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Parchim Lenin der große Gewinner in Parchim

Von Wolfried Pätzold | 05.09.2011, 08:26 Uhr

Als gestern früh nach einer ziemlich langen Wahlnacht gegen 0.30 Uhr das Licht im Rathaus ausgeht, lassen die vorläufigen Ergebnisse keinen Zweifel: Lenin bleibt im Stadtbild der alten und neuen Kreisstadt präsent.

 

Und das Votum für die Beibehaltung der umstrittenen Straßennamen in der Weststadt fällt eindeutig aus. 5290 wahlberechtige Parchimer im Alter ab 16 Jahren setzten ihr Kreuz auf dem grauen amtlichen Wahlzettel bei "Nein". 67,6 Prozent der gültigen Stimmen sind ein klares Votum gegen den Beschluss der Stadtvertreter vom 22. Juni 2011, der vorsah, dass Straßen mit Namen der DDR-Repräsentanten Dieckmann, Grotewohl und Nuschke sowie des russischen Revolutionsführers Lenin in Parchim durch neue Namen wie Neumünsterstraße, Grüne Mitte und Weststadtallee ersetzt werden. Laut Kommunalverfassung war nicht nur die absolute Mehrheit der Nein-Stimmen, sondern auch eine Mindestzahl von 25 Prozent der Wahlberechtigten (3839 Stimmen) erforderlich. Im Gegenzug haben sich nur 2541 (32,4 Prozent) für die geplante Straßenumbenennungen ausgesprochen. 115 der beim Bürgerentscheid "Straßenumbenennung" abgegebenen Stimmen waren ungültig und flossen damit nicht in die Ergebnisse ein.

Kaum Unterschiede in den Parchimer Stadtteilen

Der erste Bürgerentscheid in der Geschichte Parchims stellte nicht nur die unmittelbar betroffenen Bürger in der Weststadt vor eine schwerwiegende Entscheidung. Gefragt waren alle Wahlberechtigten, unabhängig von der Tatsache, ob sie in der Altstadt, in der Weststadt oder sogar in einem der Ortsteile zu Hause sind. "Es gibt keine gravierenden Abweichungen. Überall gilt, dass etwa ein Drittel für eine Umbenennung der Straßen sind und rund zwei Drittel diesen Plan ablehnen", so Gemeindewahlleiterin Birgit Alisch. Vermutet wird, dass sich der Bürgerentscheid in der Kreisstadt als Zugpferd bei der Wahlbeteiligung erwiesen hat, die mit 47,41 Prozent zwar im Landesdurchschnitt aber erneut auf sehr niedrigem Niveau liegt.

Für die Bewohner in der Weststadt, auf die bei einer Straßenumbenennung auch Kosten zugekommen wären, bleibt damit vorerst alles beim Alten. Nicht nur die umstrittenen Namen, sondern auch die bisherigen Hausnummern haben Bestand. Dabei lässt sich nicht schönreden, dass aufgrund der gravierenden Veränderungen in der Weststadt - so sind mehrere Wohnblöcke längst der Abrissbirne zum Opfer gefallen - Orientierungsprobleme zum Alltag gehören. Hausnummern-Lücken und unlogische Zuordnungen machen es Lieferdiensten und Rettungskräften nicht einfach, punktgenau und schnell zum Ziel zu gelangen. Auf Nachfrage unserer Redaktion wurde uns gestern bestätigt, dass die Stadtverwaltung die Hausnummern ohne einen neuen Beschluss der Stadtvertreter durchaus ändern könnte, aber bislang kein entsprechender "Plan-B" existiert. Darüber muss sicher in der Zukunft weiter nachgedacht werden.

Abschied von der Leninstraße fällt auch andernorts schwer

In der Parchimer Weststadt ging gestern das Leben seinen gewohnten Gang. Obwohl die meisten Bewohner das Ergebnis des ersten Bürgerentscheids noch nicht kannten, waren sich viele offenbar recht sicher, dass die Leninstraße erhalten bleibt. "Die wird es auch in zehn Jahren hier noch geben", meinte eine Anwohnerin gelassen.

Parchim gehört damit weiterhin zu den 25 Städten in Deutschland, die eine Leninstraße ihr Eigen nennen. Erst kürzlich ist auch in Bützow der Vorstoß gescheitert, die dortige Leninstraße umzubenennen. In Schwerin grüßt weiter eine Leninstatue, allerdings mit einer erklärenden Info-Tafel am Sockel.