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Stadtwerke Strom wird in Parchim billiger

Von Wolfried Ptzold | 08.12.2017, 21:00 Uhr

Stadtwerke senken Preise für alle Elektroenergietarife. Rund 10 000 Kunden profitieren. Mehr als die Hälfte des Stroms vor Ort erzeugt.

Es ist beschlossene Sache: Ab dem 1. März 2018 kostet der Strom, den die Parchimer Stadtwerke an mehr als 10 000 Kunden liefern, weniger. „Die Senkung liegt bei knapp zwei Prozent“, so Stadtwerkechef Dirk Kempke. Für eine Parchimer Familie, die als so genannter Durchschnittskunde 3500 Kilowattstunden im Jahr verbraucht, verbleiben damit etwa 25 Euro in der eigenen Haushaltskasse. „Wir freuen uns, dass damit nun wieder eine Reduzierung in allen Tarifen möglich ist. Vor allem die leicht gesunkenen staatlichen Umlagen und die geringeren Netzentgelte sind dafür ursächlich“, sagt er Stadtwerkechef. Die zuständige Bundesnetzagentur beginne Schieflagen abzubauen, die einseitig zu Lasten der Kunden in Regionen gingen, in denen überdurchschnittlich viel erneuerbare Energie (Windkraft, Biomasse, Photovoltaik) produziert wird. „Das Mitte des Jahres in Kraft getretene Netzentgeltmodernisierungsgesetz trägt erste Früchte bei der Wiederherstellung von mehr Strompreisgerechtigkeit“, meint der Parchimer Stadtwerkechef. „Zufrieden kann man sich damit aber keinesfalls geben. Längst mehr als die Hälfte des Strompreises wird durch staatliche Umlagen bestimmt. Im Jahr 2016 waren von der Bundesregierung gleich mehrere Erhöhungen beschlossen worden“, gibt Dirk Kempke zu bedenken. Damit mussten die Stromkunden in einem Jahr rund 23 Milliarden Euro für die Erneuerbaren berappen, hatte der Branchenverband errechnet. „Die Politik bleibt in der Verantwortung, für weitere Entlastungen zu sorgen. Auch deshalb ist es wichtig, dass möglichst bald eine handlungsfähige Regierung das Ruder übernimmt“, ist Dirk Kempke wichtig.

Die Parchimer Stadtwerke haben schon vor Jahren strategisch die Weichen mit dem Ziel neu gestellt, sich mit der Energieversorgung vor Ort unabhängiger zu machen. Vor drei Jahren ging eins der modernste Biomasseheizkraftwerke des Landes am Rande der Parchimer Weststadt in Betrieb. Dort wird mit Restholz aus Wäldern der Region Fernwärme für rund 3300 Weststadtwohnungen und auch Elektroenergie produziert. Im Jahr wird die Anlage mit 5000 Tonnen Industrieholz gefüttert. Restwärme treibt eine Turbine an, die 0,3 Megawatt Strom ins Stadtnetz einspeisen kann. Die Stadtwerke verfügen außerdem über mehrere kleinere und größere Anlage zur Erzeugung von Elektrizität und Wärme in einem Kuppelprozess (HKW) sowie mehrere Photovoltaikanlagen auf Wirtschaftsgebäuden. „Inzwischen produzieren wir rund 53 Prozent des Stromes vor Ort selbst und machen uns damit vom Auf und Ab an der Strombörse unabhängiger. Die Parchimer Stadtwerke liegen mit der Eigenproduktion weit vorne“, freut sich der Chef.

In diesen Tagen bekommen viele Stadtwerkekunden Besuch. Mitarbeiter, die sich selbstverständlich ausweisen können, lesen die Zähler ab. Mitunter übernehmen das auch die Verbraucher selbst. Der regelmäßige Blick auf den eigenen Zähler kann ebenfalls Geld sparen. „Das Einsparpotenzial wird mitunter unterschätzt. Ältere Gefriertruhen, noch nicht ausgewechselte Glühbirnen oder Elektroheizgeräte erweisen sich u.a. Kostenfalle. Wer seinen Verbrauch einmal selbst prüfen möchte, kann sich bei uns ein Strommessgerät ausleihen“, rät Dirk Kempke und empfiehlt: „Wer Fragen rund um die Energieversorgung hat, sollte sich an unser Kundencenter am Ostring wenden“. Und es lauern leider auch in der Vorweihnachtszeit Gefahren. „Geschäfte an der Haustür sind nicht unser Ding. Wir rufen auch niemanden an, um Zählerdaten abzufragen. Alle Fakten, die wir benötigen, liegen uns vor. Betrüger wollen schnelles Geld machen“, warnt Dirk Kempke.