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Lewitz-Werkstätten Parchim Koch-Azubis

Von Amelie Uding | 29.07.2020, 15:05 Uhr

Was tun nach dem Schulabschluss? Seit mehr als 20 Jahren bildet die Lewitz-Werkstätte junge Köche aus

Im Jahr 2019 gab es 13247 Schulabgänger mit einem Abschluss in Mecklenburg-Vorpommern. Beinahe 5000 erreichten die mittlere Reife, etwa 4700 das Abitur. Welche Chancen bieten verschiedene Ausbildungen, was kann man machen? Die SVZ fragt nach und stellt in dieser Woche regionale Unternehmen und deren Ausbildungsmöglichkeiten vor. Es gibt derzeit laut Industrie- und Handelskammer Schwerin 720 offene Lehrstellen, und bereits weitere 300, die bis jetzt schon für das kommende Jahr im gesamten Kammerbezirk ausgeschrieben worden sind.

Darunter auch die Küche der Lewitz-Werkstätte in der Heide-Feld-Straße. Bereits seit mehr als 20 Jahren werden hier junge Köche ausgebildet. Maja Bohnet ist eine von ihnen. Eigentlich wollte die 20-Jährige aus Sternberg Erzieherin werden. Dafür braucht sie aber einen Realschulabschluss. "Aber ich wollte nicht länger in der Schule sitzen, ich wollte was machen", sagt sie. Auf der Berufsmesse in Parchim erkundigte sie sich also nach Lehrstellen. "Und da bin ich auf die Lewitz-Werkstätten gestoßen."

Ob Salate zubereiten, Soßen kochen, den Mittagstisch oder ein Catering organisieren: das Spektrum einer dreijährigen Kochausbildung in den Lewitz-Werkstätten ist vielfältig. "Unsere Azubis beginnen im ersten Jahr mit den kalten Speisen, dann kommen die warmen Gerichte", erklärt der Ausbilder und Küchenleiter Karsten Hinrichs. Auch Lebensmittelunverträglichkeiten sind ein Thema. "Das nimmt ja auch immer mehr zu. Vor allem aber auch fleischlose Gerichte für die Vegetarier", sagt Maja Bohnet.

Neben der Speisenzubereitung für die Kantine erhalten die Auszubildenden auch Einblicke in andere Bereiche. "Sie helfen auch mal in unserem Café Würfel hier in der Scharnhorststraße mit. So lernen sie auch was anderes kennen, und nicht nur das Kochen für die Masse", sagt die Personalleiterin Annette Jeske. Eine weitere Besonderheit seien zudem die Einblicke in den Konditor-Bereich. "Ein Kollegen in der Küche macht demnächst den Meister zum Konditor. Durch ihn können unsere Azubis auch Süßspeisen und Desserts zubereiten", fügt Jeske hinzu. Das sei für eine Kochausbildung nicht selbstverständlich. Deshalb überlege man, ob die Lewitz-Werkstätten neben der Kochausbildung auch eine Konditorausbildung anbietet. "Aber das steht noch nicht fest. Wir suchen erstmal weiter nach Koch-Azubis. Wir haben noch freie Plätze."

Vor einigen Wochen hat Maja Bohnet ihre Abschlussprüfung bestanden. Ab August beginnt sie mit ihrer Ausbildung zur Erzieherin. Auch wenn der Weg dorthin länger gedauert hat, bereut sie keineswegs, die Ausbildung abgeschlossen zu haben. "Kochen braucht man immer, auch als Erzieher. Und man lernt hier wirklich fürs Leben, das Miteinander hier ist so schön", sagt sie.

Integration wird in der Küche der Lewitz-Werkstätten täglich gelebt. Aktuell werden rund 20 Mitarbeiter dort beschäftigt, davon zwölf mit Behinderung. Für Maja Bohnet war die Zusammenarbeit selbstverständlich. "Durch diese soziale Atmosphäre herrscht hier ein ganz anderes Betriebsklima", sagt sie. Lediglich ein Manko ist ihr von der Kochausbildung geblieben: "Seitdem habe ich kein Lieblingsgericht mehr. Man lernt so viele Lebensmittel kennen, da fällt mir die Entscheidung wirklich schwer."

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