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Parchim Keine Mundschutzpflicht auf dem Tanzparkett

Von Christiane Großmann | 13.10.2020, 07:00 Uhr

Tanz-Center am Bahnhof startet mit neuen Kursen. Stammkunden hielten dem Betreiber während des Lockdowns die Treue

Ja, auch in Coronazeiten kann in Parchim Tanzunterricht genommen werden. Veranstaltungen im großen Stil dürfen im Tanz-Center am Bahnhof aktuell zwar nicht angeboten werden, doch alle Kurse laufen normal weiter. Laut Programm starten zudem mehrere neue Angebote zum Beispiel im Gesellschaftstanz für Jugendliche, Paare und Singles. Seit Juli bietet Andreas Röber in seinem Haus sogar Hatha- und Yin-Yoga für Anfänger und Fortgeschrittene an. Kursleiterin Charlotte Ullrich ist dem Leiter der Tanzschule bereits aus einem anderen Projekt vertraut. Die Yogalehrerin aus Putlitz verliebte sich regelrecht in den Raum, der aus ihrer Sicht wie geschaffen für Yoga sei. Schon war die weitere Zusammenarbeit besiegelt.

Kunden haben sich schnell mit den Corona-Regeln arrangiert

Der treuen Stammkundschaft in den unterschiedlichsten Kreisen bereitete es absolut keine Probleme, sich mit den unvermeidlichen Corona-Bestimmungen zu arrangieren: Das heißt Lüften ohne Ende, Kommen und Gehen im Einbahnstraßensystem. Im Saal wurde die Anzahl der Stühle und Tische reduziert. Einige Kurse wechselten vom kleinen in den großen Saal, um flexibel reagieren zu können. Bevor Andreas Röber mit einer Tanzpartnerin vortanzt, greift er zum Desinfektionsmittel und setzt sich ein Visier auf. Auf den Boden geklebte Punkte sorgen dafür, dass die Abstandsregel nicht aus dem Blick gerät. Dafür braucht beim Tanzen keine (!) Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden. Am Tresen, wo derzeit nur Tanzschüler bedient werden dürfen, ist das aber nötig.

Seit 1998 als Tanzlehrer in Parchim tätig

Als der Tanzlehrer und Choreograf 1998 nach Parchim kam, gab es reichlich Skeptiker, die nicht daran glauben konnten, dass ein solcher Betrieb in einer 18.000 Einwohner zählenden Kleinstadt mit einem ländlichen Umfeld funktionieren kann. 2009 zog Andreas Röber in neu gebaute Räumlichkeiten. Seine jüngsten Kursteilnehmer haben gerade ihren dritten Geburtstag gefeiert. Nach oben gibt es keine Altersbeschränkung. Einige Gäste nehmen bis zu einer Stunde Autofahrt auf sich, um in angenehmem Ambiente und unter professioneller Anleitung das Tanzbein schwingen zu können.

Kunden hielten der Tanzschule die Treue

In der Pandemiezeit, die so viele Selbstständige unverschuldet in große Existenznot brachte, durfte der Tanzschulbetreiber hautnah erleben, was es heißt, eine treue Stammkundschaft zu haben. So gut wie alle Kursteilnehmer mit Verträgen hielten in der gespenstischen Zeit seit dem 16. März, als kein Unterricht stattfinden durfte, zu ihm und überwiesen weiterhin ihre Beiträge.

„Ohne diese Unterstützung würde es die Tanzschule in der Form nicht mehr geben.“
Andreas Röber, Betreiber des Tanz-Center am Bahnhof

Zum ersten Mal keine Sommerferien im Tanz-Center

Während der Corona-Zwangsschließung versorgte Andreas Röber seine Kunden über einen passwortgeschützten Bereich auf seiner Homepage mit Videos und Anleitungen für Sportübungen. Abgestimmt hatte er das mit seinem Berufsverband, dem Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband. Als er und sein Team am 25. Mai endlich wieder loslegen durften, konnten seine Gäste alle Kursstunden, für die sie in Vorleistung gegangen sind, nachholen. Dafür wurde 2020 zum ersten Mal seit Bestehen der Schule auch in den Sommerferien durchgetanzt.

Kulturbetriebe standen zu lange hinten an

Traurig stimmt Andreas Röber, dass nach dem Lockdown beim schrittweisen Hochfahren des öffentlichen Lebens Kulturbetriebe, wie zum Beispiel auch Kinos, wochenlang ganz hintenangestellt wurden. Außerdem empfand er es als aufreibend, sich ständig aufs Neue durch den ganzen Wust an Verordnungen googeln zu müssen, um an die aktuellsten Informationen, die auf sein Gewerbe zutreffen, zu gelangen. Der Parchimer Tanzlehrer ist sich ziemlich sicher, dass er es wohl vor allem dem CDU-Landtagsabgeordneten Wolfgang Waldmüller sowie dem Unternehmerverband zu verdanken hat, dass Ende Mai auch die Tanzschulen vom Lockdown erlöst wurden.

„Es ist eine schwere Zeit nicht nur für mich, sondern für alle. Doch gerade jetzt sollte man die gemeinsame Zeit mit dem Partner nicht aufgeben und was zusammen unternehmen, ins Kino gehen, einen Ausflug machen oder eben tanzen. “
Andreas Röber, Tanzlehrer und Choreograf