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Ludwigslust-Parchim Kein Geld für den Kreisjugendring?

Von Udo Mitzlaff | 23.11.2012, 06:39 Uhr

Es wäre das Aus für den Kreisjugendring Ludwigslust-Parchim, noch bevor der Verein die Chance hätte, im Großkreis die Interessen der Jugendlichen wirkungsvoll zu vertreten. Die einzige Vollzeitstelle ist in Gefahr.

Es wäre das Aus für den Kreisjugendring Ludwigslust-Parchim, noch bevor der Verein die Chance hätte, im Großkreis die Interessen der Jugendlichen wirkungsvoll zu vertreten. In einer eiligen Aktion sollen der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses und die Kreisverwaltung den Vorstand des bis zur Gebietsreform im Altkreis Parchim erfolgreich tätigen Vereins einbestellt haben. Inhalt: Man solle überlegen, doch den Geschäftsführer präventiv zu entlassen, denn für 2013 stehe der Verein, der übrigens explizit im gesamten Großkreis tätig sein will, nicht mehr auf der Prioritätenliste.

Bisher sind 28 im Jugendbereich tätige Organisationen Mitglied im Kreisjugendring Ludwigslust-Parchim - vom Parchimer Bürgerkomitee Südstadt bis zum DRK-Kreisverband. Die Idee hinter dem gemeinnützigen Verein ließe sich mit dem Motto umschreiben: "Gemeinsam sind wir stärker." Die Mitglieder wollen die Jugendarbeit im Landkreis Ludwigslust-Parchim fördern und unterstützen.

Konkret gibt es für diese vielschichtige Aufgabe nur eine einzige Beschäftigtenstelle, die des Geschäftsführers, die nun ausgerechnet gestrichen werden soll. Zu tun hat der Geschäftsführer genug, auch wenn er nicht die große Werbetrommel rührt. Niemand kann zum Beispiel von einem ehrenamtlichen Schulförderverein verlangen, die komplexe Fördermittel-Landschaft komplett zu überschauen. Der Geschäftsführer des Kreisjugendrings - vernetzt mit dem Landesjugendring - weiß da schon mehr. So gesehen holt er eigentlich sein mit Fördergeld unterfüttertes Gehalt wieder rein, weil ohne sein Know how Fördermittel in andere Regionen fließen würden.

Dass es auf diesem Sektor genug zu tun gibt, zeigt die bisherige Regelung im Altkreis Ludwigslust. Hier koordinierte ein Verwaltungsmitarbeiter die Jugendarbeit. Dass es ohne Geschäftsführer wie bisher weitergehen könnte, verneint Nico Heinrich, der erste stellvertretende Vorsitzende des Kreisjugendrings: "Eine solche Aufgabe lässt sich im gesamten Großkreis ehrenamtlich nicht stemmen."

Heinrich zeigt sich irritiert über das Vorgehen, das ohne Wissen des Jugendhilfeausschusses passierte. Auch wurde dort noch über keinerlei Prioritätenliste abgestimmt. Jaqueline Bernhardt (Groß Laasch), für die Linken im Jugendhilfeausschuss, sieht das ebenfalls problematisch. Und: "Ich fände es ein falsches Zeichen, ausgerechnet diese Stelle des Kreisjugendrings einzusparen."

Hans-Heinrich Erke (Brüel), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, sieht keine Alternative: "Wir können nicht mehr linear wie im bisherigen Kreis Parchim kürzen. Wir müssen an die Stellen ran." Erke habe aber den Kreisjugendring definitiv nicht zur Kündigung gedrängt, sondern den Verein als Arbeitgeber auf mögliche Konsequenzen fehlender Mittel hingewiesen: "Das ist unsere Fürsorgepflicht."

Das letzte Wort sei auf keinen Fall schon gesprochen. Hans-Heinrich Erke: "Wir sind nicht darauf bedacht, den Kreisjugendring zu zerschlagen. Im Gegenteil, die Arbeit soll auf den gesamten Kreis ausgedehnt werden. Die Prioritäten setze eine Rankingliste, die auf Forderung des Sozialministeriums noch im Altkreis Parchim vom entsprechenden Fachdienst erstellt worden sei. Nach unserer Zeitung vorliegenden Informationen passt diese Liste aber nur auf die Mitgliedsvereine des Kreisjugendrings. Sie berücksichtigt z.B. die Zahl der betreuten Kinder oder die soziale Lage. Wie sich der mögliche Ausfall der Unterstützung des Kreisjugendrings auf eben diese Vereine auswirkt, spielt in dieser damit willkürlichen Rangliste keine Rolle. Bleibt noch die Frage nach der bisher in Ludwigslust praktizierten Regelung. Sollte es diese Stelle nicht mehr geben, müsste eigentlich auch Geld für einen Geschäftsführer des Kreisjugendrings da sein.