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Nahkauf Mestlin Kaufhalle soll unsichtbar werden

Von Michael-Günther Bölsche | 09.12.2016, 13:36 Uhr

Bauaufsicht des Landkreises: Schilder in Mestlin müssen abmontiert werden, sie könnten Autofahrer gefährden.

Die Mestliner Kaufhalle soll sich verstecken – geht es nach dem Willen der Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Ihr  sind die Werbeschilder ein Dorn im Auge, weil sie Autofahrer ablenken könnten.

Dana Hoffmann staunte nicht schlecht, als ihr im Sommer ein Schreiben der Kreisbehörde ins Haus flatterte. Es enthielt die Aufforderung, entweder einen Bauantrag zu stellen oder aber die Werbung über dem Eingang beziehungsweise an der Hauswand zu entfernen. Als Begründung führen die Mitarbeiter des Landkreises an, dass die Firmenschilder größer als einen Quadratmeter sind und sich nicht weit genug entfernt von der nahen Bundesstraße 392 befinden. Damit sei die Verkehrssicherheit gefährdet.

Dass für die Firmenschilder ein Bauantrag notwendig sei, war Dana Hoffmann nicht bewusst, mittlerweile hat sie den Antrag gestellt. Doch was einfach klingt, wird kompliziert. In einem Schreiben der Bauaufsichtsbehörde heißt es, dass „die Prüfung des Vorganges ergeben hat, dass eine Ablehnung in Aussicht zu stellen ist“. Als Begründung führen die Mitarbeiter in kompliziertem Behördendeutsch aus, dass „beide Werbeanlagen einen Abstand von unter 40 Metern zur Bundesstraße hätten, die sich längs der Bundesstraße in einem Abstand von bis zu 40 Metern, gemessen vom äußeren Rand der befestigten Fahrbahn, erstreckt.“ Der Landkreis verweist auf das Straßenbauamt Schwerin als zuständigen Baulastträger. Dieses Amt lehnt nach Information der Kreisbehörde die Erteilung einer Zustimmung ab, da im § 9 des Bundesfernstraßengesetzes 40 Meter Abstand vorgeschrieben sei. Allerdings ist dieser Abstand nach dem genannten Paragrafen für Bundesautobahnen vorgesehen, für Bundesstraßen sind es 20 Meter. Auf Nachfrage beim Straßenbauamt hieß es, dass man sich mit der Sache vertraut machen müsse und in der nächsten Woche dazu äußern werde.

Andreas Wißuwa, zuständiger Fachdienstleiter der Bauaufsichtsbehörde im Landkreis verwies darauf, dass es angedacht war, einen Bebauungsplan der Gemeinde zu erstellen. „Doch das ist nicht geschehen und somit steht diese Einkaufsstätte im Außenbereich“, so der Bauexperte auf Nachfrage unserer Redaktion. Bürgermeisterin Verena Nörenberg-Kolbow kann das mit dem Bebauungsplan zwar verstehen, doch „der wurde nicht erstellt, da so etwas viel Geld kostet und wir dieses nicht haben“. Eine Zustimmung für die beiden Werbeplakate mit dem Namenszug der Einkaufsstätte hat die Gemeinde aber erteilt.

Die Einkaufsstätte steht seit über 20 Jahren und wurde nach einer längeren Schließungszeit durch Dana Hoffmann im vergangenen Jahr wiedereröffnet. Warum sie am Gebäude, welches nachweislich knapp 30 Meter von der Bundesstraße entfernt steht, keine Firmenschilder anbringen kann, ist der Inhaberin unverständlich. An vielen Straßen, Bundes- wie  Landesstraßen stehen Werbeschilder mit deutlich größeren Maßen.

Kommentar: Bitte klären!
Die Verkaufseinrichtung wird seit eineinhalb Jahren von einer jungen Unternehmerin betrieben. Auch der Vorbesitzer hatte dezente Werbeschilder angebracht, was mehr als 18 Jahre niemand beanstandete. Die Mestliner begrüßen, dass es Menschen mit dem Mut gibt, sich selbstständig zu machen und wieder einen Markt zu eröffnen. Das sollte nicht durch Paragrafen behindert, sondern unterstützt werden, gemäß dem Kreislogo „Raum für Zukunft“. Vielleicht hilft ein gemeinsames Gespräch vor Ort, die Dinge bürgerfreundlich geradezurücken.