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Parchim Neuer Standort stärkt Südbahn

Von ILBA | 15.03.2018, 23:28 Uhr

Firma Regio Infra lässt Technik im Umkreis von 400 Kilometern ab sofort von Lübz aus instandhalten

Die Firma Regio Infra, der ein Großteil des Streckennetzes der Südbahn gehört, setzt nach Aussage ihres Geschäftsführers Tino Hahn ein Zeichen für die heiß umkämpfte Verbindung: Im Lübzer Stellwerk hat sie in der vergangenen Woche einen neuen Betriebsstandort eröffnet, von dem aus künftig Marco und sein Vater Werner Krause die Leit- und Sicherungs-, Elektro- sowie Telekommunikationstechnik (kurz LST) des Unternehmens in einem Umkreis von 400 Kilometern instandhalten. Bisher geschah dies von Meyenburg aus. Zusätzlich entstanden sind ein Lager, eine Werkstatt und größere Büros als früher. Mitgekommen ist außerdem ein Bau-überwacher aus Putlitz. Die betreute Technik befindet sich in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Das Lübzer Stellwerk wurde 1989 errichtet und ging 1990 in Betrieb. Die damals eingebaute DDR-Technik versieht bis heute ihren Dienst – ohne einen Tag abgeschaltet gewesen zu sein. „In der Bevölkerung ist kaum jemandem bewusst, dass das Stellwerk nicht einen einzigen Tag außer Betrieb war und damit auch die Südbahn-Strecke theoretisch jederzeit sofort befahrbar ist“, erklärt der Anlagenverantwortliche Werner Krause. So habe beispielsweise die Ostdeutsche Eisenbahn AG (kurz ODEG) auf ihr am Montag einen Zug von Parchim über Lübz nach Waren zum TÜV gebracht: „Die Strecke ist nach wie vor für alle Kunden offen.“ Zwischen Parchim und Malchow aus genannten Gründen von Stilllegung zu sprechen, sei nicht nur irreführend, sondern auch vollkommen falsch.

„Ist eine Strecke erst einmal stillgelegt, gelten ganz andere Bedingungen, eine Wiederinbetriebnahme wäre mit einem riesigen Aufwand verbunden. Die Südbahnstrecke ist voll aktiv“, sagt Werner Krause, dessen Sohn seinen Posten langfristig gesehen übernehmen soll.

Beide Männer kritisieren, dass sich im Gegensatz zu Brandenburg die man in Mecklenburg-Vorpommern die Verkehrskonzepte zu wenig nach den Bedürfnissen der Nutzer ausrichte, was in Fahrplänen auch die Abstimmung zwischen Bus und Bahn betreffe. „Die Bahn spielt zudem beim Tourismus eine große Rolle“, so Marco Krause. „Ihre Bedeutung wird darüber hinaus wachsen, weil auch uns das Thema Abgasnormen früher oder später einholt.“ Verkehrskonzepte dürfe man nicht nur an Großstädten ausrichten: „Und der ländliche Raum? Dann darf man sich nicht wundern, dass er immer mehr ausblutet.“

Auf der insgesamt etwa 70 Kilometer langen Südbahnstrecke wurden in großen Bereichen sowohl die Gleise als auch viele Flächen auf Bahnhöfen erneuert und angepasst, um müheloses Ein- und Aussteigen zu ermöglichen. Für Parchim etwa läuft jetzt die Planung, neue Schranken zu installieren.

Einig sind sich beide Männer auch in einem anderen Punkt: Anerkennung für den unverdrossenen Einsatz der BI Südbahn, die nicht aufgeben möchte, bis auch in Lübz wieder Züge auf dem Bahnhof verkehren.