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Parchim Auf tapfere Schneiderlein wartet immer ein Job

Von Christiane Großmann | 28.07.2020, 16:03 Uhr

Was tun nach dem Schulabschluss? Im Thema der Woche stellt SVZ Berufe vor, die in der Region erlernt werden können

Angenommen, 150 Müllmänner oder Straßenwärter stehen nebeneinander in einer Reihe. Was fällt auf? Die Leuchtstreifen an 150 Paar Hosenbeinen ergeben eine durchgezogene waagerechte Linie. Man könnte glatt eine Wasserwaage anlegen, es stimmt hundertprozentig. Wie das sein kann, wenn der eine Mitarbeiter 1,78 Meter groß, sein Kollege ein Hüne von 1,90 ist? Natürlich sind da vorher Nadel und Faden im Spiel gewesen. Tapfere Schneiderlein sorgten dafür, dass bei jedem Träger der Leuchtstreifen an der Berufsbekleidung exakt 15 Zentimeter über dem Saum des Hosenbeines sitzt. So verlangt es die Norm.

Mehr als 50.000 Menschen sollen im Job eine gute Figur machen

Auf dieses Bild greift Heidi Reddin von der DBL Textil-Service Mecklenburg gern zurück, wenn sie auf Berufsorientierungsmessen eine Lanze für ein Handwerk bricht, das in ihrem Unternehmen unverzichtbar ist: Die Rede ist von der Änderungsschneiderin. Umzunähen, zu verlängern, enger zu machen oder zu reparieren gibt es in der Parchimer Großwäscherei tagtäglich jede Menge. Das in zweiter Generation geführte Unternehmen sorgt dafür, dass mehr als 50.000 Menschen an ihrem Arbeitsplatz, egal in welcher Branche, eine gute Figur machen.

Für die Ausbildung extra nach Parchim gezogen

Das Handwerk der Änderungsschneiderin lernt dort seit fast einem Jahr auch Laura Marie Sulek. Sie nahm im September 2019 zusammen mit zwei weiteren Schulabsolventen ihre Ausbildung beim Branchenführer in Mecklenburg-Vorpommern auf. Dafür war Laura Marie Sulek nach dem Abitur sogar bereit, ihre Heimat zu verlassen. Die 19-Jährige ist in der Nähe von Königs Wusterhausen im Landkreis Oder-Spree aufgewachsen. Auf den Ausbildungsplatz in Parchim wurde sie durch die Internetseite des Arbeitsamtes aufmerksam. Zuvor hatte sie schon persönlichen Kontakt zu Berufsberatern. „Ich war mir damals nicht sicher, ob ein Studium oder eine Ausbildung für mich das richtige ist. Fest stand für mich aber schon seit langem, dass ich etwas mit Schneidern oder Mode machen wollte“, sagt Laura Marie.

Ausbildung dauert zwei Jahre

Ihre erste Nähmaschine bekam sie von ihren Großeltern geschenkt. Nach dem Bewerbungsgespräch in Parchim und dem Probetag, an dem sie zum ersten Mal in ihrem Leben an einer Industrienähmaschine stand, ging alles ganz schnell: Schon kurze Zeit später hatte sie den Lehrvertrag unterschriftsreif im Briefkasten. Mit ihren Eltern sah sie sich mehrere Wohnungen in Parchim an. Mitte August 2019 brachten sie die ersten Möbel nach Parchim, im September war Ausbildungsstart. Laura Marie lebte sich schnell in der Eldestadt ein. Sie mag das Kleinstadtflair. Die Firma erreicht sie bequem mit dem Fahrrad. Ihre fachliche Mentorin im Unternehmen ist Anne Steinhäuser, eine gelernte Damenmaßschneiderin. Zur Berufsschule fährt sie nach Lübeck: Jeweils drei Schulwochen folgen sechs praktische Wochen im Betrieb. Insgesamt dauert die Lehrzeit zwei Jahre.

Übernahmechancen stehen sehr gut

Laura Marie und den anderen beiden angehenden Änderungsschneiderinnen ihres Jahrganges winken beste Übernahmechancen, wenn sie sich mit entsprechenden Leistungen revanchieren: „Wir bilden für den eigenen Bedarf aus“, unterstreicht Heidi Reddin. Der Bedarf an Fachkräften bei DBL ist permanent hoch. Deshalb lohnt sich Selbstinitiative zu jeder Jahreszeit. Wer sich frühzeitig für das Ausbildungsjahr 2021/22 ins Gespräch bringen möchte, sollte seine Bewerbung erst gar nicht auf die lange Bank schieben. Gute Karten haben junge Leute, die Spaß am Umgang mit Textilien, ein Gespür für Farben und Formen haben und sich gut auf Menschen einlassen können, schließlich sind sie auch beratend tätig.. Auf der Stelle zu vergeben ist sogar noch eine Lehrstelle bei DBL für dieses Ausbildungsjahr: Es wird händeringend ein Azubi zum Textilreiniger gesucht.

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