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Grebbin Neuer Gnadenhof auf ehemaligem Militärgelände entsteht

Von Armin Kung | 25.09.2020, 07:00 Uhr

Auf einem alten Militärgelände bei Grebbin baut Peter Moll einen großen Gnadenhof für verwahrloste oder vor dem Schlachter bewahrte Tiere auf.

Jonny ist ein Ochse mit Schmusebedürfnis. Wenn Peter Moll durch das Tor geht, kommt das 350-Kilogramm-Tier angelaufen und schmiegt sich zärtlich an dessen Körper. Manchmal vergisst Jonny, dass er ein großer Brocken ist und schiebt Peter Moll über die Wiese. "Ich habe Jonny als Kalb bekommen und er kuschelt immer noch mit mir als ob er klein wäre", sagt er. Ob der Ochse verstanden hat, dass Moll ihm das Leben rettete, lässt sich nicht sagen. Aber tatsächlich ist dies so passiert. Jonny sollte zum Schlachter kommen, weil er einen verkrüppelten Huf habe. Moll bot dem Vorbesitzer an, das Tier aufzunehmen und vor dem Tod zu bewahren. Heute läuft Jonny zufrieden auf dem Gelände herum. Er ist eines von vielen Tieren, die hier ein zweites Leben geschenkt bekommen haben. Und Moll plant mehr: "Das ganze Areal soll zu einer Art Gnadenhof ausgebaut werden", sagt der Tierfreund.

Ehemaliges Militärgelände

Zu DDR-Zeiten waren auf dem Gelände Soldaten stationiert. Noch immer stehen große Militär-Garagen auf dem neun Hektar großen Areal. Die Unterstände sind mit Erde bedeckt und wirken aus der Luft wie kleine Hügel. "Nach meinem Informationen stand hier mal eine Radarstation", sagt Moll.

Nicht nur Ochse Jonny lebt hier. Peter Moll nahm ein Lama auf, das ein Zirkus schlachten lassen wollte. Er rettete ein Hängebauchschwein namens Clemens, das kugelrund und zufrieden im Heu grunzt. Esel aus Schleswig-Holstein leben hier genauso wie Hunde und Katzen. Am kommenden Wochenende nimmt Peter Moll zwei Pferde bei sich auf, die auf einer großen Koppel leben werden. "Das eine Pferd hat eine Lungenkrankheit und würde im Stall leiden. Hier kann es an der Luft leben. Einen Unterstand werde ich in eine der alten Garagen einbauen", beschreibt Moll seine Pläne. Er arbeitet an einem 2500 Quadratmeter großen Gelände für Wolfshunde und will die ehemaligen Militär-Garagen als große Vogelvolieren für Papageien nutzen.

Ehrenamtlich Arbeit für die Tiere

Moll ist Rentner und steckt fast seine gesamte Freizeit in das Projekt. Stück für Stück bearbeitet er das riesige Gelände. Er befreite die Wege von Moos und Unkraut, errichtete Zäune und Gehege. Alles mit eigenen Mitteln und Spenden. In der Zukunft möchte er seinen Tierhof für Besucher öffnen, die mit ihren Spenden das Projekt unterstützen können. "Ich plane keinen Eintritt. Wer mit der Anlage zufrieden ist, kann nach dem Besuch etwas spenden", sagt er.

Peter Moll stammt ursprünglich aus Flensburg. Er arbeitete im Logistik-Management und setzt sich seit seiner Pensionierung für Tiere ein. Seit 2014 lebt er in Hof Grabow. Das Gelände inmitten eines Windparks hat er gepachtet. "Ich kann nicht Nein sagen, wenn ich mitbekomme, dass ein Tier sterben soll, nur weil es einen kleinen Makel hat. Dann nehme ich das Tier bei mir auf. So entstand auch die Idee für den Gnadenhof, wie ich ihn immer nenne", so Moll.

Unterstützung bekommt er bereits vom "Tier- & Naturschutzverein Niederberg" aus Nordrhein-Westfalen. Der Verein hilft Moll etwa beim kostspieligen Tierfutter. In Zukunft plant er eine eigene Vereinsgründung. Dann wird der Hof nicht nur für Besucher geöffnet, sondern auch Patenschaften für einzelne Tiere können angeboten werden. "Wer jetzt schon mithelfen möchte, ist natürlich willkommen", sagt Peter Moll.