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Nach Zerstörung des Skulpturenensembles Letzte Chance für Parchims Courage

Von umit | 02.11.2012, 09:36 Uhr

Bildhauer Wieland Schmiedel wird nach der zweimaligen Zerstörung des Parchimer <br></br>Skulpturenensembles Courage das Figurentorso für das Stadthaus neu fertigen - aber zum letzten Mal.

Die gute Nachricht zuerst: Künstler Wieland Schmiedel wird nach der zweimaligen Zerstörung des Skulpturenensembles Courage am Parchimer Stadthaus zum dritten Mal den Figurentorso Kore neu fertigen, voraussichtlich im Sommer nächsten Jahres. Allerdings macht der Träger des Landeskulturpreises auch klar, dass dies "der letzte Versuch" sein wird.

Wieland Schmiedel: "Ich habe vor dem Stumpf der Kore eine Schriftplatte befestigt, die dort verbleiben soll, bis ich etwa Mitte nächsten Jahres einen dritten und letzten Versuch unternehme, erneut eine Figur dafür abzugießen. Der Torso der zuletzt zerstörten Figur soll, einem Gespräch mit dem stellvertretenden Bürgermeister Detlef Hestermann und Professor Wolfgang Vogt zufolge, im Foyer der Stadthalle seine Aufstellung finden."

Die Schriftplatte - ungewöhnliche, aber verständliche Maßnahme - vor dem Stumpf der einst aufrechten Kore spricht Klartext. "Rest der KORE, zerstört im August 2012", heißt es. Und: "COURAGE contra Ignoranz - Parchim ist gefordert!"

Rückblende: Am dritten Augustwochenende zerstörten bisher unbekannte Täter die Skulpturengruppe Courage vor dem Stadthaus. unmittelbar danach übernahm der Staatsschutz die Ermittlungen. Bereits im März 2010 war das Werk Opfer von Zerstörungswut geworden. Es traf immer die filigranere Kore, die Stelen - Werke, wie sie auch an den KZ-Todesmarsch von Sachsenhausen und Ravensbrück nach Raben Steinfeld erinnern - blieben unversehrt. Bürgermeister Bernd Rolly, der Kulturausschuss der Stadtvertretung und der Fritz-Reuter-Klub verurteilten die Attacken scharf. Die Täter wurden bisher nicht gefasst. Professor Dr. Wolfgang Vogt, Kulturpreisträger des Landkreises, hatte nach der zweiten Attacke öffentlich dafür plädiert, Kunst im öffentlichen Raum zu präsentieren: "Wir dürfen als engagierte Bürger und Bürgerinnen der Stadt nicht denen das Feld überlassen, die der Kultur vorsätzlich und hinterhältig, brutal und rücksichtslos den Garaus machen wollen. Denn Kultur - nicht zuletzt Kunst im öffentlichen Raum - ist ein Gradmesser für eine entwickelte Zivilisation und setzt Zeichen gegen die Banalität des Alltags und gegen Primitivität."

Sicher gibt es keine Patentlösungen dafür, öffentliche Kunstwerke zu schützen. Die Kreisstadt Parchim sollte aber alles daran setzen, um der dritten Courage eine längere Existenz zu sichern, am besten eine ewige.