16.Sep.2010 | 07:51 Uhr

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