Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Parchim/Lübz/Hagenow Busstreik lässt Schulen fast kalt

Von FRGU | 23.01.2020, 18:00 Uhr

Unterricht findet trotz Ausstand beim Nahverkehr größtenteils statt. VLP: Lohnforderung der Gewerkschaft überfordert Landkreis

Diesmal ging einen ganzen Tag lang nichts im Nahverkehr: Nachdem die Busfahrer bereits in der vergangenen Woche die Arbeit ruhen ließen, fuhr gestern erneut kein Bus vom Hof des Parchimer Betriebsteiles der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim. Die Gewerkschaft Verdi hatte zum Streik aufgerufen. Doch die Eltern hatten sich scheinbar gut untereinander organisiert. Wie Volkhard Merzsch, Schulleiter des Friedrich-Franz-Gymnasiums, der Redaktion gegenüber sagte, waren auch diesmal die Auswirkungen gering. „Eigentlich waren es nur die kranken Schüler, die fehlten, die anderen waren meist anwesend“.

Am Nachmittag zu Schulschluss an der Bushaltestelle ist nur wenig Betrieb. Einige Eltern sind mit ihren Autos gekommen, um ihre Kinder abzuholen. „Es ist ärgerlich, aber ich habe Verständnis und hoffe für die Fahrer, dass sie bald zu einer Einigung kommen“, erzählt eine Mutter aus der Region um Marnitz. Eine andere aus einem Ortsteil von Parchim (beide wollten ihren Namen nicht in der Zeitung lesen) hat auch Verständnis, „allerdings bin ich zweigeteilt“, meint sie. „Es gibt auch viele Angestellte in kleinen Betrieben und die können gar nicht streiken und müssen mit Mindestlohn oder sogar weniger auskommen“, sagt sie. Angesichts der Klimadiskussion verweist sie auch darauf, dass landesweit nun etliche mit ihren Autos unterwegs sind, um ihre Kinder von der Schule zu holen. Gut für die Umwelt sei das ja nicht. „In jeder Klasse fehlten ein paar Schüler. Alle Schüler, die täglich mit dem Bus zur Schule fahren, kamen heute nicht zum Unterricht. Nur vereinzelt wurden welche von ihren Eltern gefahren“, berichtet auch Cerstin Birnitzer, Schulleiterin der Regionalen Schule Lübz. Doch von den insgesamt 286 Schülern fehlte rund ein Drittel. Das betraf alle Klassenstufen. „Ich persönlich verstehe die Busfahrer, wenn sie streiken. Wir als Schule machten das Beste aus der Situation, das bedeutet, dass der Unterricht zum Teil anders als sonst gestaltet wurde.“

Trotzdem dürfte die Gewerkschaft sich mit diesem Streikaufruf nicht nur Freunde gemacht haben. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum es diese superkurze Vorankündigung gab. Bei einer längeren Frist hätten sich die Leute darauf einstellen können“, meint Stefan Lösel, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP). „Es gibt deshalb auch viel Unmut. Wir hatten mehrere hundert Anrufe von Leuten, die sauer waren. Der Tenor dabei ist, dass sie den Streik schon in Ordnung finden, aber die Ankündigungsfrist nicht.“ Die Kritik möchte die Gewerkschaft dagegen nicht auf sich sitzen lassen. „Wir wollten den Warnstreik eigentlich längerfristig ankündigen. Im Gegenzug wollten wir aber auch eine Absicherung von der Arbeitgeberseite, dass dann keine Streikbrecheraktivitäten geplant werden“, erklärt Christian Manke vom Verdi Landesbezirk Nord, Fachbereich Verkehr. Mit anderen Verbänden sei das möglich gewesen, mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband Mecklenburg-Vorpommern, der die Tarifverhandlungen für die kommunalen Unternehmen führt, allerdings nicht.

Kommenden Dienstag findet die dritte Verhandlungsrunde über den Tarif im öffentlichen Omnibusverkehr in Mecklenburg-Vorpommern statt. Die Gewerkschaft fordert dabei weiterhin eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 2,06 Euro pro Stunde ab dem 1. Januar 2020 sowie zusätzlich einen Angleichungsbetrag von 100 Euro. „Die Forderungen sind ambitioniert, aber sie sind auch deshalb so gefasst, um eine Angleichung an das Vergleichsgebiet Schleswig-Holstein zu schaffen“, meint Hans-Martin Becken, Vorsitzender des VLP-Betriebsrats. Das Angebot der Arbeitgeber, insgesamt rund sechs Prozent mehr Geld in den kommenden drei Jahren, wurde als „substanziell nicht ausreichend“ abgelehnt.

Die Streikenden kritisieren möchte Stefan Lösel nicht, die Forderungen der Gewerkschaft hält er aber offenbar für übertrieben. „Die verdi fordert im Schnitt 15 Prozent mehr Stundenlohn. Das überfordert den Landkreis“, so der VLP-Geschäftsführer. Die Folge wäre wohl, dass dann Leistungen, sprich die Anzahl an Fahrten, die zuletzt ausgebaut wurden, gestrichen würden. „Ich hoffe deshalb, dass es am Dienstag einen Abschluss gibt, mit dem die Angestellten zufrieden sind und der Landkreis nicht überfordert wird.

Michael-G. Bölsche, Franziska Gutt, Sascha Nitsche, Robert Lehmann