Anwohner ärgern sich über neue Regelung der Müllentsorgung : Parchim und der "Gelbe-Sack-Tag"

Wenn   in Parchim 'Tag des Gelben Sackes' ist, wird es auf den Gehwegen  in der Putlitzer  Straße  eng:  Fußgänger und  Radfahrer  haben ihre Mühe,   an den bereitgelegten Wertstoffsäcken vorbeizukommen. Oftmals  klappt das nicht, was dann eine Menge Dreck bringt. Simone Herbst
Wenn in Parchim "Tag des Gelben Sackes" ist, wird es auf den Gehwegen in der Putlitzer Straße eng: Fußgänger und Radfahrer haben ihre Mühe, an den bereitgelegten Wertstoffsäcken vorbeizukommen. Oftmals klappt das nicht, was dann eine Menge Dreck bringt. Simone Herbst

Eigentlich sind die Gelben Säcke eine gute Einrichtung. Hans-Jürgen Grabow ist der gleichen Meinung. Wäre da nicht eine Anfang Mai veränderte Regelung, über die nicht nur er sich ärgert.

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28. Mai 2011, 04:17 Uhr

Parchim | Eigentlich sind die Gelben Säcke ja eine gute Einrichtung, wie auch deren zentral organisierte Entsorgung. Hans-Jürgen Grabow ist grundsätzlich der gleichen Meinung. Wäre da nicht eine Anfang Mai veränderte Regelung, über die er sich und mit ihm weitere Anwohner der Putlitzer Straße enorm ärgern.

Dieser Ärger nahm seinen Lauf vor etwa vier Wochen: Gerade war "Gelber-Sack-Tag" in Parchim und die "Putlitzer" stellten wie alle anderen Kreisstädter ihre Säcke zu Abholung bereit. Viele von ihnen nicht direkt an die Straße, weil sie fürchten, dass sie von den Lkw auf der Bundesstraße mitgerissen werden. Auch nicht auf den Bürgersteig, der direkt vor ihren Grundstücken entlangführt. "Früher war das mal so", erzählt Grabow. "Ganz oft waren Säcke kaputt gegangen waren und der Plastikunrat verteilte sich über Gehsteig und Straße oder verfing sich in den schmalen Rosenrabatten dazwischen. Wir mussten den ganzen Mist dann wieder einsammeln."

Also gingen die Anwohner dazu über, ihre Säcke direkt neben dem Bürgersteig hinter ihre Zäune oder griffbereit auf den Auffahrten und Zuwegungen zum Haus zu stellen. Fünf Jahre ist das jetzt her. Und solange klappte das auch. "Es war überhaupt kein Problem. Die Mitarbeiter des Entsorgungsunternehmens hatten sich darauf eingestellt und nahmen die Säcke mit", sagt Grabow.

Vor vier Wochen waren die Säcke liegen geblieben, wie auch an den nachfolgenden Abholtagen. Bei Hans-Jürgen Grabow und anderen "Putlitzern" türmen sich mittlerweile die Säcke. "Als wir bei der Firma nachfragten, was los ist, verwies eine nette Dame zunächst auf einen späteren Abholtermin. Doch nichts tat sich. Tage später hieß es dann auf erneute Nachfrage, dass die Säcke ab sofort von Privatgrundstücken - auch wenn sie sich nur zehn Zentimeter hinter den Grundstücksgrenzen befinden - nicht mehr abgeholt werden." Man verfahre so laut Anweisung, die kurzfristig mitgeteilt worden sei. "Der Ton der Kollegin war aber lange nicht mehr so nett", sagt Grabow.

Seit vier Wochen stellen Hans-Jürgen Grabow und andere Anwohner ihre immer mehr werdenden Säcke termingerecht bereit - wie bisher hinter den Zäunen oder auf ihren Auffahrten. Nicht wegen des Tones, sondern vielmehr, weil sie den ständigen Dreck nicht wollen und weil sie die Bürgersteig-Regelung als blanke Bürokratie empfinden. "Wir haben mit Herrn Hergert, dem Chef der Abfallwirtschaft des Landkreises, gesprochen", sagt Hans-Jürgen Grabow. Warum das mit der Abholung jetzt wieder so geregelt sein muss, habe er nicht gesagt. "Aber er hat uns empfohlen, die Säcke doch zu beschweren, damit sie nicht weggeweht werden. Das habe sich an anderer Stelle bewährt." Auch habe er darauf hingewiesen, dass die Säcke laut gültiger Satzung ohnehin erst am Tag der Abholung, 6 Uhr, bereitgelegt werden dürften.

Die Regelung, von der da ein paar Anwohner der Putlitzer Straße sprechen, sei mit der Entsorgungsfirma getroffen worden, nicht mit dem Landkreis, sagt Sachgebietsleiter Gangolf Hergert auf SVZ-Nachfrage. Es handele sich hier um einen privaten Entsorger im Auftrag des Dualen Systems. "Und das Problem ist ein versicherungstechnisches. Die Frage ist nämlich, was passiert, wenn sich der Mitarbeiter beim Holen der Säcke auf einem privaten Grundstück verletzt oder wenn er etwas beschädigt? Wer kommt dann dafür auf?" , so Hergert. Im Landkreis Parchim gelte im Bereich der Abfallwirtschaft seit 20 Jahren ein öffentliches Regelwerk, in dem neben den Modalitäten die Pflichten der Privateigentümer festgeschrieben sind. "Anders als etwa bei der Blauen Tonne und beim Hausmüll, deren Entsorgung beim Landkreis liegt, kann die private Abfuhr der Gelben Wertstoffsäcke von der Verwaltung nur dahingehend unterstützt werden, dass die "Übergabe" im öffentlichen Raum stattfindet, so der Verwaltungsmann. Wollen die Bürger, dass ihre Gelben Säcke weiterhin vom privaten Grundstück abgeholt werden, dann müssen sie sich an das Entsorgungsunternehmen wenden, um dies zu vereinbaren und die Frage der Versicherung zu regeln. Hans-Jürgen Grabow sieht darin zwar einen kleinen Ausweg aus der Bürokratie. Dennoch fragt er sich "wer haftet denn, wenn durch umherfliegende Säcke und Plastikmüll etwas passiert?"

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