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Parchim Christenlehre to go mit Heidrun Jessa

Von Christiane Großmann | 18.06.2020, 14:08 Uhr

Gemeindepädagogin lädt Kinder ein, mit ihr um den See zu gehen und dabei über Gott und die Welt zu plaudern.

Einmal um den Wockersee gehen und dabei über Gott und die Welt reden: Dazu lädt Heidrun Jessa ihre Christenlehrekinder aus der St. Georgengemeinde in Parchim ein. Als im Mai nach vielen Wochen des strikten Kontaktverbotes schrittweise die ersten Lockerungen erlaubt wurden, war für die Gemeindepädagogin auf der Stelle klar: Sie möchte ab sofort wieder persönlich für die Jungen und Mädchen da sein, auf eine Weise, die während der Pandemiezeit machbar ist. Auf der sichersten Seite ist man dabei in der freien Natur. Seitdem gibt es in Parchim die „Christenlehre to go“– Spaziergänge zu zweit, ganz individuell, in einem Gehtempo, bei dem man sich gut unterhalten, zuhören und auch einfach mal Schweigen zulassen kann. Das Kind gibt vor, welchen Verlauf das Gespräch nimmt.

Runden um den See stehen bei Kindern hoch im Kurs

Die „Christenlehre to go“ steht mittlerweile hoch im Kurs bei den Jungen und Mädchen der Georgengemeinde. „Ich freue mich total, dass die Spaziergänge so viel Zuspruch und Begeisterung finden“, gesteht Heidrun Jessa. Sogar ehemalige Christenlehrekinder pilgerten schon mit ihr um den Parchimer See. Immer häufiger bekommt die Gemeindepädagogin, die vor einem Jahr zusätzlich eine Kinderseelsorgeausbildung absolvierte, die Frage gestellt: „Und wann bin ich wieder dran?“ Das empfindet sie als großen Vertrauensbeweis. „Es ist deutlich zu spüren, dass die Kinder ein großes Bedürfnis haben, zu reden, nachdem sie wochenlang ihre vertrauten Kontakte aufgeben mussten und von Normalität immer noch keine Rede sein kann.“ Diesen Eindruck findet sie auch in ihrer Arbeit als Religionslehrerin bestätigt.

Behutsam den Blick auf Positives lenken

Ganz behutsam versucht Heidrun Jessa in den Gesprächen aber auch immer wieder den Focus auf Positives zu lenken, was aus dieser Zeit haften bleibt. Da ist von der längst vergessenen Spielesammlung die Rede, die während der Zeit des Kontaktverbotes plötzlich zum Hit wurde und die ganze Familie um den Tisch versammelte. „Das Schöne ist, dass wir zu Hause viel näher beieinander sind“, fand ein Kind großen Halt in der Familie, als es seine Schulfreunde nicht sehen konnte.

Kinder von völlig neuen Seiten kennengelernt

In diesem Coronafrühling hat Heidrun Jessa Christenlehrekinder, die sie teilweise schon über Jahre begleitet, von völlig neuen Seiten kennengelernt, wenn sie auf einem Steg am See saßen, die Füße im Wasser badeten und dabei die Seele baumeln ließen. Da kamen plötzlich Talente zum Vorschein, die sie nur so staunen ließen:

„Kinder können große Philosophen sein, wenn sie über das Leben nachdenken. Diese feinsinnige Intensität beeindruckt mich immer wieder. Trotz Abstandsregel habe ich so viel Nähe zu den Kindern erlebt. Das ist eine sehr wertvolle Erfahrung. Ich erlebe dabei meine Arbeit ganz anders. Unterwegs, sein, hinsetzen, zuhören, nachfragen. Mehr bedarf es nicht, um das Herz und die Seele fit zu machen.“
Heidrun Jessa, Gemeindepädagogin

Bestärkt fühlt sich Heidrun Jessa dabei auch durch die positive Wertschätzung bei Eltern und Großeltern. In der ersten Sommerferienwoche steigt die Gemeindepädagogin für ein paar Tage aufs Fahrrad um: Vom 22. bis 25. Juni heißt es in Parchim „Kirche auf dem Rad.“ Von 10 bis 14 Uhr laden die beiden evangelischen Gemeinden St. Georgen und St. Marien jeweils zehn Kinder ein, sich ein bisschen abzustrampeln und die Gegend rund um Parchim zu erkunden. Diese bewegte Aktion ist die diesjährige Alternative zu dem beliebten Ferienprojekt „Kirche aus dem Häuschen“. Das darf 2020 wegen der Pandemie nicht stattfinden.