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Mittwochs eine warme Mahlzeit In Parchim wird eine Suppenküche eröffnet

Von Christiane Großmann | 21.09.2020, 17:00 Uhr

Projekt der St. Mariengemeinde richtet sich an Bedürftige sowie Menschen, die beim Essen nicht allein sein möchten.

Gabriele Knües stand am Montag schon vormittags im Haus der Begegnung (M 41) am Herd. Gäste hatten sich für die Mittagszeit angekündigt, die sie mit einem frisch zubereiteten Essen bewirten wollte. Weil sich der Sommer noch für ein, zwei Tage zurückgemeldet hatte, richtete sie den Mittagstisch im schönen Garten hinter dem Haus her. Die Generalprobe für die zwei Tage später stattfindende Premiere ist voll gelungen: Am 23. September öffnet in der Mühlenstraße 41 eine Suppenküche. Hier können sich Parchimer einmal in der Woche - jeweils am Mittwoch - kostenlos eine warme, vor Ort direkt zubereitete Mahlzeit schmecken lassen. Wer möchte, darf gerne ein paar Taler in die Spendenbox stecken.

Völlig neues soziales Angebot in Parchim

Träger eines solchen in der Eldestadt noch nie dagewesenen Angebotes ist die St. Mariengemeinde. Allerdings geht das Parchimer Projekt über die ursprüngliche Idee einer Suppenküche, Bedürftige mit einem Essen zu versorgen, hinaus. „Selbstverständlich sprechen auch wir Menschen an, die sich gerne etwas kochen würden, aber keine Möglichkeit dazu haben oder es sich einfach nicht leisten können, zum Beispiel kinderreiche Familien, Alleinstehende, Ältere oder Kranke. Willkommen sind darüber hinaus Menschen, die gerne in Gesellschaft essen. Wir möchten mit unserer Idee Einheimische und Geflüchtete erreichen“, verdeutlicht Gabriele Knües, Projektleiterin in der St. Mariengemeinde.

Noch mehr Leben im Haus der Begegnung M41

Von ihr und Gemeindepädagoge Robert Stenzel ging die Initialzündung für dieses neue Projekt der St. Mariengemeinde aus. Gemeinsam entwickelten sie auch den Namen, der für sich spricht: „MittwochsMa(h)lZeit“. Die Räumlichkeiten in der Mühlenstraße bieten sich förmlich an, eine solche Idee mit Leben zu erfüllen. In den vergangenen Jahren verwandelte sich das geschichtsträchtige Häuschen in einen Ort der Begegnung für Parchimer, Einwohner aus der Umgebung sowie Menschen, die in der Eldestadt eine neue Heimat finden möchten. Ein etabliertes Angebot ist zum Beispiel das einmal in der Woche geöffnete Sprechcafé mit Nähwerkstatt. In der M41 finden Netzwerktreffen statt. Nach der Corona-Zwangspause konnte in diesen Tagen endlich wieder die sehr beliebte Reihe „Kochen über den Tellerrand“ fortgesetzt werden.

Mittagsgäste bekommen ihre Mahlzeit am Platz serviert

In diesem Sinne soll auch die M41-Suppenküche nicht nur ein Ort sein, an dem man ein warmes Essen bekommt. „Menschen kommen bei uns zusammen, essen gemeinsam, sind in Gesellschaft und tauschen sich aus. Dafür möchten wir einen ansprechenden Rahmen bieten“, beschreibt Gabriele Knües das Anliegen. Damit erst gar kein Gefühl von Kantinen-Atmosphäre oder Bedürftigkeit aufkommt, werden die Mittagsgäste direkt am Platz bedient. Jeder einzelne Besucher soll sich hier wertgeschätzt fühlen.

Projekt wird über Fördergelder und Spenden finanziert

Finanziert wird das Projekt über Fördergelder und Spenden. Angedacht ist auch eine Zusammenarbeit mit anderen gemeinnützigen Vereinen, wie der Parchimer Tafel. Je nach personellen und finanziellen Möglichkeiten soll es ein Gericht, idealerweise ein zweites zur Auswahl, geben und ein Dessert. Kaffee und Wasser sind immer im Angebot. Gesucht werden derzeit noch Helfer, die leidenschaftlich gern kochen, während der Öffnungszeit der M41-Suppenküche von 12 bis 13.30 Uhr den Betrieb absichern helfen, sich für die Tischdekoration zuständig fühlen oder anderweitig einbringen möchten. Wer ein solches Ehrenamt ausüben möchte, kann sich ab sofort mit der St. Mariengemeinde unter Telefon 03871/7298837 oder 01590/6327042 in Verbindung setzen.

Mehr Informationen:

Hintergrund

Zu DDR-Zeiten traf sich auf dem Hinterhof des Hauses Mühlenstraße 41 die Parchimer Junge Gemeinde. Ihren Jugendraum hatten sich die jungen Christen selbst hergerichtet. Von 1983 bis 1992 hatte die Familie des damaligen Jugenddiakons Wolfgang von Rechenberg ihr erstes Zuhause in der Mühlenstraße 41. Am 4. Oktober 1989 fand im Wohnzimmer der Familie das Gründungstreffen der Interessengemeinschaft Umgestaltung statt. Sie entfachte die friedliche Revolution in Parchim. Genau zehn Jahre später wurde aus dem Wohnzimmer ein Klassenzimmer: Im Sommer 1999 wurde in der Mühlenstraße 41 mit der Gründung der Paulo-Freire-Schule die erste freie Schule in Parchim eröffnet. 19 Kinder verbrachten hier ihr erstes Schuljahr. Ein Jahr später zog die Schule zum Ziegeleiweg. Danach war hier die Arbeitsstelle für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen untergebracht. 2013/2014 entstand die Projektgruppe „Team 41“. Sie begann, neue Nutzungsideen für das Haus als Ort der Begegnung zu entwickeln.