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Parchim Sie hält das Sanitärhaus an der Parchimer Marina sauber

Von Christiane Großmann | 05.08.2020, 13:51 Uhr

Gabi Kinzel sorgt mit ihrer Arbeit still und leise im Hintergrund dafür, dass sich Urlauber in der Eldestadt wohlfühlen

Sandra und Hans-Jürgen Jakobs haben mit ihrem rollenden Ferienhaus schon auf vielen Stellplätzen Station gemacht: Seit 20 Jahren schwört das Ehepaar aus Höxter (Nordrhein-Westfalen) auf Campingurlaub mit dem Wohnmobil. Enkel Milow war bereits wenige Wochen nach seiner Geburt zusammen mit seiner Mama das erste Mal an Bord. Auch in diesem Sommer ging der mittlerweile Sechsjährige zwei Wochen mit auf Tour. Pünktlich zur Einschulung lieferten Sandra und Hans-Jürgen Jakobs ihren Enkel wieder zu Hause ab – in Parchim. Die Nacht nach der aufregenden Einschulungsfeier verbrachte der frisch gebackene Abc-Schütze noch einmal selig schlummernd im Caravan bei Oma und Opa, bevor die ihren Trip Richtung Ostsee fortsetzten.

Reinigungsfrau immer präsent und hilfsbereit

Wenn Sandra und Hans-Jürgen Jakobs ihre Zelte in Parchim aufschlagen – was wegen der familiären Anbindung regelmäßig vorkommt – dann campieren sie stets auf dem Wohnwagenparkplatz am Fischerdamm. Die Vielreisenden können sich ein Urteil erlauben: Dass es auf einem Stellplatz für Wohnmobile ein Sanitärhaus gibt, sei nicht der normale Standard. In Parchim profitieren Wohnmobilreisende davon, dass sich hier auch der Wasserwanderrastplatz befindet. In Sachen Zustand schneidet das Sanitärhaus bei dem Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen sehr gut ab. „Ich bin schon sehr etepetete. Hier ist es super sauber. Die Frau ist präsent. Sie lässt sich immer ansprechen, ist sehr freundlich und sofort hilfsbereit, wenn man eine Frage hat", findet Sandra Jakobs. Sie ist übrigens gebürtige Schwerinerin.

Früher wienerte sie Schankwagen

Die Frau, die das Sanitärhaus am Fischerdamm mittlerweile in der vierten Saison in Schuss hält, ist Gabi Kinzel. Als ihr 2017 der Job vom Betreiber der Marina und des Wohnwagen-Stellplatzes angeboten wurde, zierte sie sich nicht lange. Die Anfrage von Hafenpächter Holger Nüsch fiel in die Zeit, als sie in Rente ging. „Ich möchte gebraucht werden. Alleine zu Hause sitzen und die Hände in den Schoß legen ist nicht meine Welt. So kann ich wenigsten noch ein wenig meine Rente aufbessern“, sagt die 66-Jährige bescheiden. Aufgewachsen im Vogtland, kam Gabi Kinzel 1973 nach Parchim, um hier eine Familie zu gründen. Ihre drei längst erwachsenen Jungen sind alle der Eldestadt treu geblieben. Dass Gabi Kinzel ordentlich zupacken kann, bewies sie zum Beispiel 24 Jahre bei Meyer-Getränke. Dort hielt sie unter anderem die Büros und die Schanktechnik tip top in Ordnung. Jeder Schankwagen wurde von ihr bis in den hintersten Winkel in Handarbeit gewienert. Ein Knochenjob.

Arbeit beginnt für die Rentnerin morgens gegen 7 Uhr

Während der Touristensaison steht Gabi Kinzel an sieben Tagen in der Woche schon morgens um 7 Uhr auf der Matte, um die stillen Örtchen zu reinigen und die Duschen zu feudeln. Das frühe Aufstehen macht ihr nichts aus. Abends kuckt sie dann noch einmal am Fischerdamm nach dem rechten. Im Winter wird das Sanitärhaus, das ja ein öffentliches WC ist, zweimal in der Woche geputzt. Auf die Uhr schaut Gabi Kinzel bei der Arbeit nicht: „Ich mache solange, bis alles sauber ist“, sagt die Parchimerin. Dazu gehört auch, dass sie immer mal wieder zum Handfeger greift und außen herum die Spinnweben wegfegt oder regelmäßig die Blütenpracht in den Blumenkästen gießt.

Kürzer treten ist momentan noch kein Thema

Über die ekligen Hinterlassenschaften, die sie manchmal im Sanitärhaus erwarten, möchte sie sich lieber nicht auslassen. Menschen, die sich einfach nicht benehmen wollen, machen leider auch um Parchim keinen Bogen. Die Reinigungsfrau orientiert sich lieber an den Wassertouristen oder Weltenbummlern mit dem Wohnmobil, die ihr morgens freundlich zuwinken oder zurufen, dass sie ihre Arbeit zu schätzen wissen. Kürzertreten ist für Gabi Kinzel momentan kein Thema. „Solange ich fit bin und das körperlich schaffe, mache ich hier weiter“, verspricht sie. Das klingt wie Musik in den Ohren ihres Chefs Holger Nüsch.

„Gabi ist absolut zuverlässig und hat noch keinen einen einzigen Tag gefehlt. Wenn ich kurz vor Mitternacht bei ihr anrufen würde, weil es ein Malheur gibt, würde sie sich auf der Stelle auf den Weg zum Fischerdamm machen. “
Holger Nüsch, Hafenmeister