Ort zum Erinnern und Mahnen

Bild- und Tondokumente geben Zeugnis über das Leiden der  Frauen im KZ-Außenlager. M. Seifert
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Bild- und Tondokumente geben Zeugnis über das Leiden der Frauen im KZ-Außenlager. M. Seifert

Das Elbbergmuseum, an historischem Ort am Rande der Stadt Boizenburg gelegen, wurde gestern nach Monaten der Umgestaltung wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zwei Ausstellungen erinnern an zwei dunkle Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte: An das Boizenburger Außenlager des KZ Neuengamme und an die ehemalige innerdeutsche Grenze und das Leben der Menschen im Sperrgebiet.

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06. Mai 2009, 07:54 Uhr

Boizenburg | "Ich war gerade im Dezember achtzehn geworden, wissen Sie, und ich überlegte: Gut ich werde mein Bestes tun, ich werde so lange arbeiten, wie ich kann, bis sie mich töten." Diese Zeilen stammen aus einem Interview mit Esther Fischer, die im Boizenburger Außenlager des KZ Neuen gamme einst inhaftiert war. Erinnerung und Mahnung für all jene, die gestern zur feierlichen Eröffnung des neugestalteten Elbbergmuseums in das Ausstellungsgebäude gekommen waren.

Hier, am westlichen Ortseingang Boizenburgs, an der früheren Fernstraße F5, haben sich Gebäude erhalten, die für die Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert von ganz unterschiedlicher Bedeutung sind. Eine Baracke zeugt vom ehemaligen Außenlager Boizenburg des KZ Neuengamme. In diesem Lager waren 1944/45 vierhundert jüdische Häftlingsfrauen aus Ungarn inhaftiert, die in der Elbestadt Zwangsarbeit leisten mussten. Das einzig noch erhaltene Lagergebäude, der frühere Küchenkeller, wurde in den vergangenen Monaten völlig umgestaltet, für die bauliche Neuorientierung samt Gestaltung der Außenanlagen sorgten die Mitarbeiter des städtischen Bauhofes Boizenburg und Mitarbeiter der Gemeinnützigen Projektgesellschaft (GLP) Ludwigslust. Für die inhaltliche Gestaltung der neuen Ausstellungen zum KZ-Außenlager und über die Zeit der innerdeutschen Teilung mit Grenze und Sperrgebiet trugen der Berliner Historiker Dr. Kay Kufeke und die Leiterin des Boizenburger Heimatmuseums, Karin Wulf, Verantwortung. Unterstützung für das Projekt gab es von der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vopommern, der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, von der Landesbeauftragten MV für die Unterlagen des ehemaligen DDR-Staatssicherheitsdienstes, vom Verein Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis, vom Landkreis Ludwigslust und von der Stadt Boizenburg. Während der Sommermonate von Mai bis September wird an diesem historischen Ort in Vier eine Ausstellung zum Überleben der Häftlinge und zur Zwangsarbeit in der benachbarten Elbewerft gezeigt. Überlebende und Zeitzeugen wurden befragt, an drei Audiostationen können die Besucher Auszüge aus Interviews mit ehemaligen Häftlingen anhören.

Im Mittelpunkt der anderen Exposition im Elbbergmuseum steht der frühere Kontrollpunkt Vier. An diesem für Besucher zugänglichen Kontrollturm, der ebenfalls neu gestaltet wurde, befand sich von 1973 bis 1990 die ehemalige Transitkontrollstelle der DDR zur Überwachung des Autoverkehrs in Richtung Grenze und in das Grenzsperrgebiet. Rund um den Turm dokumentiert eine weitere Ausstellung die Geschichte der innerdeutschen Grenze im Kreis Hagenow. Eine Toninstallation im Turm verweist auf das Leben im Sperrgebiet, Flucht und Zwangs aussiedlung.

"Wenn wir die Menschen, die das Elbbergmuseum aufsuchen, anregen, sich kritisch und intensiv mit ihrer Geschichte, mit ihrer jüngeren Vergangenheit auseinander zu setzen, haben wir eigentlich schon das Ziel unseres Anliegens erreicht", so Dr. Kay Kufeke.

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