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Thema der Woche: Digitalisierung Modernes Messen geht ohne Zollstock

Von Amelie Uding | 17.08.2020, 17:10 Uhr

So digital ist der Landkreis Ludwigslust-Parchim aufgestellt. Heute: Tischlermeister Thomas Gerds arbeitet mit einem 3D-Laseraufmaßsystem.

Ob lang oder kurz, gerade oder kreisförmig: Im Ausstellungsraum der Firma Treppenbau, Tischlerei und Bauelemente Gerds an der Ludwigsluster Chaussee ist so manches Treppenmodell vorzufinden. Und mittendrin steht Thomas Gerds. Seit 1999 ist der Tischlermeister der Geschäftsführer des Familienbetriebs.

In seiner Hand hält er einen Koffer in Silber. Ein Außenstehender könnte denken, dass er in den Urlaub fahren möchte. Tatsächlich wiegt dieser Koffer aber um einiges mehr als das herkömmliche Reisegepäck. Da drin befindet sich die Arbeitsausrüstung von Thomas Gerds. Mehr braucht er nicht. Keine Leiter, kein Zollstock, noch nicht mal Stift und Papier. Nur diesen Koffer. "Die Kunden fragen mich immer, ob ich bei ihnen einziehe, wenn ich mit dem Koffer komme", sagt der 49-Jährige und schmunzelt.

Stativ, Laptop und Messgerät: Mehr braucht es nicht zum Messen

Inhalt des Koffers sind ein Stativ, ein Laptop und ein Messgerät. Es ist das neue 3D-Laseraufmaßsystem, in das Gerds erst vor Kurzem investiert hat. Eigentlich hatte er sich erst vor vier Jahren das Vorgängermodell des Laseraufmaßsystems angeschafft. "Aber die Softwares werden ja immer schneller älter. Da sind vier Jahre schon ziemlich alt. So ist das heute nun mal", sagt er.

Aber er bereut seine Investition keineswegs. Das 3D-Laseraufmaßsystem erleichtere den Arbeitsalltag enorm. Mit nur wenigen Messpunkten entsteht in der Aufmaßsoftware ein dreidimensionaler Raum. Dafür sind nur zwei Messpunkte pro Wandfläche und jeweils einem Punkt auf Boden und Decke notwendig. Gerds Aufgabe ist es also mit dem roten Laserpunkt des Aufmaßgeräts die dafür notwendigen Messpunkte in den Raumecken zu setzen. "Und der Laser misst auch über große Distanzen hinweg. Das heißt, ich stelle einfach das Stativ mit Gerät im Erdgeschoss auf und es werden von dort alle Daten erfasst, die ich brauche", sagt Gerds. So ließen sich auch komplizierte Stellen messen. "Nehmen wir als Beispiel mal Dachschrägen. Ich muss nur zwei Eckpunkte eingeben und das wars. Wir selbst nehmen keinen Zollstock dafür mehr in die Hand", sagt er. Das sei auch ein enormer Vorteil in puncto Sicherheit. "Wenn ich daran denke, wie es früher so war: Da stand man auf der Leiter und musste sich teilweise richtig weit davon weg lehnen, um überhaupt an den Messpunkt ran zu kommen. Und selbst dann waren die Messungen nicht genau."

3D-Laseraufmaßgerät erfasst die Daten schnell und präzise

Egal ob Rundungen, Bögen oder unwinklige Bauteile: Die Winkel der Wände zueinander werden vom neuen Laseraufmaßsystem schnell und präzise erfasst, und zwar ohne dass dafür großartig Möbel verrückt werden müssen. Das neue Modell verfüge aber noch über eine weitere Funktion. Das System macht von den eingegebenen Messpunkten Fotos. "Das ist sehr nützlich. So kann ich auch nachvollziehen, wie die Gegebenheiten vor Ort sind, ohne dort zu sein", sagt Gerds. Und letzten Endes sei die digitale Datenerfassung und -übertragung um ein vielfaches schneller. So können Kunden schon in kürzester Zeit sehen, wie ihre Wunschtreppe später aussehen soll.

Digitalisierung gewinnt an Bedeutung im Arbeitsalltag

Die Digitalisierung werde nach und nach auch mehr an Bedeutung in unserem Arbeitsalltag gewinnen, davon ist Thomas Gerds überzeugt. "Es macht vieles leichter. Es gibt ja sogar schon Brillen, die das Treppenmodell an die gewünschte Stelle projizieren. Die Kunden setzen sich die Brille einfach auf und können sehen, wie die Treppe aussehen wird", erzählt Gerds. Vorerst sei er aber mit dem neuen Laseraufmaßsystem zufrieden. So könne er auch über weite Entfernungen arbeiten. Das Parchimer Unternehmen bediene Kunden in gesamten norddeutschen Raum. Vor allem in Hamburg habe er viele Kunden. Wegziehen kommt für ihn dennoch nicht infrage. Gerds: "Von hier erreiche ich die meisten. Und außerdem sind hier meine Wurzeln. Ich geh nicht von hier weg."