Parchimer Druckerei abgewandert

Peter Steinmüller und Jan Goedeke (r.) sind die neuen Geschäftsführer der Druckerei in Dassow.  Steffen Oldörp
Peter Steinmüller und Jan Goedeke (r.) sind die neuen Geschäftsführer der Druckerei in Dassow. Steffen Oldörp

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21. August 2010, 01:57 Uhr

Parchim | Die durch die Pleite des DVD-Werkes in Schieflage geratene Druckerei in Dassow hat neue Besitzer. Jan Goedeke und Peter Steinmüller heißen die Geschäftsführer jetzt. Sie haben die Maschinen und das Gebäude übernommen. Beide hatten vorher eine Druckerei in Parchim. "Die Ausstattung und das Platzangebot waren für uns äußerst interessant", sagt Goedeke. In Dassow habe die Firma zehn Mal so viel Platz wie in Parchim. Statt 400 stehen jetzt 4000 Quadratmeter zur Verfügung.

"Wir haben den Spieß einfach mal umgedreht. In Dassow hat David mal Goliath geschluckt", freut sich Goedeke. Der Name der Druckerei ist wieder der alte: MOD Offsetdruck GmbH. Die Druckerei in Parchim gibt es mittlerweile nicht mehr. Dort waren zehn Mitarbeiter angestellt. Der Umsatz betrug rund 1,8 Millionen Euro. Die meisten Mitarbeiter sind mit an den neuen Standort gewechselt. Einen Großteil der 40 Angestellten der früheren Druckerei in Dassow haben die beiden Geschäftsführer ebenfalls übernommen.

Goedeke ist 32 Jahre alt, allerdings schon seit 11 Jahren im Druckereigeschäft. 2007 hat er mit einem Kollegen eine Druckerei in Parchim eröffnet, ehemals Zachow-Offsetdruck. "Wir konnten relativ schnell gute, große Kunden aus dem Hamburger Raum akquirieren." Das Versandhaus Otto zum Beispiel. Oder Tschibo. Das Problem: die Aufträge waren zu groß für die Druckerei in Parchim. "Somit standen wir schnell an dem Punkt, wo wir gesagt haben: wir sind zu klein." Die sich andeutende Insolvenz der Druckerei in Dassow schien eine Chance zu sein. Was allerdings fehlte, war das nötige Kleingeld. " Die Banken waren nicht sehr gesprächsbereit. Wir sind in die Bank rein, wurden gefragt, was machen sie denn. Druckerei. Ja, gut, schönen Dank, dahinten ist die Tür", erzählt Goedeke. Und dennoch haben er und Steinmüller es geschafft, einen Kredit zu bekommen. Großen Anteil daran hatten die Insolvenzverwalter der Druckerei. " Ohne die hätten wir es nicht geschafft. Die haben sehr gut mitgezogen", sagt Goedeke. Heute ist er froh, dass er den Schritt gewagt hat. Denn die Druckerei läuft gut. "Wir haben Termindruck ohne Ende." Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Die Mitarbeiter müssen sogar Überstunden machen. "Es gibt Kunden, die rufen an, haben eine Broschüre in der Hand, die hat einen gestanzten Umschlag, und sagen: Davon brauche ich 5000 Stücke in fünf Tagen." Für viele Druckereien ein Ding der Unmöglichkeit, weiß Goedeke. "Die müssen erst drucken, schicken es dann irgendwo zum Stanzen. Das kommt dann wieder zurück und muss dann noch weiterverarbeitet werden. Das schaffen viele in der kurzen Zeit nicht. Wir dagegen schon."

Die Ausstattung der Maschinen in Dassow ist nämlich sehr umfangreich. Was die Druckmaschinen angeht und vor allem die Weiterverarbeitung. "Buchbinderei und Stanzmaschinen, alles war bereits da." Dadurch kann die Druckerei fast alles im Haus machen. Und das wiederum bedeutet, dass die Druckerei deutlich günstiger produzieren kann als andere. "Dadurch sind wir unwahrscheinlich flexibel", sagt Goedeke. Standardsachen, wie zum Beispiel eine 16-seitige Broschüre A4, 10.000 Stück, da gibt es viele andere Druckereien, die teilweise günstiger seien. "Aber sobald das Produkt etwas spezieller wird, haben wir die Nase ganz weit vorn." Goedekes Ziele für die Zukunft des jungen Unternehmens: "Stillstand ist Rückschritt. Deshalb müssen wir auch weiterhin investieren. Aber vorrangig geht es darum, allen Mitarbeitern und auch uns sichere Arbeitsplätze zu schaffen, gute Kunden zu haben, schöne Drucksachen zu produzieren und immer wieder neue, anspruchsvolle Aufgaben von unseren Kunden gestellt zu bekommen." Damit dürften nicht nur die Mitarbeiter und die Kunden zufrieden sein, sondern auch die Stadt. Denn sie ist sicher froh, wenn nach der Pleite des DVD-Werkes vor drei Jahren endlich Ruhe einkehrt, sich statt eines großen Arbeitgebers mehrere mittelständische Unternehmen in Dassow etablieren. Nur die Eldestadt Parchim hat einen Arbeitgeber weniger...

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