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Wirtschaft Ludwigslust-Parchim Regionale Betriebe halten durch

Von Amelie Uding | 02.07.2020, 07:00 Uhr

Unternehmerverband Ludwigslust-Parchim vermeldet keine durch Corona bedingte Insolvenzen im Landkreis

Als die Einzelhändler, Gastronomen und viele weitere Unternehmen im Frühjahr bedingt durch das Covid-19-Virus gezwungen waren, ihre Geschäfte über einen längeren Zeitraum zu schließen, konnte noch niemand ahnen, was das für Folgen mit sich zieht. Mittlerweile können viele Betrieb wieder ihrer Arbeit nachgehen. Für einige hat sich die Situation jedoch nicht verändert, darunter Künstler, Schausteller und weitere Veranstalter.

Zwar wurde beim vergangenen MV-Gipfel der Landesregierung am Dienstag entschieden, dass ab dem 10. Juli auch größere Veranstaltungen mit bis zu 200 Teilnehmern im Innenbereich und 500 Teilnehmern im Außenbereich stattfinden dürfen. Doch das ändert wohl im Moment kaum etwas an der Situation. "Allein die Planung braucht einen gewissen Vorlauf. Wir haben also keine Möglichkeit, die Veranstaltungen nachzuholen. Und der Martini-Markt wird wahrscheinlich auch nicht stattfinden", sagt Kerstin Waschner, Vorsitzende des Altstadthändlervereins in Parchim. Sie setzt darauf, dass die Händler zumindest zur Weihnachtszeit etwas organisieren dürfen. Aber sie bleibt auch realistisch: "Es besteht noch ein Ansteckungsrisiko. Die Zukunft ist von dem Impfstoff abhängig." Abgesehen vom Wegfall der Veranstaltungen, freut sie sich dennoch, dass alle Händler durchgehalten haben. "So weit ich weiß, ist keiner pleite gegangen. Das Konjunkturpaket vom Land war auch eine feine Geschichte. Damit konnten die Händler ihre festen Kosten bezahlen und die ersten Verluste überbrücken", sagt sie. Die Mehrwertsteuerabsetzung erschließe sich ihr allerdings nicht, da sie mehr Aufwand bedeute, der sich für kleine Produkte nicht lohnen würde. Und die Maske sei für den stationären Handel ein Problem. "Die Maske ist für viele Leute eine Hemmschwelle. Man überlegt sich, ob man wirklich irgendwo nochmal reingeht. Da profitiert natürlich wieder der Online-Handel von."

Das kann Volker Rumstich bestätigen. Als Geschäftsführer eines Transportunternehmens und Regionalleiter des Unternehmerverbandes des Landkreises Ludwigslust-Parchim ist auch ihm aufgefallen, dass der Online-Handel rapide zugenommen hat. "Der Bedarf an Transport ist um einiges größer. Wir haben reichlich zu tun", sagt er. Sicherlich gebe es Gewinner in dieser Krise, aber eben auch langfristige Probleme. "Alleinunterhalter und Künstler werden es schwer haben. Und für viele Betriebe wird es noch schwieriger, einen Nachfolger zu finden. Die Zeiten sind unsicher und niemand will so richtig die Verantwortung übernehmen", sagt Rumstich. Angemeldete Insolvenzen im Landkreis seien ihm jedoch bislang nicht bekannt. Tatsächlich habe der Unternehmerverband Ludwigslust-Parchim sogar einen Zuwachs an Mitgliedsbetrieben. "Wir haben eigentlich damit gerechnet, dass einige sich abmelden, damit sie keinen Mitgliedsbeitrag mehr zahlen müssen", sagt Rumstich. Doch es sei genau der gegenteilige Fall eingetreten. "Wir haben in diesem Jahr einen Zuwachs von zwölf Mitgliedern. Und das, obwohl zwei Monate lang eine Ausgangssperre verhängt worden ist. Das ist für unseren Landkreis schon eine gute Zahl."

Auch wenn es schon die ersten Einschätzungen gibt, so sei es auch für die Ämter schwierig, konkrete Aussagen über die langfristigen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft in der Region zu treffen, erklärt Anja Bollmohr von der Wirtschaftsförderung der Stadt Parchim. Zwar unterstütze die Landesregierung die Wirtschaft mit verschiedenen Corona-Hilfsprogrammen. "Die ersten Auswirkungen werden sich aber wahrscheinlich erst ab Herbst bemerkbar machen", sagt Bollmohr. Jedoch ist sie davon überzeugt, dass es einige Branchen besonders schwer haben werden. Dazu zählt sie neben der Veranstaltungs- auch die Tourismusbranche. "Wir reden immer von einer guten Auslastung in der Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern. An den Küsten mag das ja zutreffen, aber nicht unbedingt fürs Binnenland", sagt sie. "Wir müssen einfach schauen, wie es weitergeht."