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Mecklenburger Postkutsche bereichert Sammlung in Kobrow : "Omnibus" im Kutschenmuseum

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Neueste Errungenschaft im Museumsdorf Kobrow ist eine Postkutsche. Sie wurde nach Originalfotos angefertigt. Es umfasst nun 139 Fahrzeuge, allein mehr als 100 Kutschen sowie Schlitten und alte Militärtechnik.

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erstellt am 24.Jan.2011 | 10:05 Uhr

Kobrow | Mehr als 100 Kutschen aus verschiedensten Ländern und Epochen, blitzblank poliert und aufgereiht, warten im Kobrower Museumsdorf auf Besucher. Auch Schlitten sowie von Pferden gezogene Militärfahrzeuge vorwiegend aus der Zeit beider Weltkriege gehören zu der illustren Sammlung. Für die Öffentlichkeit jederzeit zugänglich, sei ihm keine zweite derartige in dieser Größenordnung bekannt, erklärt Norbert Schönborn. Der Museumsbetreuer hat den Fundus in privatem Auftrag maßgeblich zusammengebracht. 2010 ist die Zahl der Besucher auf 6424 angestiegen. "Das ist für ein Museum hier im Dorf schon eine ganze Menge", freut sich Schönborn. Im Anfangsjahr 2006 waren es rund 3600.

In der ganzen Sammlung fehlte bislang aber eine Postkutsche. Norbert Schönborn machte sich wie in den Jahren zuvor auf, um erst einmal historische Vorlagen aufzutreiben. Denn für ihn stand fest: Es sollte ein Gefährt sein, mit dem die Post einst in Mecklenburg Personen, Briefe und Pakete transportierte. "Die Postkutschen waren hier kleiner und nicht so schwer, sie hatten weniger Plätze und nur eine Fahrgastzelle. Vom Aufbau her war das ein Omnibus. Dieser Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ,für alle. Bei nur einem Fahrgastraum gab es keine Einteilung in Klassen, die Preise sollen erschwinglich gewesen sein im Unterschied zu den Nobelkarossen anderswo, die unterteilt waren. Für größeren Komfort musste natürlich mehr bezahlt werden", erklärt Norbert Schönborn, der sich zu dem Thema umfangreich belesen hat.

Höhere Hügel im flachen Land wurden umfahren

Hauptgrund für die kleinere Mecklenburger Postkutsche war der geringere Bedarf hier im dünn besiedelten Land. Mehr Einnahmen als die Beförderung von Briefen und Paketen habe der Personenverkehr gebracht. Der leichtere Aufbau gestattete es, zweispännig zu fahren. Denn gerechnet worden sei schon damals: Vier Pferde wären um einiges teurer geworden. Und in der ebenen Landschaft hätten zwei locker ausgereicht. Wo die Hügel etwas höher reichten, wurden sie umfahren, erzählt der tüchtige Museumsbetreuer.

Bei der Suche nach historischen Vorlagen, die in verschiedenste Archive und museale Einrichtungen führte, wurde Schönborn schließlich im Parchimer Stadt museum und im Freilichtmuseum Schwerin-Mueß fündig. Fotos zeigen die Verabschiedung der Postkutschen zu ihrer letzten Fahrt, einmal 1899 von Parchim aus nach Crivitz sowie 1907 in Grevesmühlen. Das seien eher Zufallstreffer gewesen, doch für den Kobrower waren es Glücksfälle, für die er beiden Museen dankbar ist. "Denn wir wollten keine beliebige Postkutsche für unser Museum haben, sondern eine, die speziell in Mecklenburg unterwegs war", unterstreicht der 67-Jährige. Nach den beiden Originalfotos entstand dann die Replik des Gefährts mit der beidseitigen Aufschrift "Kaiserliche Post". Damit besteht die Sammlung des Kobrower Kutschenmuseums aus 139 Fahrzeugen.

Norbert Schönborn ist mit einem Enthusiasmus wie im ersten Jahr bei der Sache, ob beim Beschaffen weiterer Ausstellungsstücke oder den spannenden Führungen, bei denen ihm der Stoff nie ausgeht. Letztere können bei entsprechendem Interesse der Besucher zu einem Nachmittag füllenden Programm ausufern. Obwohl im Rentenalter, sei er gebeten worden weiterzumachen, sagt Norbert Schönborn - und freut sich darüber. Denn gern gibt er seine Begeisterung an die Besucher weiter.

Das Kutschenmuseum in Kobrow hat bis Ende Februar montags bis freitags 10 bis 17 Uhr geöffnet, nach vorheriger Vereinbarung einer Führung auch am Wochenende.

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