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Geschlossene Jugendklubs „Die Kids treffen sich trotzdem“

Von Armin Kung | 21.11.2020, 06:00 Uhr

Im Parchimer Haus der Jugend und den Jugendklubs Goldberg/Mestlin herrscht Ruhe. Die Jugendlichen treffen sich woanders, die Jugendarbeiter nutzen die Zeit produktiv.

Der Billard-Tisch ist verwaist, die Sofas der Aufenthaltsräume sind leer. Die Jugendklubs der Region sind im Teillockdown geschlossen, eine Maßnahme um die Corona-Infektionszahlen niedrig zu halten. Dass geschlossene Jugendzentren automatisch zu weniger Kontakten unter Kindern und Jugendlichen führen, halten die Jugendarbeiter jedoch für eine Illusion.

„Die Kids treffen sich trotzdem, dann eben woanders als im Jugendklub. Die Situation ist schon absurd. Wenigstens treffen sie sich draußen. “
Johann Oltmanns-Leimgruber, Amtsjugendpfleger von Goldberg-Mildenitz.

Die Kinder gehen zwar in die Schule, dürfen aber die Jugendräume nicht nutzen. Oltmanns-Leimgrubers Kontakt mit den seinen Schützlingen sei loser geworden, als im ersten Lockdown im Frühjahr. Was die Jugendlichen machen oder mit wem sie sich treffen, ist für den Sozialpädagogen schwerer zu überblicken. Bei Problemen oder Redebedarf trifft sich Oltmanns-Leimgruber einzeln mit den Kids, an der frischen Luft oder hält Kontakt per Whatsapp.

Das Besucher-Wlan hat er für den November vorsichtshalber abgeschaltet, um zu verhindern, dass sich Trauben vor dem Jugendklub in Goldberg bilden, die über das Handy im Internet zu surfen. Dafür ist der Klubgarten, eine Parzelle vom Gartenverein „An der Krückenbreite, seit kurzem wieder geöffnet.

Auch Susanne Radewald, Leiterin des Parchimer Hauses der Jugend, weiß, dass die Kontakte zwischen den Jugendlichen durch die Schließung ihres Hauses nicht weniger geworden sind. Die Cliquen, die sich im Jugendklub getroffen haben, treffen sich nun im Wald oder am Skatepark: „An der Skate-Rampe können wir ab und zu schauen, ob Abstände eingehalten werden. Ansonsten ist es schwierig. Die Kiddies haben nun mal ein starkes Bedürfnis nach sozialen Kontakten“, sagt Radewald.

Einzelgänger haben es am schwersten

Kinder, die nicht in festen Gruppen unterwegs sind, haben es durch die Schließung am schwersten. Diese sitzen gelangweilt und frustriert zuhause und hoffen auf baldige Wiedereröffnung. Wenn es besonders schlimm ist, laden die Jugendarbeiter die Kids einzeln auf die Terrasse ein oder telefonieren regelmäßig.

Gerne hätte Susanne Radewald Schulklassen ins Haus der Jugend eingeladen, etwa zum Weihnachtsbasteln.

„In den Schulen sind die Klassen sowieso unter sich und im Haus der Jugend wären sie es auch. Aber auch das ist untersagt. Ich verstehe vollkommen, warum die Jugendräume geschlossen sind, aber ich bin froh, dass ich diese Entscheidung nicht treffen muss. “
Susanne Radewald, Leiterin Haus der Jugend

Trotz der angespannten Situation, möchte sie den Jugendlichen ein positives Ziel geben. Das beliebte Winterferienlager in Südtirol, das für die erste Februarwoche geplant ist, wurde noch nicht abgesagt. Alle 55 Plätze sind ausgebucht. Durch die Pandemie, seien auch kurzfristige Stornierungen möglich. „Wir warten aber so lange wie möglich ab“, so Radewald.

Unerledigte Aufgaben abarbeiten

Die Ruhe in den Jugendklubs hat zumindest einen positiven Nebeneffekt. Bauarbeiten, Reinigungen und Planungen, die sonst liegen blieben, können gemacht werden.

Im Parchimer Haus der Jugend errichten die Mitarbeiter neue Spiele auf dem Gelände. Ein Hufeisen-Spiel und ein großes Schachbrett sollen das produktive Ergebnis des Teillockdowns werden.

Oltmanns-Leimgruber nutzt den November, um die Goldberger Räume neu zu strukturieren und an der digitalen Jugendbeteiligung zu arbeiten. „Glücklicherweise gibt es ausreichend zu tun“, so der Amtsjugendpfleger.