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Parchim Tankstelle bekämpft Umweltsünder mit Schutzwand und Kameras

Von Armin Kung | 04.08.2020, 16:20 Uhr

Die Aral-Tankstelle an der Ludwigsluster Chaussee hatte ein Müllproblem hinter der Staubsauger-Anlage. Der Betreiber hat eine Lösung gefunden.

Hinter den Staubsaugern der Aral-Tankstelle an der Ludwigsluster Chaussee sah es aus wie auf einer kleinen Müllhalde. Wo eigentlich Bäume und Sträucher wachsen, wucherte umweltschädigender Dreck. Ein Berg eingestaubter Fußmatten stapelte sich, zerrissenes Styropor daneben. Plastikflaschen und Farbeimer, rostige Spraydosen und große Ölkanister im Gebüsch. Umweltschädigende Stoffe, verteilt von Autofahrern, die an der Staubsaugeranlage parkten. Tankstellen-Betreiber Arnold Voß hatte nach einem SVZ-Bericht zu einer drastischen, aber erfolgreichen Maßnahme gegriffen: eine große Schutzwand mit Videoübewachung.

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Tankstellen-Mitarbeiter Detlfef Hoppe kontrolliert jeden Tag das Gelände. Er sagt, seit die Wand steht, sei die Umweltverschmutzung um 90 Prozent zurückgegangen. "Die Wand ist so hoch, es ist fast unmöglich Müll darüber zu werfen", so Hoppe.

Auf den ersten Blick ist Umweltschutz kein gutes Geschäft. Betriebswirtschaftlich gesehen verursachte die Schutzwand Kosten. Voß engagierte eine Baufirma, die den Müll drei Tage lang ausbaggerte. Bis in einen Meter Tiefe schichteten sich Kanister, Plastik und Öl. Das Ausheben kostete über 3000 Euro. Nach der Reinigung des Geländes folgte die grüne Schutzwand. Voß kaufte die Teile und ließ die Wand nochmal für über tausend Euro errichten, inklusive der gelben Warnschilder. Trotz der Kosten war die Maßnahme auch aus unternehmerischer Sicht sinnvoll. "Die Wand ist nicht nur gut für die Natur hinter unserer Tankstelle. Auch viele Kunden begrüßen die grüne Wand und geben uns positive Rückmeldung. Es handelt sich auch nur um eine kleine Minderheit, die hier so fahrlässig handelt", so Voß.

Die Aral-Tankstelle war rechtlich nicht verpflichtet, den Müll zu entfernen. Die Ölkanister, Fußmatten und Plastikflaschen zeigten zwar, dass der Müll zweifelsfrei von Autofahrern kam, also Kunden der Tankstelle. Das Grundstück gehört aber der Deutschen Bahn. Die Bagger gruben selbst alten Reichsbahn-Schrott aus der Erde. Voß sagt: "Niemand interessierte, ob dort Müll raufflog und niemand interessierte, dass der Müll wieder verschwand".

Neben der Wand sorgen Videokameras für mehr Sicherheit. Vom Hauptgebäude der Aral-Tankstelle ist ein Objektiv auf die Staubsaugeranlage gerichtet. Mit den Videoaufnahmen konnte bereits ein schwerer Fall von Umweltverschmutzung aufgeklärt werden. Mehrere 60-Liter-Benzinkanister hatte ein Autofahrer hinter der Tankstelle entsorgt. Die Überwachungsvideos stellte Voß dem Umweltamt zur Verfügung, nachdem Mitarbeiter den Müll entdeckt hatten. Die Behörde ermittelte den Fahrzeughalter und zog ihn zur Rechenschaft.