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Handwerk Tischler schlagen in Parchim Pflock ein

Von Wolfried Pätzold | 09.11.2012, 11:08 Uhr

Mehr als 30 Delegierte vom Landungsinnungsverband des Tischlerhandwerkes kamen zur Mitgliederversammlung zusammen.Ein wichtiges Thema: Tarifverträge.

Auch wenn die Innung der Parchimer Tischler erst kürzlich ihren 450. Geburtstag gefeiert hat, stellt sie nun erneut unter Beweis, dass die Interessenvertretung der Handwerker auf der Höhe der Zeit agiert. "Das, was wir jetzt in Parchim beschlossen haben, wird weit reichende Bedeutung für Wirtschaft und Politik im Land haben", gibt sich Christoph Maaß, Obermeister der Parchimer Tischlerinnung zuversichtlich. Vor wenigen Tagen hatten sich mehr als 30 Delegierte vom Landesinnungsverbandes des Tischlerhandwerks Mecklenburg-Vorpommerns zur Herbstmitgliederversammlung in Parchim getroffen. "Der Veranstaltungsort wurde nicht ohne Grund gewählt. Für uns ist dies auch eine Anerkennung für die Arbeit der Innung vor Ort", meint Christoph Maaß. Rund zwei Drittel der im Altkreis tätigen Tischlermeister sei in der Innung organisiert. Und da beginnen die Probleme. "Die Innung fühlt sich für die unverzichtbare Facharbeit verantwortlich, die bislang auch den nicht organisierten Handwerkern zugute kommt", gibt Ronald Pribbernow, selbst Firmeninhaber in Parchim und stellvertretender Landesinnungschef, zu bedenken. Die Innung zeichnet u.a. für die technischen Entwicklungen, die Erarbeitung der Ausbildungsordnung, die Zusammenstellung der Prüfungsfragen und die Abnahme der Zwischen- und Gesellenprüfungen verantwortlich. Einig ist man sich, dass diese Aufgaben künftig stärker vom gesamten Handwerk getragen werden sollten.

Die Mitgliederversammlung der Tischlerinnung hat den mit der IG Metall vereinbarten Tarifverträgen zugestimmt. "Nun kommt es darauf an, dass die tariflichen Standards für alle im Tischlerhandwerk tätigen gelten. Nur so können faire Wettbewerbsbedingungen garantiert werden", meint Christoph Maaß. Leider sehe die Realität derzeit noch anders aus. Auch in Parchim würden öffentliche Aufträge an Tischler vergeben, die ihren Mitarbeitern Löhne unterhalb des Tarifniveaus zahlen und damit Wettbewerbsvorteile aus Sicht der Innung unberechtigt nutzen. Die öffentliche Hand sei gefordert, selbst gefasste Beschlüsse zur Tariftreue bei der Auftragsvergabe zu berücksichtigen und ständig zu kontrollieren.

In Parchim haben sich die Innungsmitglieder erneut zur "Dessauer Initiative" bekannt. Die in Innungen organisierten selbstständigen Handwerker sehen akuten Reformbedarf im derzeitigen Verhältnis von Staat und Selbstverwaltung. Es geht um die Grundsatzfrage, ob der Staat mit einer Kammer-Zwangsmitgliedschaft die Interessen der Handwerker besser vertreten kann, als durch freiwilliger Mitarbeit in einer Innung. In Parchim wurde klar gestellt, dass Forderungen wie ein Beitragsbonussystem für Innungsbetriebe, die Reduzierung auf eine Handwerkskammer pro Bundesland und eine Änderung des Tarifgesetzes überfällig sind. "Dann wird der Wettbewerb im Handwerk im Wesentlichen von betriebswirtschaftlichen Kriterien und nicht nur über den Lohn erfolgen", waren sich auch die Tischler einig.

Obwohl die Satzung des Landesinnungsverbandes den veränderten Bedingungen nach der Kreisgebietsreform angepasst und die Wahlperiode für den Vorstand auf fünf Jahre erhöht wurde, dürfte es auf mittelfristige Sicht weiterhin getrennte Tischlerinnungen für die Region des Altkreises Parchim und Ludwigslust/Hagenow geben. "Wir arbeiten in den bisherigen Strukturen sehr erfolgreich und sehen keinen Handlungsbedarf", sagt Obermeister Christoph Maaß. Auch der ziemlich große Einzugsbereich vom Plauer See bis Boizenburg würde aus seiner Sicht die in der Innung ehrenamtlich tätigen Handwerker neben ihrer Arbeit überfordern.

Eine Herausforderung auch für das Tischlerhandwerk ist die immer schwieriger werdende Nachwuchsgewinnung. "Mit unseren Beschlüssen zur Tariftreue geben wir den jungen Leuten ein Signal, dass das Lohnniveau in Innungsbetrieben garantiert ist", sagt Pribbenow. Auch wenn ein Tischler in Großstädten wie Hamburg mitunter mehr verdient, lohne es, um den Berufsnachwuchs für Betriebe vor Ort zu kämpfen. Vom hohen handwerklichen Niveau in der Region konnte sich beim diesjährigen Handwerkstag erst kürzlich jedermann überzeugen. Die Mitglieder der Tischlerinnung zeigten sich bei einem Umzug durch Parchim sehr selbstbewusst.