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Parchim Eis-André muss umziehen

Von Christiane Großmann | 06.07.2020, 19:55 Uhr

Betreiber des Eiscafé Kroll sucht neue Räume in der Innenstadt, nachdem der Vermieter Eigenbedarf angemeldet hat.

„Ja es stimmt, ich muss hier raus. Aber ich bleibe den Parchimern erhalten. Von Aufhören kann keine Rede sein“, sagt André Ahrens. Mitten in der Corona-Zeit flatterte dem Wirt vom Eiscafé Kroll die Kündigung für die Geschäftsräume auf dem Schuhmarkt im Herzen von Parchim ins Haus. Der Vermieter hat Eigenbedarf angemeldet. Darauf war André Ahrens nicht vorbereitet. Nachdem er den ersten Schock einigermaßen verdaut hat, sucht Parchims bekanntester Eismann nun händeringend ein neues Domizil in der Innenstadt. „Ich trauere nicht den Räumlichkeiten hinterher, aber dem Standort“, kommentiert er seine Situation. Mittlerweile zeigt er sich vorsichtig optimistisch, dass sich ein passendes Objekt findet. „Es gab erste gute Gespräche“, sagt er und hofft dabei auch auf Unterstützung der Stadt.

Eine Institution am Schuhmarkt

André Ahrens ist seit 1998 selbstständig im Eisgeschäft tätig. Zur Institution in Parchim wurde er in den vergangenen 18 Jahren: Am 1. Oktober 2002 übernahm er das legendäre Eiscafé von Bernhard und Karin Kroll, samt Inventar, das er zu einem fairen Preis erwarb. Das Ehepaar, das seit 1973 am Schuhmarkt ansässig war, vertraute dem Nachfolger all seine Erfolgsrezepte im Original an. Über die Jahre hinweg hat André Ahrens sie weiterentwickelt, seinen Kunden immer wieder neue eigene Kreationen schmackhaft gemacht und sich stets bemüht, die Preise für Parchimer Verhältnisse flach zu halten. Für dieses Gesamtpaket wählten Hörer eines Radiosenders das Café Kroll sogar mal zur besten Eisbar in Mecklenburg-Vorpommern. Erst kürzlich wurden der Gastraum renoviert und die Treppe überarbeitet.

Im November Gelatoschule in München besucht

Im November 2019 belegte André Ahrens in München an der für ihn besten Gelatoschule der Welt einen Fortgeschrittenenkurs, um neue Anregungen mit in den Norden zu bringen. Die Corona-Krise vermasselte auch ihm den Start in die Eissaison 2020. Nach einer etwa dreiwöchigen Zwangsschließung durfte er zumindest mit dem Außerhaus-Verkauf weitermachen. Inzwischen herrscht wieder pralles Leben auf der Außenterrasse. In den Sommerferien hat Eis-André, wie er von Kindern liebevoll genannt wird, den Montagsschließtag außer Kraft gesetzt. Vor allem wenn die Sonne so richtig in Fahrt ist, kommen der 55-Jährige und sein sechsköpfiges Team – geringfügig Beschäftigte, Schüleraushilfen und Studenten - kaum zum Luft holen. Viele Sommer, in denen er bis zu 90 Stunden in der Woche in der Produktion und hinterm Tresen gearbeitet hat, haben ihm eines Tages schmerzlich spüren lassen, dass die Gesundheit ihren Tribut fordert. In all den Jahren – auch während seiner schweren Krankheit, in der er von Lebenspartnerin Silke vertreten wurde, und während der Coronakrise – hat er immer pünktlich seine Miete gezahlt.

Vermieter: Schuhmarkt 7 bleibt ein gastlicher Ort

„Ich kann bestätigen, dass Herr Ahrens über die Jahre ein zuverlässiger Mieter gewesen ist“, sagt Vermieter Ulf Harm. Auf Anfrage unserer Zeitung lässt er wissen: „Ich habe mich dann in Absprache mit meiner Familie für eine Veränderung am Objekt Schuhmarkt 7 entschieden. Das Mietverhältnis wurde von mir mit einer maximalen Kündigungsfrist beendet, insbesondere im Interesse des Mieters und um diesem ausreichend Zeit für die Suche nach einem neuen Standort einzuräumen. Der Schuhmarkt 7 wird auch in Zukunft ein Ort der Gastlichkeit sein, an dem die Parchimer Eis essen können.“

Wann André Ahrens seine letzte Kugel Eis am Parchimer Schuhmarkt über den Tresen reichen und damit dort die Kroll-Ära beenden wird, ist noch völlig offen. "Ich bin ein positiver Mensch und stecke den Kopf nicht in den Sand." Fest steht für ihn schon jetzt: Der Name "Eiscafé Kroll" zieht mit um.