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Tanzsportgarde Parchim Alle Pläne für 2020 wie Seifenblasen zerplatzt

Von Christiane Großmann | 01.12.2020, 13:00 Uhr

Karnevalistische Tanzsportler in Parchim beweisen auch in schweren Zeiten Teamgeist. Motivationsspritze vom Rotary-Club

Wann Dreifach-Landesmeisterin Fenja Gerlach von der Parchimer Tanzsportgarde das letzte Mal auf einer Bühne gestanden hat? Für die 13-Jährige fühlt es sich an, als seien seitdem Lichtjahre vergangen. Es war vor neun Monaten in Timmendorfer Strand bei den Norddeutschen Meisterschaften im karnevalistischen Tanzsport. Die Parchimer Teilnehmer schafften es gleich in mehreren Kategorien aufs Siegerpodest. Der Wettbewerb konnte gerade noch so vor dem ersten Lockdown stattfinden.

„In unserem Heimatland Mecklenburg-Vorpommern hatten wir in diesem Jahr keinen einzigen Auftritt“, bedauert Ingolf Ehrhardt, Leiter der Tanzsportabteilung beim SV Einheit 46. Die vom Parchimer Verein organisierte Landesmeisterschaft in Demen musste genauso abgeblasen werden, wie die für den 14. November geplante Karnevalsrevue in der Kreisstadt.

Auch das Training ruht schon wieder seit Wochen. Anders als in anderen Landkreisen war bis zu Beginn dieser Woche in Ludwigslust-Parchim der Freizeit- und Vereinssport ebenfalls für die unter 18-Jährigen untersagt, unabhängig davon, ob er in der Halle oder im Freien stattfindet.

Ingolf Ehrhardt hofft inständig, dass der Übungsbetrieb noch vor Weihnachten wieder aufgenommen werden kann. Am Dienstag wollte er zunächst Kontakt zur Stadt aufnehmen, wann die Hallen wieder zur Verfügung stehen und sich mit den Trainern besprechen, wie alles behutsam hochgefahren werden kann. Solange wird Fenja zu Hause weiterhin im stillen Kämmerlein ihre Dehnübungen machen.

Überbrückt wurde die Zwangspause außerdem mit Online-Trainingsangeboten. „Aber das ersetzt nicht das normale Training“, gibt Lilly Holstein zu bedenken. Die 18-Jährige hat sich seit mittlerweile sieben Jahren dem karnevalistischen Tanzsport verschrieben, einer Sportart, die für Gemeinschaft steht und wahrlich nicht für Einzelkämpfer gemacht ist.

Froh ist Ingolf Ehrhardt, dass die Abteilung unter dem Dach des ältesten Parchimer Sportvereins gerade in diesen harten Monaten ihre Mitgliederzahl konstant halten konnte: Tänzer, Trainer, Fördermitglieder – alles in allem zählt die Abteilung Tanzsportgarde 87 Mitglieder.

Die ersten Pläne für 2021

Traut man sich in so einer Situation überhaupt, Pläne für das neue Jahr zu schmieden? „Das müssen wir sogar“, unterstreicht Ingolf Ehrhardt. Die ersten Fördermittelanträge hat er längst geschrieben. „Was nachher machbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber wir wollen vorbereitet sein“, sagt Ehrhardt, der nicht nur Abteilungsleiter der Tanzsportgarde ist, sondern auch Vorsitzender des Trägervereins.

Beim SV Einheit 46 Parchim mit 226 Mitgliedern haben vom Handicap-Sport über Badminton und Showturnen bis hin zum traditionsreichen Spielmannszug insgesamt sieben Abteilungen ihre sportliche Heimat. Im Coronajahr kam mit der Frauentanzsportgruppe um Neutrainerin Marie-Christin Grant eine neue Sparte hinzu.

Förderung für Vereinshomeoffice

Zu nutzen wusste der Verein auch bestimmte Fördermöglichkeiten im Zusammenhang mit der Pandemie: Die Deutsche Stiftung für Ehrenamt und Engagement unterstützte zum Beispiel die Anschaffung von Computertechnik für das „Vereinshomeoffice“. Ein Stück vom Kuchen bekam der SV Einheit 46 Parchim ab.

Insgesamt reichte der gemeinnützige Verein für dieses Jahr 31 Fördermittelanträge bei den verschiedensten Geldgebern ein. 18 wurden bewilligt, fünf sind noch im Genehmigungsverfahren und acht Anträge mussten wegen Corona zurückgezogen werden. Betroffen war davon zum Beispiel das Handicap-Sportfest im Juni. Es musste abgesagt werden.

Doch es gab auch die berühmten Lichtblicke im Sportjahr 2020: Der Spielmannszug konnte komplett neu eingekleidet werden. Das Land fördert die Anschaffung neuer Hörner inklusive neuer Taschen. Im neuen Outfit glänzen ebenfalls die Showturner.

Mit einer Finanzspritze in Höhe von 300 Euro machte in diesen Tagen der Rotary-Club der Tanzsportgarde ein vorfristiges Nikolausgeschenk. Die Rotarier sind untröstlich: Zweimal hatten sie die Truppe für einen festlichen Anlass engagiert, beide Male musste der Auftritt wegen der Pandemie abgesagt werden. Rotary-Präsident Hans-Georg Zwang versicherte: „Wir werden auch ein drittes Mal anfragen.“