Ohne Fördermittel verpufft Storchenschutz

Die Spitzen in einzelnen Jahren können über den Abwärtstrend nicht hinwegtäuschen. Die Erhebung machte die Biologin  und Weißstorchexpertin Dr. Krista Dziewiaty.
Die Spitzen in einzelnen Jahren können über den Abwärtstrend nicht hinwegtäuschen. Die Erhebung machte die Biologin und Weißstorchexpertin Dr. Krista Dziewiaty.

von
17. März 2010, 07:27 Uhr

Rühstädt/Potsdam | Genau ein Jahr ist es her, dass Rühstädt mit einer Initiative zur Rettung seines Markenzeichens, dem Weißstorch, an die Öffentlichkeit ging. Die Gemeinde ließ damals ein Gutachten zur Storchenpopulation erstellen, das als Handlungsgrundlage gegenüber dem Land und der EU dienen sollte. Erklärtes Ziel ist es, den Bestand an rund 30 Brutpaaren unbedingt zu halten. "Wir haben einen Totpunkt erreicht", äußerte seinerzeit Jürgen Herper, Bürgermeister und Mitarbeiter der Naturwacht Brandenburg. Die Population sei zwar im Dorf Rühstädt stabil, ringsum jedoch breche der Storchenbestand sukzessive ein.

"Rühstädt ist eine Insel", stellt Herper im März dieses Jahres anlässlich eines Gastspiels der Ökofilmtour fest. Weniger ökologisch als ökonomisch könne sich das zur Katastrophe auswachsen, denn touristisch lebe der gesamte Landkreis vom Storch. Das Dorf habe während der Weißstorchsaison genauso viele Besucher wie Wittenberge das ganze Jahr, verdeutlicht Herper. Allerdings kämen sie sich wie die einsamen Rufer im Walde vor, sagen Landwirte und Naturschützer in der Prignitzer Elbtalaue. Neuestes Ärgernis: Die Ministerien für Infrastruktur und Landwirtschaft sowie für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz vertrösten die Rühstädter auf 2013. Dann beginnt eine neue Förderperiode. "20 Jahre Vertragsnaturschutz sind im Eimer, wir stehen mit leeren Händen da", formuliert es Dirk Glaeser ziemlich drastisch. Er ist Geschäftsführer der Agrarproduktivgenossenschaft (APG) Abbendorf.

Der Landwirt weiß, wie man dem schrumpfenden Storchenbestand am effektivsten entgegenwirken kann: mit der kleinflächigen, zeitlich gestaffelten Mahd von Grünland. Für einen Agrarbetrieb allerdings absolut unökonomisch und daher nicht ohne Fördermittel zu bewerkstelligen.

Mittel flossen erst unproblematisch, dann zäh

1991 wurde eigens dafür ein entsprechendes Förderprogramm entwickelt. Agrarunternehmen, wie die APG Abbendorf, erhielten Ausgleichszahlungen vom Land. Bis etwa 2003 sei das unproblematisch gelaufen, so Glaeser. Adebar dankte es in Rühstädt und Umgebung mit einer stetig wachsenden Population. Die Mittel, die zuletzt aus dem Programm Vertragsnaturschutz ausgezahlt wurden, flossen dann immer zäher und schließlich gar nicht mehr. "Man hat es einfach gestrichen, ohne sich Gedanken zu machen", kritisierte Glaeser bereits in einem früheren Interview mit dem "Prignitzer". Das Kulturland schafts programm der EU (Kulap) tauge als Nachfolger für den Vertragsnaturschutz wenig, weil die Zonen zu groß gefasst seien und es eine späte Mahd favorisiere.

Die aktuelle Situation habe sich nun auch noch zusätzlich verkompliziert: "Wir müssen jetzt, nach den Landtagswahlen 2009, mit zwei Häusern verhandeln, weil das ehemalige Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz ,gesprengt worden ist", erläutert Dirk Glaeser.

Vor Ort hingegen seien sich alle einig - Biosphäre, Landwirtschaft und Landkreis. "Und wir handeln auch, haben zusätzliche Teiche angelegt, wollen in diesem Jahr weitere Laichgewässer bauen", ergänzt Jürgen Herper. Dass das Grünland kleinflächig gemäht werde, wolle man vor Ort untereinander, auf kurzem Wege, absprechen. Die Großvögel brauchen im Elbvorland regelmäßig frisch gemähte Flächen, bereits im April und Mai, um erfolgreich auf Beutezug gehen zu können. In Anbetracht der ausstehenden Fördermittel sind dies alles jedoch Tropfen auf den heißen Stein - zumal sich weitere Negativfaktoren breit machen. Gemeint ist damit insbesondere der sinkende Bestand an weidendem Vieh, bedingt durch den Preisverfall bei Milch und Rindfleisch, der sich in den vergangenen zwölf Monaten noch verschärft habe, so Dirk Glaeser. "Wo kein Vieh geht, geht auch kein Storch", veranschaulicht es Naturwächter Jürgen Herper.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen