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Kossebade Kirchturm als wertvoller Lebensraum für Eulen ausgezeichnet

Von Armin Kung | 13.09.2020, 18:38 Uhr

Der Naturschutzbund MV zeichnet die erst dritte Kirche im Landkreis Ludwigslust-Parchim mit der Plakette „Lebensraum Kirchturm“ aus.

Wo leben eigentlich Schleiereulen? Noch vor einigen Jahrzehnten hätte die übliche Antwort gelautet: in Scheunen oder Gehöften. Doch die Tiere sind gefährdet. Als Kulturfolger sind sie auf menschliche Gebäude angewiesen, die immer ein offenes Fenster oder Tor in ihren Mauern haben. Scheunen werden immer seltener oder sie werden derart saniert, bis jede Öffnung geschlossen ist. Der Lebensraum der Schleiereule verschwindet.

Umso wichtiger sind Kirchen, die noch für Brutplätze von Schleiereulen bereitstehen. Eine dieser Kirchen steht in Kossebade. In der Spitze des hölzernen Turms nisten Schleiereulen direkt neben Turmfalken. Zwei seperate Nistkästen für Eulen und Falken befinden sich dort. Ideale Lebensbedingungen für die Vögel. Der Naturschutzbund in MV hat diesen Lebensraum nun ausgezeichnet "als Dank und Anerkennung für ihr besonderes Engagement im Natur- und Artenschutz". Um Tieren das Überleben zu sichern, gibt es die Aktion „Lebensraum Kirchturm“. Eine Gemeinschaftsaktion des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) und des Beratungsausschusses für das Deutsche Glockenwesen. Sie wollen die Lebensbedingungen für Turmfalken, Schleiereulen und Fledermäuse erhalten und verbessern. Außerdem würdigen sie besonders engagierte Kirchgemeinden für ihre Bemühungen und überreichen ihnen Plaketten mit der Aufschrift „Lebensraum Kirchturm“.

Damit ist nicht nur die Kirche gemeint. Dass die heimische Population bestehen kann, ist auch ein Verdienst von Konrad Peßner. "Ich bin der Eulenmensch vom Kreis", sagt er salopp. Desweiteren ist er Mitglied der Fachgruppe Ornithologie Parchim. Peßner tut viel für die Tiere in Kossebade. Er kontrolliert und pflegt die Brutanlagen, er dokumentiert die Zahl der Eier und weitere Daten für das Archiv.

Peßner macht dies mit Erfolg. Bereits die zweite Brut Schleiereulen in diesem Jahr liegt derzeit in der Spitze des Kirchturms. Sieben Eier zählte die erste Brut, acht Eier die zweite. "Wir zählen bereits vier Jungvögel", sagt er. Der Nabu sagt, man würdige mit der Urkunde und der Plakette nicht nur den Lebensraum, sondern auch seine Person.

Neben den Schleiereulen leben auch Turmfalken in Kossebade. Diese Tiere waren eigentlich Baumbrüter, entwickelten sich aber ebenfalls zu Gebäudebrütern, wie der Name andeutet. Peßner sorgte dafür, dass die Turmfalken getrennt von den Eulen leben. "Die Vögel kommen zwar miteinander aus, können sich aber in die Quere kommen. Schleiereulen sind nachtaktiv, während Turmfalken tagsüber jagen. Damit sie sich nicht stören, haben wir unterschiedliche Kästen angebracht", sagt Peßner.