Oper ist die Kunst der extremen Gefühlslagen

Angelo Raciti (l.) lud hochkarätige Gäste zum Podiumsgespräch.
Angelo Raciti (l.) lud hochkarätige Gäste zum Podiumsgespräch.

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18. August 2009, 08:54 Uhr

Perleberg | Was darf ein Regisseur von einem Sänger verlangen, wann muss der Nein sagen, um die Qualität der musikalischen Darbietung nicht zu gefährden, welcher Stellenwert kommt dem Musiktheater und speziell der Oper zu - so lauteten einige der Fragen, die Teilnehmer der Lotte-Lehmann-Akademie am Wochenende mit hochkarätigen Gästen diskutierten.

Angereist waren neben Christoph Albrecht, Intendant der Dresdener Semperoper von 1991 bis 2003, auch Paul Kildea, Dirigent an der Hamburger Staatsoper, Nicholas Broadhurst, Regisseur am Theater Bielefeld, Fred Berndt, international erfolgreicher Regisseur, sowie Janet Williams, die an allen bedeutenden Opernhäusern der Welt gastierte.

"Wir brauchen die Vermittlung zwischen der Ausbildung des Sängers und dessen Engagement auf einer Bühne", unterstrich Christoph Albrecht die Notwendigkeit einer Akademie, wie sie in Perleberg entsteht. Daher war es für den künstlerischen Leiter Angelo Raciti, wichtig, erfahrene Fachleute zum Podiumsgespräch einzuladen.

Weltweit gilt die deutsche Opernwelt als Maß aller Dinge. England hat zum Beispiel sechs Opernhäuser, nur zwei oder drei verfügen über einen eigenen Chor. In den USA hat nur die Metropolitan-Opera New York einen festen Chor.

Allerdings sei auch in Deutschland, bedingt durch Sparzwänge, ein Umbruch in Gange, machte die Diskussion deutlich. Der Trend, kein festes Ensemble zu engagieren, kehre sich zwar wieder um, ermögliche aber nur knappe Besetzungen. "Die Ausbeutung nimmt zu. Daher stehen die Sänger nicht nur vor der Frage, wo und wie kommen sie in ein Ensemble, sondern auch vor dem Problem, wie bewegt man sich, dass die Karriere nicht nach drei Jahren endet, weil man keine Stimme mehr hat", so Raciti.

Was die Akademie-Teilnehmer ebenso erfuhren: Es gibt an deutschen Theatern keine einheitlichen Rahmenbedingungen. Das sei eine sehr unentschiedene Situation, meinte Raciti. Bewerber sollten sich daher gut über das Betriebsklima, den Spielplan und weitere Rahmenbedingungen der jeweiligen Häuser informieren. "Sie dürfen nicht aufgeben, weil sie die Strukturen nicht durchschauen und Prioritäten nicht kennen." Das Symposium sollte daher den Teilnehmern Erfahrungen über den Zugang zum Theater vermitteln, die sie in der Form noch nicht hatten, fasste Raciti zusammen.

Auch zum Theater selbst hatten die Podiumsgäste eine klare Position. Ein Haus, das auf Schock setze, sei nie seine Intention gewesen, machte zum Beispiel Fred Berndt deutlich. Nicht anders sah es Raciti: "Die Oper muss wieder zeigen, dass sie die Kunst der extremen Gefühlslagen ist, die in aller Tiefe ausgelotet werden. Die Oper muss Situationen schaffen, die glaubwürdig machen, dass da jemand singt." Im Gange sei eher ein gegenteiliger Kampf der Selbstüberbietung, der in eine Sackgasse führe.

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