Original-Pausen aufgetaucht

<strong>Restaurator Heiko Brandner </strong>entnimmt eine Salzprobe von der Ostwand der Marsower Feldsteinkriche. <fotos>Katharina Hennes (2)</fotos>
Restaurator Heiko Brandner entnimmt eine Salzprobe von der Ostwand der Marsower Feldsteinkriche. Katharina Hennes (2)

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20. März 2010, 01:57 Uhr

Marsow | Lange hat Detlef Westphalen auf Nachricht aus dem Parchimer Stadtmuseum gewartet. Die Antwort auf seine Anfrage, ob nicht doch irgendwo originale Dokumente von Willi Schomanns Malereien aus der Feldsteinkirche existieren, stand noch aus. Als Monate später der Brief aus Parchim in seinem Briefkasten lag, war Westphalen enttäuscht. "Der Brief war so dünn, da musste eine Absage drin sein." Doch dann die Überraschung: Ja, man habe Fotografien der Farbentwürfe Schomanns entdeckt. Und mehr noch: Auch originale Lochpausen, mit denen der Maler die Motive an die Wand skizzierte, liegen dem Museum vor. "Jetzt sind wir alle selig", sagt Westphalen. "Denn mit diesen Unterlagen wird eine Rekonstruktion der zerstörten Wandmalereien auch an der Ostwand möglich."

Heute steht Restaurator Heiko Brandner mit einer Kopie dieser Lochpause in der Hand vor der Ostwand und zeigt Experten, wie gut die Pause auf die noch verbliebenen originalen Umrisse passt. Die Vertreter von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Kirchenkreisverwaltung Parchim staunen. "Was für ein Glück", sagt Denkmalschützerin Heidi Gerber. "Ich habe noch nie erlebt, dass derartige historische Dokumente wieder aufgefunden wurden."

Brandner, der bereits Seitenwände und Decken in der Marsower Feldsteinkirche restauriert hat, würde am liebsten gleich mit der Arbeit beginnen. Doch erst muss der Restaurator Salzproben nehmen. "Wir prüfen, ob es sich bei den Salzen auf der Putzoberfläche um Altschäden handelt oder um eine aktive Salzbewegung", sagt er. Trifft Letzteres zu, müsse diskutiert werden, ob und wie die Sanierung zu diesem Zeitpunkt umgesetzt werden könne. Unabhängig von den Proben sucht Brandner weiter nach Dokumenten. "Wir haben nur von der rechten Wandseite Farbentwürfe. Für die linke Seite liegen Schwarz-Weiß-Fotos von 1935 vor. Wir sind also dankbar für jedes Foto, auf dem man noch viel vom Original sehen kann. Vielleicht gibt es ja Aufnahmen von Hochzeiten, Konfirmationen oder einem Fahrradausflug..."

Seit neun Jahren wird die Marsower Feldsteinkirche Schritt für Schritt saniert. Damals gründeten Anwohner den Förderverein zur Erhaltung der Feldsteinkirche Marsow. Ob Dach, Glockenturm, Figuren oder Ornamente - vieles ist saniert und in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt worden. "Dank großzügiger Unterstützer haben wir all unsere Vorhaben umgesetzt", freut sich Detlef Westphalen. Sein größter Wunsch: Eine restaurierte Ostwand im Sommer. "Am 20. Juni feiert der Förderverein das große Sommerfest. Dazu haben wir auch Schomanns Enkel Hans-Joachim Zsagar eingeladen. Es wäre wunderbar, wenn er die Arbeit seines Opas hier sehen könnte."

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