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Lokales

16. Dezember 2017 | 18:01 Uhr

Ohne Zivis herrscht Personalnot

vom

svz.de von
erstellt am 24.Mai.2010 | 07:48 Uhr

Schwerin | Die von der Bundesregierung beschlossene Kürzung des Zivildienstes bringt Sozialdienste in MV in Personalnot. Da Wehrdienstverweigerer von Juli an statt bislang neun nur noch sechs Monate Ersatzdienst leisten sollen, blieben Plätze frei, erklärte der Vorsitzende der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege, Burghardt Siperko. "Die Zahl der jungen Männer steigt aber nicht", sagte er. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) kann nach eigenen Angaben schon jetzt 136 seiner 255 Zivi-Stellen nicht besetzen. Einige Einrichtungen würden daher aus dem System ausscheiden und künftig gar keine Zivildienstleistenden mehr einstellen, befürchtete der Paritätische Wohlfahrtsverband. Neben den Personallücken vergrößere sich vor allem der Aufwand für die Pflege- und Fahrdiensteinrichtungen immens, in denen Zivis vornehmlich arbeiten, sagte DRK-Landesgeschäftsführer Hans-Peter Schultz. Denn die Zeit, in der diese voll eingesetzt werden können, sei weitaus weniger als die nun beschlossenen sechs Monate. "Wir benötigen drei Monate, um die Jungen einzuarbeiten." Außerdem stehen laut Bundesamt für Zivildienst den jungen Männern bei aktuell noch neun Monaten Dienstzeit 20 Tage Urlaub zu. Bleibt die Berechnungsgrundlage von 2,2 Tagen je Monat unverändert, hat ein Zivi bei sechsmonatigem Dienst einen Anspruch auf 13 Urlaubstage zu. Im schlimmsten Fall der Neustrukturierung können Träger einen Zivi demnach nur zweieinhalb Monate lang voll einsetzen. Genaueres war aber noch nicht bekannt. "Das würde sich für uns aber nicht mehr lohnen", resümierte Siperko, der auch Leiter der Caritas Vorpommern ist.

Eine mögliche freiwillige Verlängerung auf neun Monate bezeichnet der Paritätische Wohlfahrtsverband daher als Kompromisslösung. Landes-Sprecherin Ursula Schumacher kritisierte allerdings, dass die jungen Männer erst nach zwei Monaten entscheiden müssten, ob sie dies auch tun. "Viele unserer Träger könnten daher künftig ganz auf Zivis verzichten, um Planungssicherheit zu haben", sagte Schumacher.

Ein anderes Modell soll die Personalängste der Sozialdienste nun beschwichtigen: Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Dieses steht auch jungen Frauen offen. Es gebe im Land genug Anwärter, aber zu wenig Stellen, sagte Siperko. Grund sei die nicht ausreichende finanzielle Förderung durch das Land. Er forderte daher, die Gelder aufzustocken und das Angebot auszubauen. "Danach bleibt vielleicht der eine oder andere junge Mensch mehr im Land hängen und zieht nicht weg, weil er hier eine Ausbildung im sozialen Bereich absolvieren will", sagte Siperko. Sozialstaatssekretär Nikolaus Voss (SPD) steht dem Freiwilligen Sozialen Jahr als Lückenbüßer skeptisch gegenüber, denn die Zukunft dieses Angebotes ist nach seinen Worten ungewiss. Im Bund stehe eine Umschichtung der hierfür bereitgestellten Mittel an, sagte Voss. "Wir brauchen den Zivildienst in unseren sozialen Einrichtungen. Das Instrument hat sich bewährt."

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