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Lokales

20. Oktober 2017 | 18:03 Uhr

Pädophilen-Prozess geplatzt

vom

svz.de von
erstellt am 16.Sep.2010 | 06:40 Uhr

Schwerin | Der Kinderpornografie-Prozess in Darmstadt, in dem auch der 34-jährige Schweriner Frank J. angeklagt ist, muss neu aufgerollt werden. Das Gericht erklärte eine an dem Verfahren beteiligte Schöffin für befangen. Diese soll auf die von ihr selbst gestellte Frage "Wo sind wir denn hier?" geantwortet haben: "In einem Pädophilenprozess. Die haben Straftaten begangen."

Es half der Schöffin nicht, dass der am meisten belastete Angeklagte, ein 57-Jähriger aus Hessen, die ihm vorgeworfenen Missbrauchstaten bereits gestanden und alle übrigen acht Angeklagten ausnahmslos Geständnisse angekündigt hatten. Die Richter gaben dem Antrag eines Verteidigers auf Befangenheit der Schöffin statt. Der Prozess, der erst vergangene Woche begonnen hatte, soll nun mit neuen Schöffen vom 30. September an neu aufgenommen werden.

Die Angeklagten aus dem ganzen Bundesgebiet sollen von 2006 bis 2009 einer Bande angehört haben, die in abgeschotteten Chatrooms Bildmaterial mit Missbrauchsszenen anbot. Zwei Angeklagten wird auch dutzendfacher Kindesmissbrauch vorgeworfen.

Die Bande war nach einem anonymen Hinweis vor einem Jahr aufgeflogen. Die Wohnung von Frank J. sei im Herbst 2009 durchsucht worden, so Klaus Wiechmann von der Polizeidirektion Schwerin auf Anfrage unserer Zeitung.

Ziel aller Angeklagten sei gewesen, möglichst viele und aktuelle Bilder und Videos zu sammeln, hatte Oberstaatsanwalt Rainer Franosch zu Beginn des jetzt geplatzten Prozesses gesagt. Um Geld sei es nicht gegangen. In Netzwerken sollen diese Dateien massenweise ausgetauscht worden sein. Franosch: "Das waren keine harmlosen Nacktbildchen." Sogar Vergewaltigungen, Fessel- und Folterszenen seien abgebildet worden. Die Opfer: Säuglinge, Kinder und Jugendliche. Weltweit rund 500 Nutzer sollen beteiligt gewesen sein.

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