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Parchim Frappierend ähnlich

Von Redaktion svz.de | 09.11.2012, 11:22 Uhr

Weil er viel zu schnell unterwegs war, soll ein junger Parchimer zahlen. Er legt Einspruch ein, weil nicht er gefahren sei, sondern sein Bruder - der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht. Nun wird ein Gutachter zugezogen.

Als Spezialist für Ordnungswidrigkeiten arbeitet Richter Kai Jacobsen am Parchimer Amtsgericht gleich serienweise Einsprüche bei Verkehrs-Bußgeldverfahren ab. "Ich bemühe mich darum, die Verhandlung möglichst schnell anzuberaumen." 240 Einsprüche landen pro Monat auf seinen Schreibtisch. Die Tatzeit als Grundlage für seinen ersten Fall am jüngsten Verhandlungstag aber lag bereits im Januar 2011, die Verjährungsfrist war jedoch mehrfach unterbrochen worden.

Einem jungen Parchimer war zur Last gelegt worden, am Autobahndreieck Schwerin auf der Abbiegespur in Richtung Schwerin-Wismar (A 24) die dort festgelegte Höchstgeschwindigkeit von 80 um 53 Stundenkilometer überschritten zu haben. An der Zuverlässigkeit der Messprotokolle gab es keinerlei Zweifel. Dem Beschuldigten waren deshalb 255 Euro Bußgeld und 4 Punkte in der Flensburger Zentralkartei für Verkehrssünder auferlegt worden, außerdem sollte er für einen Monat ein Fahrverbot erhalten.

Doch der Parchimer hatte Einspruch eingelegt und behauptet, dass nicht er, sondern sein Bruder am Lenkrad gesessen habe. Diese Behauptung belegte sein Anwalt mit einem entsprechenden Foto. Richter Jacobsen räumte ein, dass die Akten eine zweifelsfreie Identifizierung des Beschuldigten nicht zulassen. "Die Ähnlichkeit mit seinem Bruder ist wirklich frappierend." Das Gericht werde deshalb wohl um ein so genanntes anthroplogisches Gutachten nicht herumkommen. Hierzu soll der Sachverständige Dr. Cornelius Schott aus Frankfurt am Main bemüht werden. Falls tatsächlich der Bruder gefahren sei, sei die Tat aber inzwischen längst verjährt.

Falls jedoch der bundesweit bekannte Spezialist für Identitätsfeststellungen zu dem Ergebnis komme, dass der Beschuldigte mit dem Foto der Geschwindigkeitsmessung identisch sei, müsse er außer einer höheren Geldbuße von 510 Euro noch die Anwaltskosten von mindestens 800 Euro und die Gutachterkosten von 600 entrichten. Da zudem von einer vorsätzlichen Geschwindigkeitsüberschreitung auszugehen sei, müsse zudem mit Regressforderungen durch die Rechtsschutzversicherung gerechnet werden.

Derart belehrt, hielt der Beschuldigte dennoch an seinem Einspruch fest. Die Hauptverhandlung am Parchimer Amtsgericht wurde auf Freitag, 25. Januar 2013, 10.30 Uhr terminiert und verspricht, spannend zu werden.