Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Parchim Eis bremst die Schifffahrt komplett aus

Von Wolfried Pätzold | 03.02.2012, 09:35 Uhr

Ausgerechnet dem "Eisvogel" macht der knackige Frost zu schaffen.

Das Umweltboot der ABS Parchim mit dem exotischen Namen, dass wie in den Vorjahren in der Winterpause im Hafen am Fischerdamm fest vertaut liegt, muss nun täglich aufwändig frei gehackt werden, damit der Bootskörper keinen Schaden nimmt. Und die Eisschicht auf dem alten Eldearm dürfte in den kommenden Tagen noch weiter wachsen.

"Entwarnung ist nicht in Sicht. An einigen Schleusen erreichen die Eisschollen bereits eine Dicke bis zu 15 Zentimetern", sagt David Borchert, der erst vor wenigen Wochen das Ruder als frisch gebackener Außenbezirksleiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lauenburg in Parchim übernommen hat. Damit trägt der 31-Jährige nun Verantwortung für den rund 70 Kilometer langen Abschnitt des Elde-Müritz-Kanal vom Eldedreieck bis zum Plauer See. "Für den Winter sind die derzeitigen Bedingungen eher normal, aber auch wir haben natürlich gehofft, dass uns ein extremer Kälteeinbruch erspart bleibt", so der Wasserbauexperte. Von Amts wegen wurde in dieser Woche bereits eine Schifffahrtssperre für den Elde-Müritz-Kanal erlassen. Nur Arbeitsboote dürfen derzeit noch verkehren. "Damit dürfte allerdings auch bald Schluss sein. Unsere Schiffe sind nicht eistauglich", gibt Borchert zu bedenken. Mit der Sperrung kommen auch die laufenden Holzungsarbeiten nahe Garwitz und unterhalb von Plau am See zum erliegen.

Trotz der von Väterchen Frost erzwungenen Arbeitspause bei der Holzung haben die Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes jede Menge zu tun. "Die planmäßigen Wartungs- und Reparaturarbeiten laufen weiter und zusätzlich müssen vor allem die Wehre funktionstüchtig bleiben", sagt der Chef. Gestern mussten beispielsweise die Mitarbeiter mit dem Brenner dafür sorgen, dass ein Wehr in Bobzin bei minus 15 Grad Celsius nicht einfriert. Die Wehre sind die Achillesferse der Wasserstraße. "Die Lage ist angespannt. Für die Jahreszeit haben wir mehr Wasser als erhofft und müssen sogar noch damit rechnen, dass mit der Frühjahrsschmelze der Pegel ansteigen könnte", gibt David Borchert zu bedenken. Der Pegel im Plauer See liegt derzeit bei 2,15 Meter. In den Vorjahren wurden hier zu jetzigen Zeitpunkt oft nur 1,95 Meter gemessen. Nun komme es darauf an, dass die Wassermassen geordnet den Bach runter fließen können. "Das erst kürzlich fertig gestellte Wehr bei Malchow unterhalb von Parchim funktioniert im Automatikbetrieb bestens. Diese Investition hat sich gelohnt", so der Ingenieur.

Zwei Einsatzgruppen sorgen jetzt täglich dafür, dass die Tore der sieben von Parchim aus verwalteten Schleusen Eis frei bleiben. "Hier lauern auch Gefahren. Auf keinen Fall dürfen die Eisflächen in der Nähe von Schleusen und Wehren betreten werden. Eltern sollten darüber auch mit ihren Kindern sprechen", appelliert Borchert. Die Winteridylle auf dem Kanal ist trügerisch. Da das Wasser in Bewegung ist, bildet sich keine durchgängige Eisfläche und die Tragfähigkeit ist selbst nach mehreren Frosttagen unberechenbar. Das sollten auch Eisangler beachten, die ihrem Hobby nachgehen wollen.

Am 1. April beginnt auf der Elde-Müritz-Wasserstraße die neue Saison. Ostern bringen traditionsgemäß die ersten Freizeitkapitäne ihre Boote wieder ins Wasser. Auf der Fahrt zur Mecklenburgischen Seenplatte müssen sie sich in Bobzin - der Schleuse, die mit rund sieben Metern den größten Hub der gesamten Wasserstraße erfordert - auf Selbstbedienung einrichten.