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Lokales

16. August 2017 | 21:20 Uhr

P-Konto bewährt sich im Praxistest

vom

Lübz | Bisher sei die Kontopfändung für die meisten Gläubiger das Mittel der Wahl gewesen. Nun, mit der Einführung des Pfändungsschutz-Kontos (P-Konto) - zum ersten Juli - habe sich die Situation der Schuldner durchaus verbessert, bilanziert Dr. Heiko Hahnel, Leiter der Schuldnerberatungsstelle in Lübz, die ersten fünf Wochen Praxiserfahrung. "Das P-Konto an sich ist eine gute Sache für die Schuldner, es ist auf jeden Fall der richtige Weg", so Hahnel, "Denn das Konto bietet dem Schuldner einen erheblichen Schutz und erleichtert die Schuldenregulierung enorm."

Angestrebt sei generell eine Gesamtentschuldung und damit ein Neustart für die betroffene Person. Das P-Konto erweise sich hier als sehr hilfreich, denn dem Schuldner stehe ein monatlicher Grundbetrag zur Verfügung, der Rest des Geldes könne reguliert und prozentual gerecht an die jeweiligen Gläubiger gezahlt werden, erklärt der Jurist. Es käme also nicht, wie vor der Einführung des Pfändungsschutzes, zu den sogenannten "Angstraten", die unkontrolliert an Gläubiger gezahlt würden, erläutert Dr. Hahnel weiter. "Durch das P-Konto muss der Betroffene nun keine Sorge mehr haben, dass die Banken ihm das Girokonto kündigen - und damit fallen die unrentablen ,Angstraten weg." Eine kontrollierte und sinnvolle Regulierung der noch ausstehenden Beträge könne dann in Angriff genommen werden. Das Angebot, ein P-Konto zu eröffnen, wurde schon jetzt vielfach genutzt. "Wir, als Schuldnerberatung, haben es oftmals empfohlen und es wurde bisher gut angenommen", sagt Hahnel. Doch nicht nur Positives hat der Volljurist über die neue Regelung zu berichten. Es herrsche noch einige Unklarheit bei vielen Banken, bezüglich der Umgangsweisen mit einem solchen Konto und die Gebühren, die anfielen seien auch sehr unterschiedlich - oft auch extrem hoch. "Obwohl durch den Bundesgerichtshof festgelegt wurde, dass wenn auf einem Konto eine Pfändung liegt, dort die Bank keine zusätzlichen Gelder nehmen darf. Dennoch tun einige Kreditinstitute dies", berichtet der Jurist, "Die Spitze des Eisbergs ist eine Bank, die eine Sondergebühr von 20 Euro monatlich für die Beanspruchung des P-Kontos erhebt." Bliebe den Schuldnern also nur der Gebührenvergleich zwischen den einzelnen Banken, ein Wechsel sei jedoch im Einzelfall nicht so einfach, gibt der Fachmann zu bedenken. Oft würden fremde Kreditinstitute den Schuldner nicht aufnehmen, wenn dieser bei einer anderen Bank bereits ein Konto vorzuweisen habe. "Und bei Kündigung kommt er dann in die Bredouille, dass eine andere Bank die Eröffnung eines Girokontos gar nicht in Betracht zieht, wegen seiner Schulden. Dann steht er plötzlich kontolos da. Denn das Recht auf ein Girokonto ist vom Gesetzgeber nicht festgelegt," erklärt Hahnel weiter. Bedenken hat der Fachmann auch bei gemeinschaftlichen Konten, denn diese können nicht in ein P-Konto umgewandelt werden. "Man muss statt dessen zwei Girokonten eröffnen - und das wiederum kann bei bereits vorhandenen Schulden zu weiteren Problemen führen. Da wissen wir noch nicht, was auf uns zukommt." Als ein weiteres Problem ergebe sich, dass viele Banken und auch wichtige Anlaufstellen der Schuldner derzeit noch nicht auf das P-Konto geschult worden seien. "Und ist dies doch der Fall, verläuft eine Beratung oft negativ oder gar ablehnend und der Schuldner ist wieder auf sich allein gestellt", sagt Hahnel.

Konkrete Statistiken gäbe es zwar noch nicht, dennoch sei es schon jetzt absehbar, dass die Einführung des P-Kontos ein Schritt auf dem richtigen Weg sei, so Hahnel. Und auf lange Sicht würde sich sicherlich auch eine einheitliche Umgangsweise auf allen Ebenen einspielen.

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erstellt am 06.Aug.2010 | 05:57 Uhr

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