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Lokales

11. Dezember 2017 | 16:27 Uhr

Paradies Helle, Landflucht andernorts

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erstellt am 06.Mai.2010 | 08:46 Uhr

Wolfshagen | Sieben Prozent Einwohner haben die 19 Orte in den letzten sechs Jahren verloren, die gegenwärtig in dem Forschungsprojekt "Strategien zum Dorfumbau - Auswirkungen des demografischen Wandels auf ländliche Gemeinden" untersucht werden. Sie gehören alle zur Gemeinde Groß Pankow (Prignitz), liegen nördlich der B 189. Das Berliner Planungsbüro "StadtLandProjekt"hält die Fäden für das Projekt in den Händen. Am Mittwochabend machten Georg Balzer und Cordula Reichelt vom Berliner Büro den Mitgliedern des Arbeitskreises die Statistik der Bevölkerungsentwicklung im Untersuchungsgebiet deutlich. Und die sieht nicht rosig aus, sowohl was den Bevölkerungsschwund anbelangt als auch die Altersstruktur. Denn bis zum Jahr 2030 geht man nicht nur von einem Einwohnerrückgang von 29,4 Prozent aus im Vergleich zu 2006, sondern auch davon, dass dann 47 Prozent der Einwohner älter als 65 Jahre sind.

Was nun tun angesichts dieser Zahlen? Den Kopf in den Sand stecken, nur noch überlegen, wie man sich mit entsprechender eingeschränkter Infrastruktur über Wasser hält, oder progressiv nach vorn denken, sich dem Trend in den Weg stellen? Fragen, über die am Mittwochabend im Gasthof am Schloss ausgiebig diskutiert wurde. Gerade Wolfshagen ist ein exemplarisches Beispiel für diese ländliche Entwicklung. Hier beträgt der Einwohnerrückgang von 2003 bis Ende 2009 sogar 17 Prozent. Viele Wohnungen in den Neubaublocks stehen leer. Dagegen sind die in den am Wald gelegenen so genannten MTS-Blöcken alle belegt. Warum das so ist, müsste ergründet werden, lautete ein Auftrag. Ebenso sei die Frage zu klären, warum in der Wolfshagener Draht- und Verarbeitung GmbH zwar rund 100 Leute arbeiten, die meisten aber von außerhalb kommen. "Warum wollen sie nicht hierher ziehen? Das müssen wir herausfinden", erklärte Torsten Foelsch.

Maria Winter aus Tacken verwies auf die zunehmende Zahl von Berlinern, "die sich bei uns tummeln. Es kann also durchaus noch anders kommen, als die Statistiken besagen, wenn wir beispielsweise DSL bekommen, die Leute auch hier ihre Computerarbeit erledigen können." Aus Strigleben kam die Anregung, die regionalen Stärken zu untersuchen, ob sich daraus Effekte ergeben, dem derzeitigen Trend der Landflucht entgegen zu wirken.

Und dass es die regionalen Stärken gibt, ist unbestritten. Sieht man sich beispielsweise Helle an, so kann sich dieses Rundlingsdorf, idyllisch gelegen abseits von großen Straßen und in Waldnähe, sogar über Bevölkerungszuwachs freuen. An einem Fachwerkhaus prangt gar das Schild "Im Paradies".

Das findet man in Wolfshagen zwar nicht, dafür aber das Schlossmuseum und die alte Wassermühle an der Stepenitz. Warum, so fragte Reinhard Kalcher, kann angesichts der immer stärkeren Zuwendung zu regenerativen Energien nicht hier wieder die Wasserkraft wie einst genutzt werden? Das passe sicher auch besser in die Landschaft, als riesige Solarfelder oder zusätzliche Windparks. Groß Pankows Bauamtsleiter Halldor Lugowski machte auf das Problem aufmerksam angesichts der von der Landesregierung in Auftrag gegebenen Studie über die Errichtung von Freiflächen für Solaranlagen und der Prognose, dass 20 Prozent des Energiebedarfs bis 2020 aus regenerativen Energien abgedeckt werden sollen. Bei einer solchen Entwicklung sei auch zu untersuchen, inwieweit diese Anlagen als landschaftsverschandelnd angesehen werden und eventuelle Zuzügler abschreckten.

Eine Menge Fragen also, die jetzt von dem Berliner Planungsbüro abzuarbeiten sind. Am 16. Juni trifft sich der Arbeitskreis wieder, und zwar in Tangendorf. Dann wollen Balzer und Reichelt unter anderem aufzeigen, ob eine Zuwanderung denkbar ist, für welche Zielgruppen die Orte des Untersuchungsgebietes interessant sind.

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