Operationen in der Warteschleife

Das Urlaubstief, über das der DRK-Blutspendedienst eingangs der Woche klagte, ist in den Krankenhäusern im Landkreis deutlich zu spüren. Weil Nachschub an Blutkonserven nur zögerlich geliefert werden kann, mussten sie bereits Operationen verschieben.

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31. Juli 2009, 11:59 Uhr

Ludwigslust/Hagenow | "Seit Jahren fällt der Tiefpunkt der Blutspendebereitschaft in den Sommer - und damit in die Haupturlaubs- und Reisezeit, in der wir erfahrungsgemäß erhöhten Blutbedarf haben", erklärt Dipl.-med. Heinz Raspe. Er ist Oberarzt im Ludwigsluster Krankenhaus Stift Bethlehem und zuständig für das dortige Blutdepot. Der Mehrbedarf erkläre sich daraus, dass neben notwendigen Operationen in den sonnigen Reisemonaten auch mehr Verkehrsunfallopfer zu versorgen seien. Paradoxerweise, so Raspe, sinke ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt die Zahl der Spender.

Ein Ausweg aus dem Sommerloch, das Tendenz zu werden droht, scheint sich nicht aufzutun. "Wegen des enormen Bedarfs ist es uns unmöglich, Vorräte anzulegen", so Rainhard Wohlgemuth, Werbereferent beim DRK-Transfusionsdienst. Ohnehin liege die Haltbarkeit herkömmlicher Konserven in Glukoselösung bei derzeit fünf Wochen, was längeres Einlagern unmöglich mache. "Die Alternative Einfrieren ist technisch zwar möglich, in der benötigten Größenordnung aber zu kostspielig."

Weil Krankenhäuser keine Logistikunternehmen sind, sind auch deren Depots begrenzt. Stift und Kreiskrankenhaus Hagenow etwa bestellen das benötigte Blut mehrmals pro Woche. In der Regel beim DRK-Blutspendedienst Schwerin. Doch immer häufiger müsse man die "Suche" nach Nachschub auf andere Dienste ausweiten. Akut jetzt im Sommer. Allerdings würden sich die Blutspendedienste in Norddeutschland untereinander aushelfen, weiß Oberarzt Raspe. Zumindest, soweit es deren Kontingente zulassen. Auch innerhalb der Krankenhausholding Westmecklenburg, unter deren Dach Ludwigslust und Hagenow kooperieren, unterstütze man sich nach Kräften.

Dennoch hätten beide Häuser Operationen mangels Konserven schon verschieben müssen. "Wird so entschieden, sind Menschenleben nicht gefährdet", versichert Kerstin Meyn, Medizinisch-technische Laborassistentin im Kreiskrankenhaus Hagenow, die froh ist, noch keine Großlage mit vielen schwer Verletzten und einem hohen Bedarf an Blutkonserven erleben zu müssen." "Sollten aber große OPs und schwere Unfälle zusammenfallen", so der Ludwigsluster Arzt, der inzwischen allein autorisiert ist, die Konserven im Stift freizugeben, "wird es eng, dann sind Häuser wie unseres schnell überfordert." Das wäre eine Katastrophe.

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