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Woche der Demenz in Parchim Helferkreis bietet Gespräche, Entlastung und Schulungen

Von Christiane Großmann | 16.09.2020, 15:10 Uhr

Austausch mit Gleichbetroffenen gibt Kraft für den Alltag. Nächstes Treffen in Parchim am 28. September

„Demenz – wir müssen reden!“ So lautet die Botschaft der diesjährigen Woche der Demenz vom 21. bis 27. September. Welche Unterstützungsangebote gibt es in der Region für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen? In unserer Wochenserie greifen wir einige Beispiele auf.

Sich lange Zeit komplett zurückgezogen

„Ich würde alles machen, selbst wenn für mich gar nichts übrig bleibt.“ Helga R. (Name geändert) pflegt ihren Mann. Seit fast fünf Jahrzehnten gehen sie Seite an Seite durchs Leben. Als er begann, sich fortschreitend in eine andere Welt zurückzuziehen, schwor sich die um die 70-Jährige, Tag und Nacht für ihn da zu sein. „Es hat lange gedauert, bis ich überhaupt mal wieder ein Treffen mit der Verwandtschaft zuließ“, sagt sie.

Parchimer Gruppe trifft sich einmal im Monat

Und dann schloss sie sich eines Tages einem Gesprächskreis für pflegende Angehörige an. Der trifft sich etwa alle vier Wochen in Parchim. Einmal für etwa zwei Stunden abschalten, fachlichen Input bekommen, sich mit Menschen austauschen, die in der gleichen Situation sind und denen man nichts erklären muss. Am schwersten zu verkraften sind für Angehörige die emotionalen Veränderungen des Partners. „Diese Nachmittage geben mir viel und helfen mir sehr“, sagt Helga R. Deshalb wird sie auch am 28. September wieder dabei sein, wenn sich die Angehörigengruppe von 13.30 bis 15.30 Uhr im Club am Südring trifft. Geschulte Ehrenamtliche entlasten Angehörige

Veranstaltet werden die Gesprächskreise für pflegende Angehörige in Parchim, Ludwigslust und Schwerin als kostenloses Angebot von den jeweils dort tätigen Helferkreisen. Sie sind ein Projekt der in Schwerin ansässigen Sozialgesellschaft Comtact. Ein Betätigungsfeld sehen die Helferkreise zum Beispiel in der stundenweisen Entlastung von pflegenden Angehörigen: Speziell für diese verantwortungsvolle Aufgabe geschulte Ehrenamtliche kommen zu den Betroffenen nach Hause und verbringen mit ihnen gemeinsame Zeit. Wie sie ausgefüllt wird, ist eine Sache der individuellen Absprache und ergibt sich dann von allein.

Schulungsangebot für pflegende Angehörige

Etabliert haben sich zudem Schulungen für Angehörige von Menschen mit Demenz. Kürzlich lief ein weiterer sechs Treffen umfassender Kurs mit Margit Gubin in der Kreisstadt an. Häufig kommen die Teilnehmer auf direkte Empfehlung des Pflegestützpunktes Parchim, einer unabhängigen, neutralen Beratungsstelle zu den Themen Pflege und Alter. Die Schulung widmet sich unter anderem Alltagsfragen bei der Betreuung, sensibilisiert dafür, wie man herausfordernde Situationen bewältigt, beschäftigt sich mit Fragen zur Pflegeversicherung sowie dem Recht und informiert über Entlastungsangebote. Auch das Thema Menschen mit Demenz im Krankenhaus spielt eine Rolle.

Im Oktober 2019 zum Helferkreis gekommen

Zugute kommt Margit Gubin ihre facettenreichen berufliche Biografie: Margit Gubin ist studierte Landwirtin. Nach der Wende war sie für Zeitungen und Zeitschriften tätig. Sie baute eine Filzwerkstatt auf, wurde Heilpraktikerin für Psychotherapie und studierte Soziale Arbeit. Seit Oktober ist sie für den Helferkreis Parchim tätig.

„Unterbrechen Sie mich gerne, wenn Sie Fragen haben. Das ist keine Vortragsreihe“, bittet Margit Gubin die Schulungsteilnehmer von Zeit zu Zeit. Ihr Angebot wird dankbar in Anspruch genommen. Sich mit den eigenen Erfahrungen einzubringen, wirkt befreiend. Tränen, die sich lange aufgestaut haben, können sich in diesem Umfeld lösen. Margit Gubin ermutigt, auf die Ressourcen zu schauen, die beim Angehörigen noch vorhanden sind. Und sie erklärt, dass die Dinge, die einen so tief treffen, keine Absicht des Menschen mit Demenz sind.

„Es geschieht aus einem inneren Impuls heraus. Sie können das nicht beeinflussen. Doch sie können empfangen, nämlich Ruhe, Gelassenheit und Liebe, die aus dem Herzen kommt. “
Margit Gubin, Helferkreis Parchim

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Hintergrund

Die Helferkreise Schwerin, Ludwigslust und Parchim sind Projekte der Comtact GmbH und durch das Landesamt für Gesundheit und Soziales MV anerkannte niedrigschwellige Betreuungsangebote im Sinne der Sozialen Pflegeversicherung (§ 45b SGB XI). Die Einsätze der Ehrenamtlichen sind bei Vorliegen eines Pflegegrades mit den Pflegekassen im Rahmen der zusätzlichen Betreuungsleistungen (monatlich 125 Euro) abrechenbar. Bei den Schulungsangeboten sowie den Angehörigentreffen handelt es sich um ein kostenloses Angebot. Kontakt: Telefon 0385/30340 oder Mail: helferkreis@comtact-dienste.de