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Premiere: Heinz Erhardts "Ferienkönig" im Landestheater Parchim Keine kleine fade Made

Von Janine Rabe | 26.09.2011, 06:41 Uhr

Mit Neffen - pardon: mitnichten - steht der Name Heinz Erhardt für altbackenen Humor. Und so nimmt sich das Landestheater Parchim ganz ungehost - ach, ungehemmt - Erhardts "Der Vizekönig" zum Start der Spielzeit vor.

Mit Neffen - pardon: mitnichten - steht der Name Heinz Erhardt für altbackenen Humor. Und so nimmt sich das Landestheater Parchim auch ganz ungehost - ach, ungehemmt - Erhardts Stück "Der Vizekönig" zum Start der neuen Spielzeit vor.

Dem Original ist man in vieler Hinsicht treu geblieben: Heinz Weiss ist ein erfolgloser Versicherungsvertreter. Im Nobelhotel an der Cote dAzur soll er hohe Verträge abschließen, oder er wird gefeuert. Leider spucken Gäste und Personal förmlich auf ihn. Bis das Gerücht umgeht, Herr Weiss sei der König von Varana, wo das Meer bis ans Ufer reicht. Sofort wird er von allen umschwärmt.

Natürlich darf in der Aufführung von Regisseur Thomas Ott-Albrecht eine moderne Abwandlung hier und da nicht fehlen. So wird aus dem ehrwürdigen Versicherungshaus Victoria die Hamburg-Mühlheimer, bei der man nur zahlt, so lange man lebt. Eisenbahnmogul Puddington macht nun in Einkaufszentren, und aktuelles Geschehen - Abramovitschs kaputte Yacht oder Prinz Charles und Camilla - gibt es auch. Die Charaktere überbieten sich in einem Feuerwerk der Akzente - von Französisch über Russisch, Amerikanisch und Arabisch bis hin zu Weiss’ typisch hamburgischem Dialekt mit viel "ja, nee" und "nich, ja".

Gekonnt mimt Ulf Perthel den Vertreter Weiss, der mit seinem Gerede - "Was stehen Sie hier so Cognac, ach nein, rum?" - überall aneckt. Mit ausholenden Gesten wippt und wackelt er hyperaktiv über die Bühne. Marlene Eibergers Mademoiselle Dupont ist schnippisch-lasziv und schwankt zwischen Schnapslaune und Katzenjammer. Anette Straube gibt eine überzeugende Lady Shearer aus dem russischen Geldadel, die nun aber auf den Hund gekommen ist. Jenny Maria Meyer hat als erfrischend natürliche Vivian andere Pläne im kess frisierten Köpfchen, als die Mama. Andreas Flick verkörpert den neureichen Tycoon und Carl M. Pohla den stolzen Morlay, der alle auf die Probe stellt.

Gekonnt ins Stück eingebaut sind Erhardts Gedichte wie "Die Made" und natürlich sein berühmtes "Wenn ich einmal traurig bin…" Statt Korn gibt es allerdings Whisky und so manches Likörchen. Wenn das Publikum also, um es mit Weiss zu sagen, mal im Saal "platzen will", also Platz nehmen mag, sind viele Lacher garantiert.

Nächste Vorstellung: Samstag, 15. Oktober, 19.30 Uhr, Theater Parchim