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Zölkow Die Warnow soll sich wieder schlängeln

Von Armin Kung | 22.10.2020, 07:04 Uhr

Eine umfassende Renaturierung der Warnow bei Kossebade, Zölkow und Hof Grabow steht in den Startlöchern.

Wäre die Warnow bei Zölkow ein Schüler, gäbe es im Unterrichtsfach „Hydromorphologie“ eine glatte Vier. „Unbefriedigend“ lautet das Urteil beim Abflussverhalten und der Gewässerstruktur laut der jüngsten Kartierung. Oder in anderen Worten: die Warnow zwischen Kladrum, Zölkow und Hof Grabow ist in manchen Teilen ein verschlammter, gleichförmiger Kanal. Die klaren Formen hatte in der Vergangenheit Vorteile bei der Bewirtschaftung, stehen nun aber der Ökologie im Weg. Diese soll nun verbessert werden, indem das Gewässer renaturiert wird. Der Fluss erhält Kurven und wird stellenweise bepflanzt. „Die heutige Struktur des Gewässers sorgt dafür, dass sich Sand und Schlamm ablagern. Dadurch kann kein Leben entstehen“, sagt Uwe Zöllner vom Wasser- und Bodenverband „Mittlere Elde“.

Gefälle werden angeglichen

Grund für die Maßnahme ist eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2000. Die sogenannte Wasserrahmenrichtlinie fordert von den Mitgliedsstaaten, dass spätestens bis zum Jahr 2027 sich die Gewässer in einem Zustand befinden sollen, der nur gering von einem natürlichen Zustand abweicht. Das gilt auch für Gewässer in Mecklenburg-Vorpommern.

Mit der geplanten Renaturierung soll auch die Warnow wieder in einen naturnahen Zustand versetzt werden. Wo in der Vergangenheit Wehre und kleine Staumauern standen, die zu DDR-Zeiten angelegt wurden, befinden sich heute unter dem Wasserspiegel gelegene „Sohlgleiten“. Diese strukturieren das Gefälle der Warnow in mehreren Stufen. Das Problem ist, dass hinter den Sohlgleiten die Fließgeschwindigkeit derart abnimmt, dass sich dort Schlamm und feiner Sand ablagern. Das Gefälle soll angeglichen werden, in dem an den Sohlgleiten Kurven und Schlangenlinien ausgegraben werden. „Wir erhoffen uns davon, dass sich die Dynamik des Gewässer erhöht“, sagt Zöllner.

Biber behindert Bepflanzung

Die höhere Fließgeschwindigkeit erlaube dem Fluss, tiefe Stellen zu bilden, etwas Ufer abzubrechen oder Schlamm wegzuspülen. Die Hoffnung sei, dass mit der Maßnahme eine größere Artenvielfalt entsteht. Dazu werden auch Pflanzen angesiedelt, indem die obere Erdschicht stellenweise abgetragen werde, um so das Wachstum anzuregen. Eine „Selbstbepflanzung“ solle passieren. Künstlich gepflanzte Bäumen dagegen haben einen großen Gegner: der Biber lebt in der Warnow und würde die Stämme umgehend für seine Dämme verwerten.

Doch die Renaturierung befindet sich erst in der Planungsgenehmigung. Noch müssen sich zum Beispiel Träger öffentlicher Belange zu den Plänen äußern. Auch die angrenzenden Eigentümer am Ufer haben noch ein Wort mitzureden. Denn die neuen Kurven der Warnow brauchen mehr Platz. Ursprünglich sollte die Renaturierung der Warnow zwischen 2021 und 2023 gebaut werden. Der genaue Baubeginn ist noch unklar. „Die Pandemie hat unsere Gespräche mit den Eigentümern deutlich verzögert“, bedauert Uwe Zöllner.