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Mestlin Mestliner Wanderer erkunden Parchimer Wallanlagen

Von Christiane Großmann | 06.08.2020, 07:00 Uhr

Einmal im Monat finden sich etwa 20 Wanderfreunde zusammen, um lohnende Ziele in der Region zu erkunden.

Ein Hauch von einem lauen Lüftchen und wohltuender Schatten: Der Zufall wollte es, dass sich die Mestliner Wanderer für ihre Augusttour den perfekten Ort in der Region ausgewählt hatten, den man an so einem schwülheißen Sommertag nur erwischen kann: die Parchimer Wallanlagen. Hier wandelte die Gruppe bei angenehmem Klima auf den Spuren der Heimatgeschichte.

Imposante Zeitzeugnisse: die Blidensteine

Lotte Hansen, die diesmal die Wanderleitung übernahm und einige Tage zuvor schon einmal das Terrain auskundschaftete, führte die Gruppe unter anderem zu den Blidensteinen. Dabei handelt es sich um mittelalterliche Schleudergeschütze. Sie kamen wahrscheinlich bis ins 16. Jahrhundert hinein als Fernwaffen zum Einsatz. Lange Zeit waren diese steinernen Zeitzeugnisse in Vergessenheit geraten, bis sie mit der 2018 verwirklichten denkmalgerechten Sanierung der Wallanlagen einen würdigen Platz erhielten. Angeregt hatte das der Parchimer Heimatbund.

Mit 94 Jahren noch gut zu Fuß

Für die Mestliner Wanderer war es in dieser Woche die zweite Tour nach dem Lockdown Mitte März. Regelmäßig einmal im Monat unterwegs sind sie schon seit der Nachwendezeit: Viele der ersten Mitstreiter vollzogen damals den Übergang vom Arbeitsleben in den Ruhestand und wollten die freiwillig oder unfreiwillig hinzugewonnene Zeit mit etwas Sinnvollem ausfüllen. Derzeit halten Margot König, Annegret Evers, Karin Meisel und Dana Grewe die Gruppe zusammen. Mit 94 Jahren der Senior und immer noch eisern bei jeder Wanderung dabei ist Günther Peters. Er bringt das Anliegen der aktuell etwa 20 Wanderfreunde auf den Punkt: „Wir wollen uns bewegen und immer wieder neue Ziele aus der Heimat entdecken. Wir haben längst noch nicht alle sehenswerten Orte besucht“. Aber so viele, dass man von den Erinnerungen ein ganzes Wanderbuch schreiben könnte.

100. Tour führte nach Neukloster

Zu den Erlebnissen, die zum Beispiel Christa Preußler nie vergessen wird, gehörte die 100. Wanderung. Das war 2005. Die Mestliner Gruppe hatte sich zu einem Besuch bei ihrem ehemaligen Pastor Jens Krause in Neukloster angekündigt. Mit im Gepäck war eine nach allen Regeln der Bäckerkunst selbst kreierte Jubiläumstorte. Als die Mestliner in Neukloster eintrafen, perlte zur Begrüßung schon der Sekt in den Gläsern und ihr ehemaliger Pastor wich seinen Besuchern den ganzen Tag lang nicht von der Seite. „Das war für mich die schönste Wanderung“, schwärmt Christa Preußler.

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Die Wallanlagen in Parchim

Die Parchimer Wallanlagen wurden 1860 bis 1862 im Auftrag der Stadt von dem herzoglichen Hofgärtner Theodor Klett umgestaltet. Als 2018 die denkmalgeschützte Sanierung in Angriff genommen wurde, löste das bei Bürgern zunächst einen Sturm der Entrüstung aus: Sie befürchteten den Kahlschlag. Teilweise wurden sogar die Arbeiter angepöbelt. Tatsächlich wurden 101 Bäume aus dem Bestand genommen. Gut die Hälfte davon war Wildwuchs, weitere Bäume von Stürmen oder Pilzbefall gezeichnet. Andere Bäume hatten auf Grund ihres Alters von bis zu 150 Jahren kaum noch eine Lebenserwartung. Doch das geriet damals alles zur Nebensache, als die Motorsägen dröhnten, ebenso, was sich die Fachleute dabei dachten. Als im Frühjahr 2019 das sanierte Boden- und Gartendenkmal im Rahmen des Tages der Städtebauförderung feierlich übergeben wurden, hatten auf dem 4,5 Hektar großen Areal bereits 103 neue heimische Bäume ihre Wurzeln geschlagen. Und das kulturelle Erbe Wallanlagen wird heute völlig zurecht als grünes Schmuckstück gepriesen.