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Parchim Er ist einer der Gründungsväter des Naturschutzbundes

Von Christiane Großmann | 07.10.2020, 17:30 Uhr

30 Jahre geeinter Naturschutz: Der Botaniker Walter Kintzel beschrieb auf 600 Seiten die Flora im Landkreis Parchim

Die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten im Oktober 1990 brachte nicht nur einen großen Wandel in der Politik mit sich. Auch der Naturschutz war betroffen. Walter Kintzel aus Parchim ist einer der Gründungsväter des Nabu-Kreisverbandes.

Sein Lebenswerk: Die Flora des Landkreises auf 600 Seiten

Walter Dahnke (1890-1972), der unvergessene Vorreiter des Naturschutzes in Mecklenburg, wäre sehr stolz auf ihn: Vor elf Jahren vollendete Walter Kintzel eine umfassende Publikation über „Die Flora des Landkreises Parchim“ und setzte fort, was sein Vorbild und Mentor Dahnke 1956 für den Landkreis in seiner damaligen Ausarbeitung vorlegte. Walter Kintzel hat mit seinen ornithologischen und botanischen Untersuchungen nie hinterm Berg gehalten, unglaublich viel publiziert, wahnsinnig viele Vorträge vor Fachpublikum sowie interessierten Naturfreunden gehalten. Doch diese 600 Seiten umspannende Arbeit, die zum Beispiel im Parchimer Museum eingesehen werden kann, darf man mit Fug und Recht als sein Lebenswerk bezeichnen. „Er schrieb es mit seinem Herzblut und dem Sachverstand des aktiven Naturschützers“, würdigte einmal sein Parchimer Naturschutzfreund Claus Möller diese Publikation.

Aktiver Naturschützer seit Studienzeiten

Aktiver Naturschützer ist Walter Kintzel auch heute noch – im stolzen Alter von 84 Jahren. Von Müßiggang kann keine Rede sein. Derzeit arbeitet er an einem Kompendium der Heimatkunde für den Kreis Parchim. Das Handbuch wird etwa 220 Seiten haben und soll bis Ende Dezember fertig sein.

Als 1990 auch die Naturschützer begannen, den Kurs auf Wiedervereinigung und damit einen einheitlichen Interessenverband zu stellen, konnte Walter Kintzel einen in mehr als 30 Jahren gewonnenen Erfahrungsschatz insbesondere auf ornithologischem und botanischem Gebiet in die Arbeit einbringen. Selbstverständlich gehörte er 1993 zu den Gründungsmitgliedern des Parchimer Nabu-Kreisverbandes. Zeitgleich hob er die größte Fachgruppe mit aus der Taufe, in der die Ornithologen und Vogelschützer vereint sind.

1957 erstmals Vogelzüge beobachtet

Wie aus dem allgemeinen Naturbegeisterten ein Naturschützer werden konnte, der 1998 für sein unermüdliches Engagement auf diesem Gebiet mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik geehrt wurde? Eine fast logische Entwicklung, die sich seit dem Studium abzeichnete: Als Pädagogikstudent nahm Walter Kintzel 1957 erstmals an Beobachtungen von Vogelzügen teil. Ebenfalls um diese Zeit begann er, sich intensiv mit der heimischen Flora zu beschäftigen. Ende der 1950er-Jahre machte er auch die Bekanntschaft mit Walter Dahnke. 1964 wurde der Biologie- und Chemielehrer zum Kreisnaturschutzbeauftragten für den damaligen Kreis Lübz berufen. Eine Passion sah er darin, Kinder und Jugendliche für den Naturschutz zu begeistern, zum Beispiel in Arbeitsgemeinschaften.

Frühzeitig einen Naturschutzbeirat auf den Weg gebracht

Wenn das Nabu-Urgestein auf die letzten 30 Jahre zurückblickt, erfüllt ihn bis zum heutigen Tag mit großem Stolz, dass es gelang, einen Naturschutzbeirat für den Landkreis Parchim auf den Weg zu bringen. Der richtungsweisende Kreistagsbeschluss wurde am 28. Januar 1999 gefasst. Das war seinerzeit ein im Land Mecklenburg-Vorpommern einmaliger Vorgang. Der Beirat existiert auch im heuten Großkreis Ludwigslust-Parchim. Sogar internationale Beachtung fand die von der Fachgruppe Ornithologie erarbeitete Publikation über die Vogelwelt des Landkreises Parchim. Von Erfolg gekrönt sind gezielte Pflegemaßnahmen zur Erhaltung von Orchideen im Naturschutzgebiet Quaßliner Moor. Mit Sorge beobachtet Naturschützer Walter Kintzel "die Abnahme der Artenvielfalt in unserer Landschaft und die Ignoranz mancher Zeitgenossen zu diesen dramatischen Veränderungen."