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Niederdeutsch-Wettbewerb Kinder dieser Welt snacken Platt

Von Christiane Großmann | 22.03.2018, 12:00 Uhr

Parchimer Schüler gestalten am 14. April das Eröffnungsprogramm beim Landesfinale in Schwerin

„Plattdeutsch macht Spaß. Plattdeutsch macht fröhlich“, schwärmen Paula (8), Selen (10), Emilia (8) und ihre Altersgefährten aus der Parchimer Grundschule West. „Plattdeutsch verbindet“, lautet das Credo von Marion Wilzewski. Seit November vergangenen Jahres versammelt die Lehrerin einmal in der Woche 20 Zweit- bis Viertklässler um sich, um mit ihnen platt tau snacken und ein flottes Mecklenburger Tänzchen zu wagen. Obwohl die Arbeitsgemeinschaft erst vor wenigen Monaten aus der Taufe gehoben wurde, haben die Grundschüler bereits ein bemerkenswertes Gespür für den feinen Humor der großen niederdeutschen Autoren Fritz Reuter und Rudolf Tarnow entwickelt. Kleine Riemels gehen ihnen schon locker über die Lippen. Dabei legt Marion Wilzewski den Fokus nicht allein auf die Sprache. Vielmehr gehe es der Lehrerin auch darum, ihren Kindern eine Vorstellung davon zu vermitteln, wie es früher in Mecklenburg war.

Die wenigsten Plattsnacker an der Grundschule West haben so wie Paula oder Lehrerin Marion Wilzewski ihre familiären Wurzeln im Land des großen Mecklenburger Volkskundlers Richard Wossidlo oder in der Stadt, in der Reuter und Tarnow zur Schule gingen: in Parchim. In dieser niederdeutschen Gruppe sind Kinder voll auf einer Wellenlänge, deren Eltern unter anderem aus Kasachstan, Kirgistan, Russland, der Ukraine, der Türkei, aus Tschetschenien, Togo und Syrien nach Parchim kamen. Darunter auch die Familie von Ghadir. Als die Elfjährige vor vier Jahren ihren ersten Schultag in der Weststadt hatte, sprach sie kein einziges deutsches Wort. Nicht nur ihre Eltern sind sehr stolz auf Ghadir, wie toll sich das Mädchen in der Schule macht, sondern auch Marion Wilzewski, die ihr sogar schon kleine Sonderaufgaben übertragen kann: „Sie ist meine stellvertretende Tanzgruppenleiterin“, verrät die Lehrerin. Zugleich bekräftigt sie aber auch: Grundvor-aussetzung, um sich überhaupt der niederdeutschen Sprache nähern zu können, ist natürlich das Beherrschen der deutschen Sprache.

Selbst plattdeutsch sprechen können, so wie ihre Großmutter mütterlicherseits oder ihre Schwiegermutter, das wollte Marion Wilzewski schon immer. „Ich fand den Klang so schön“, gesteht die Ur-Parchimerin, die ihren Lehrerberuf seit mittlerweile 37 Schuljahren ausübt. Also kaufte sie sich eines Tages zwei Wörterbücher, legte einfach drauf los und steckte mit ihrer Begeisterung ihre damalige Klasse an. Die Kinder waren mit so viel Feuereifer bei der Sache, dass sie nach dem Abschied von ihren Viertklässlern den Aufbau einer Arbeitsgemeinschaft anregte.

Für die kommenden Wochen haben sich die Plattsnacker aus der Parchimer Weststadtschule viel vorgenommen: Denn am 14. April dürfen sie beim Finale des landesweiten Plattdeutsch-Wettbewerbes in Schwerin das Eröffnungsprogramm gestalten. Beim Regionalausscheid für den Schulamtsbereich Schwerin in Crivitz legten sie einen so glanzvollen Auftritt hin, dass sie dafür mit einem zweiten Platz belohnt und vom Fleck weg für die Eröffnungsveranstaltung engagiert wurden (SVZ berichtete). Zu den ersten Gratulanten gehörten Schulleiterin Ines Plettner sowie Kristinas Mama, Natalia Steinbrecher. Sie sorgten dafür, dass die Plattsnacker Paula, Selen, Naya, Marta, Emilia, Anastasia, Kristina, Annalena, Laura, Sude, Ghadir und Rana wohlbehalten zum Wettbewerbsort und wieder nach Hause kamen.