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Ludwigslust-Parchim Kreis legt Pflegesozialplan vor

Von SVZ | 09.02.2014, 11:35 Uhr

Wie ist die Situation der Gesundheitsvorsorge, der ambulanten Pflege, der Tagespflege, der Kurzzeitpflege und der stationären Pflege im Landkreis Ludwigslust-Parchim?

Wie ist die Situation der Gesundheitsvorsorge, der ambulanten Pflege, der Tagespflege, der Kurzzeitpflege und der stationären Pflege im Landkreis Ludwigslust-Parchim? Und welche Erfordernisse ergeben sich aus dem demografischen Wandel für die Zukunft? Antworten auf diese Fragen gibt der Pflegesozialplan, den der Landkreis Ludwigslust-Parchim erstellt hat. Die Verwaltung stellt den Plan jetzt in den kreislichen Gremien vor. Im März werden sich die Abgeordneten des Kreistages damit befassen.

Im Landkreis Ludwigslust-Parchim sind 27 Prozent der Bevölkerung im Alter ab 60 Jahren, darunter 9,6 Prozent im Alter ab 75 Jahren. Im Vergleich zur Altersstruktur in Mecklenburg-Vorpommern ist die Bevölkerung hier etwas jünger. Der „demografische Wandel“ kommt in der Bevölkerungsentwicklung seit dem Jahr 2000 recht deutlich zum Ausdruck, seither ist die Zahl der Älteren ab 75 Jahren um 70 Prozent gestiegen, während die Zahl der unter 40-Jährigen um 35 Prozent zurückgegangen ist. Bis zum Jahr 2030 werden 40,6 Prozent der Bevölkerung im Landkreis Ludwigslust-Parchim im Alter ab 60 Jahren sein, darunter 13,7 Prozent ab 75 Jahren.


Mehr Pflegebedürftige als im Bundesdurchschnitt

Da das Risiko der Pflegebedürftigkeit im höheren Alter ansteigt, wirkt sich diese Entwicklung auf den Pflegebedarf aus. Im Jahr 2011 waren kreisweit 8666 Personen pflegebedürftig, davon wurden 26 Prozent in Heimen und 74 Prozent in Privathaushalten gepflegt. Dieser Anteil ist höher als im Bundesdurchschnitt. Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der Pflegebedürftigen voraussichtlich um 22 Prozent auf 10 578 Personen steigen, davon werden 7400 bzw. 70 Prozent im Alter ab 75 Jahren sein.

In den kommenden Jahren werde der Bedarf an den unterschiedlichen pflegerischen Angeboten aufgrund der Altersentwicklung deutlich steigen, sagt Landrat Rolf Christiansen mit Blick auf die aktuelle Landesprognose zur Bevölkerungsentwicklung. „Das Landespflegegesetz schreibt uns wie auch allen anderen Landkreisen und kreisfreien Städte in Mecklenburg-Vorpommern deshalb vor, alle fünf Jahre Planungen für ambulante, teilstationäre und stationäre Pflegeeinrichtungen zu erstellen“, so der Verwaltungschef. „Eine Pflichtaufgabe, die selbstverständlich von herausragendem Interesse für uns ist. Denn mit der vorliegenden und ständig fortgeschriebenen Pflegesozialplanung haben wir als Landkreis jetzt die Möglichkeit, uns aktiv auf die Auswirkungen der demografischen Entwicklung im Pflegebereich vorzubereiten.“

Die nun vorliegende Pflegesozialplanung bewertet Landrat Christiansen als „eine sehr gute Grundlage für grundlegende strukturelle Entscheidungen im Landkreis“. Gleichzeitig habe sich aber auch gezeigt, „dass eine derartige Planungsgrundlage kontinuierlich fortgeschrieben werden muss und dieses nur auf der Basis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit aller im Bereich der Pflege Tätigen funktionieren kann“.

Die empirischen Grundlagen zur Pflegesozialplanung im Landkreis Ludwigslust-Parchim wurden 2013 vom ISG Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik in Köln erarbeitet. Die Pflegesozialplanung umfasst eine demografische Analyse des aktuellen und zukünftigen Pflegebedarfs, eine Bestandsaufnahme der regionalen Versorgungsstruktur und eine Bedarfsanalyse sowohl auf Kreisebene als auch auf Stadt- und Ämterebene.

Eine trägerübergreifende Information und Beratung der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen wird im Landkreis Ludwigslust-Parchim durch zwei Pflegestützpunkte in Parchim und in Ludwigslust mit jeweils zwei Vollzeitstellen geleistet. Weiterhin verfügt die Heimaufsicht über eine Personalstelle zur Information und Beratung im Bereich stationärer Pflege.

Die Gesundheitsversorgung im Landkreis Ludwigslust-Parchim ist aktuell im Hinblick auf niedergelassene Ärzte der Allgemeinmedizin für die von Pflege betroffenen Menschen vergleichsweise gut. Die Kennziffer von 0,6 Ärzten je 100 Hochaltrige (Menschen die älter als 80 Jahre sind) liegt zwischen der Versorgungskennziffer des Bundes (0,8 Ärzte) und der etwas niedrigeren des Landes (0,5 Ärzte je 100 Hochaltrige). Diese „Momentaufnahme“ gibt aber keinen Anlass zur Entwarnung, denn von dem bundesweit erwarteten Trend zu einem Ärztemangel insbesondere in ländlichen Räumen wird der Landkreis Ludwigslust-Parchim nicht verschont bleiben.

Die Krankenhausversorgung ist mit 3,7 Betten je 100 Hochaltrige dagegen bereits jetzt schlechter als im Landes- und Bundesdurchschnitt (5,6 bzw. 5,7 Betten je 100 Hochaltrige). Zwar ist davon auszugehen, dass auch Klinikkapazitäten der Stadt Schwerin mit genutzt werden; aber insgesamt ist im Krankenhausbereich mit einem weitergehenden Prozess der Konzentration und Spezialisierung zu rechnen, wodurch die zukünftige Versorgungsdichte eher noch niedriger ausfallen könnte.