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Parchim Hier gehen angehende Pflegefachkräfte zur Schule

Von Christiane Großmann | 12.07.2020, 17:40 Uhr

Ländliche Erwachsenenbildung ist für das neue Pflegeberufegesetz gerüstet. Erster Jahrgang startet am 1. September

Der Verein Ländliche Erwachsenenbildung (LEB) in Parchim gilt als etablierte Schule für angehende Fachkräfte in der Pflege: Am 1. September nimmt im Bildungszentrum in der Alten Mauerstraße die erste Klasse nach dem neuen Pflegeberufegesetz ihre dreijährige Ausbildung zum Pflegefachmann beziehungsweise zur Pflegefachfrau auf. Sie kann aus maximal bis zu 24 Schülern bestehen.

Künftig auch Erstausbildung bei der LEB

Dieses neu definierte Berufsbild vermittelt das fachliche Rüstzeug, um anschließend in der Alten-, Kranken- oder Kinderkrankenpflege tätig sein zu können. Das schulinterne Curriculum – also der Rahmenplan – für die Ausbildung steht bereits. Außerdem hegt die LEB, seit 1993 eine staatlich anerkannte Altenpflegeschule, große Hoffnungen, sich künftig auch in der Erstausbildung von Schulabgängern beweisen zu können. Ein entsprechender Antrag wurde gestellt. Der Bedarf ist da: „Es gibt bereits erste Anmeldungen“, sagt die hauptamtliche Vereinsvorsitzende Susanne Hegner.

Schulgeld wurde abgeschafft

Bisher hat sich der gemeinnützig tätige Bildungsträger vor allem einen Namen in der Erwachsenenbildung sowie in der allgemeinen Weiterbildung gemacht. Susanne Hegner findet es richtig, dass mit dem neuen Gesetz die finanzielle Ungleichbehandlung von Auszubildenden vorbei ist: Das Schulgeld wurde abgeschafft. Angehende Altenpfleger mussten sich bisher finanziell an der Ausbildung beteiligen. Stattdessen wurde ein Ausbildungsfond eingerichtet, in den alle Pflegeeinrichtungen einen Pflichtbeitrag einzahlen. Der theoretische Anteil ändert sich mit der neu definierten Ausbildung nicht: Angehende Pflegefachfrauen oder -männer müssen 2100 Unterrichtsstunden absolvieren. Erteilt werden sie von fünf hauptamtlichen Dozenten und bis zu acht Lehrkräften auf Honorarbasis, die vor allem den Praxisbezug mitbringen. Ihre Praktika leiste Auszubildende künftig in jedem der drei Bereiche, also in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege.

Praktische Prüfung gerade noch vor dem Lockdown absolviert

Bis 2022 werden an der Parchimer Altenpflegeschule noch 80 Schüler in vier Klassen ihren staatlichen Abschluss nach der alten Verordnung machen. Glück im Unglück hatte eine Abschlussklasse, die im Frühjahr ihr Ausbildungsziel erreicht hatte: Die letzte praktische Prüfung war für den 13. März angesetzt und wurde an dem „historischen“ Freitag, an dem der Corona-Lockdown verkündet wurde, bis zum Schluss durchgezogen. Eine Woche später sollten die mündlichen Prüfungen stattfinden. Sie verschoben sich um einen Monat.

E-Learning aus dem Stand heraus organisiert

Nach der Coronazwangspause wurde der Schulbetrieb in der Alten Mauerstraße seit dem 19. Mai wieder stufenweise hochgefahren. Im Juni begann der Präsenzunterricht für alle Schüler in geteilten Gruppen. Die Umstellung auf E-Learning innerhalb von einer Woche sei eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten gewesen. Aufgaben erteilen, korrigieren und immer wieder ein Feedback geben - all das habe unwahrscheinlich viel Zeit in Anspruch genommen. Viele Schüler hatten zuhause gar keinen eigenen Computer, da sich bisher immer alles mit dem Smartphone erledigen ließ. Bildungsstättenleiterin Susanne Hegner und die Leiterin der Altenpflegeschule, Anke Dechow, legten sich sehr dafür ins Zeug, dass der persönliche Austausch mit den Schülern nicht abriss. „Das kann eine Bereicherung sein, ersetzt aber absolut nicht das Lernen vor Ort“, sind sie sich einig. „Es war eine irre Zeit“, fasst Anke Dechow die Wochen zusammen, in denen immer wieder improvisiert und neu organisiert werden musste, um das Machbare machbar zu machen.

Schule digital aufgerüstet und renoviert

Ganz „nebenbei“ wurde im LEB-Bildungszentrum in diesem Frühjahr auch renoviert und digital aufgerüstet. Den Schülern steht nun freies Wlan zur Verfügung. Unterrichtsräume wurden mit Smartboards (elektronischen Tafeln) ausgestattet. Susanne Hegner, die seit März als hauptamtliche Vereinsvorsitzende das LEB-Bildungszentrum mit neun Mitarbeitern leitet, ist stolz, diesem Team angehören zu dürfen: „Alle Kollegen haben mitgezogen.“

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Hintergrund

Die Politik will mit dem am 1. Januar 2020 in Kraft getretenen neuen Pflegeberufegesetz die Qualität und Attraktivität der pflegerischen Ausbildung stärken. Die Dreiteilung in Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege gibt es nicht mehr: Dafür wird die generalistische Ausbildung zum Pflegefachmann bzw. zur Pflegefachfrau angeboten. Nach der mindestens zwei Jahre dauernden gemeinsamen Ausbildung können sich angehende Fachkräfte entscheiden, ob sie die generalistische Ausbildung fortführen oder in der praktischen Ausbildung einen von zwei Vertiefungsbereichen mit einem speziellen Abschluss wählen möchten. Sie können sich auf die Pflege alter Menschen oder die Versorgung von Kindern und Jugendlichen spezialisieren. Zugangsvoraussetzung ist die mittlere Reife. Weitere Informationen gibt es im LEB-Bildungszentrum in der Alten Mauerstraße 25, Telefon 03871/212559, E-Mail: leb-parchim@t-online.de