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Lokales

18. November 2017 | 07:39 Uhr

Ohne Schuhe ins Reich der Sinne

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erstellt am 01.Jun.2010 | 08:02 Uhr

Schmarl | Gekonnt tänzelt Heike Merten auf den blauen Glasscherben. Es knirscht und knackt ein wenig, aber es passiert nichts. Ihre nackten Füße bleiben unversehrt. Die schlanke Frau ist von Beruf kein Fakir, sondern Veranstaltungsmitarbeiterin im IGA-Park Schmarl. Der Untergrund des Bodens ist keine Show-Bühne, sondern ist eine von 16 Stationen des neuen Barfuß pfades im IGA-Park. Die Scherben sind aus Sicherheitsgründen für solche Zwecke industriell abgerundet worden.

Die Idee zum Pfad stammt von Sylke Welke. Die Leiterin der Parkpflege stieß vor zwei Jahren bei einer Internet-Recherche auf das Thema. Seitdem ließ sie der Gedanke nicht los, sie war der Ansicht, dass das eine tolle Ergänzung für das grüne Areal zwischen Schmarl und Groß Klein ist. Bei IGA-Park-Geschäftsführer Jörg Vogt und Axel Buhr aus der Veranstaltungsabteilung stieß die Gartenbau-Ingenieurin auf offene Ohren. Gleich drei solcher Pfade nahm das Trio aus Rostock unter die Lupe. Aus der Vision ist Wirklichkeit geworden. Gestern war Generalprobe mit Schülern aus der Grundschule Lichtenhagen-Dorf. Zwar ließ das schlechte Wetter es nicht zu, dass die Mädchen und Jungen ihre Schuhe ausziehen und den neuen Pfad mit eigenen Füßen erkundeten. Diesen Sonntag um 11 Uhr aber ist offizielle Einweihung am Rande eines Kinderfestes an der Waschstation für die Füße, dem Platz zum Start und Ende des natürlichen Angebotes.

"Wir haben bei unserem Weg zwei Strecken durch den Park geschaffen", sagt Welke. Eine zieht sich über eine Distanz von zwei Kilometern hin, eine weitere ist kürzer. Ziel und Start ist eine Waschstation neben dem Weidendom. "Unterwegs teilt sich der Weg", erklärt Welke. Auch in Hinblick auf Senioren und Kinder ist es in anderen Barfußpfaden so üblich, dass es längere und kürzere Strecken gibt. Bei den Belägen sind in Rostock die vorhandenen Untergründe wie Wiesen, Rasen, Wasser und Seesand mit neuen Untergründen kombiniert worden. "Dazu zählen Flächen mit den blauen Glasscherben, Blähton, Rindenmulch, Muttererde und Lehmboden", so die Initiatorin.

Bei diesem Weg sollen nicht nur die Tast-Sinne über die verschiedenen Untergründe geschärft werden, sondern auch der für das Hören und den Gleichgewichtssinn. "Wir haben die neuen Felder mit vorhandenen Angeboten kombiniert", sagt Welke. So werden der Tast-, der Hör- und der Gleichgewichtssinn getestet. Im Rhododendronhain gibt es Balancierbalken, nahe an der Ecke zum Schlangensteg soll der Hörsinn geschärft werden: Ein Besucher soll die Augen schließen und von einer zweiten Person über eine Strecke geführt werden. "Mit geschlossenen Augen nehmen die Füße die Untergründe noch bewusster wahr, außerdem reagiert das Gehör dadurch deutlich stärker", so die Planerin. Es wurden in den Barfußpfad weitere vorhandene Stationen aus dem Park integriert. Die Klangorgel, Fühlkästen und -boxen, außerdem Spielstationen. Die Waschanlage und die Schließfächer werden in der Hauptsaison von Mai bis Oktober betrieben. "Dann räumen wir die Schränke in eine Lagerhalle und stellen die Wassersäulen über Winter ab. Da macht das keinen Sinn", sagt Welke.

23 000 Euro sind in den Barfußpfad investiert worden. Gut 30 Prozent spendete die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung aus Lotterieerträge. Den Barfußpfad können Gäste allein erkunden, am Beginn der Station befinden sich im Kasten dafür die Lagepläne. "Darauf haben wir einen Platz für Hinweise und Anregungen gelassen, der Pfad ist ja für uns Neuland", sagt Planerin Welke. Die Zettel nehmen Kassenmitarbeiter gern entgegen. Schulklassen können Führungen innerhalb des Umweltprojektes "Im Reich der Sinne" erhalten. Wer sich nicht traut, über das blaue Glas zu tänzeln, muss das auch nicht tun. Der kann ja andere Beläge testen.

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