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Parchim Ein Abschied und ein Neustart

Von cihd | 07.01.2019, 12:00 Uhr

Marita Widdecke betreibt Brasch Lederwaren nach dem Ausscheiden ihrer Kollegin alleine weiter Neueröffnung am 15. Januar

Die Schaufenster sind noch blickdicht abgeklebt und halten die Neugier der Passanten sicher draußen. Denn bei Lederwaren Brasch in der Langen Straße wird renoviert. Die alten Schränke kommen raus, neue Trennwände werden eingezogen und so langsam nimmt das ganze Form an. Für die langjährige Co-Inhaberin Roswitha Donadt wird die Umgestaltung ein sichtbares Zeichen für ihren Abschied in den Ruhestand sein. „Ich bin jetzt 66 und habe seit 1990 in dem Laden gearbeitet. Es war eine aufregende Zeit”, berichtet sie. Noch genau erinnert sie sich an die Wendezeit. „Es gab ein komplett neues Warenangebot und die Kunden waren euphorisch. Der Bedarf war groß und manchmal konnte man gar nicht genug Waren heranbekommen“, sagt sie mit Blick auf die frühen 90er-Jahre. Lederwaren machen seit je her einen Teil aus, doch das Geschäft hatte früher auch Haushaltswaren, sowie Seilerei- und Anglerbedarf. Der namensgebende Inhaber schied Ende 2007 aus, seine langjährigen Mitarbeiterinnen übernahmen. Das Anglerzubehör wich, das Reisegepäck und die Schulausstattung sowie die Sportwaffen und Schirme sind das Kerngeschäft geblieben. Mit Stammkunden aus der Stadt und dem Umland sowie aus Schwerin und der Prignitz kann man sich gegen die Online-Konkurrenz behaupten. „Wir waren so lange hier, man kennt alle Abläufe. Es war nie eine Option, den Laden zuzumachen“, sagt Marita Widdecke, die eigenständig das Traditionsgeschäft weiterführt. Die Familie steht hinter hier, Mann und die erwachsenen Kinder helfen beim Umbau des Ladens mit. Im kommenden Jahr wird es immerhin 80 Jahre alt. „Für uns ist das schon eine Hausnummer“, so Widdecke. In den letzten zwei Jahren habe sich durch den Altstadtverein viel bewegt und das Bewusstsein für den Einzelhandel geschärft, meint die 56-Jährige. Der Verein trete der Diskussion entgegen, dass in den Innenstädten eh nichts mehr los sei. „Klar kann man den Onlinehandel nicht aufhalten, aber man muss den Bewohnern sagen, dass sie in die Innenstädte kommen müssen“, so Widdecke, die seit über 25 Jahren im Handel tätig ist. Nur so ließe sich die Mischung an Fachgeschäften auch erhalten, die es in Parchim im Gegensatz zu anderen kleinen Städten noch gebe.

Bis am 15. Januar der Laden wieder feierlich neu eröffnet werden kann, ist noch einiges zu tun. „Bis dahin ist der Laden mein erster Gedanke am Morgen und mein letzter Gedanke vor dem Einschlafen. Aber ich freue mich schon darauf, dass alles fertig ist“, sagt Marita Widdecke.