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Nach dem Gerichtsurteil suchte Paul U. in Pasewalk das Weite : Offene Tür: Häftling weiter auf der Flucht

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Besonders ausgeklügelt war die Flucht aus dem Pasewalker Gerichtsgebäude nicht. Dennoch fehlte vom 22-jährigen Untersuchungshäftling Paul U. trotz intensiver Fahndung bis gestern Abend noch jede Spur.

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erstellt am 05.Jan.2011 | 08:03 Uhr

Pasewalk | Besonders ausgeklügelt war die Flucht aus dem Pasewalker Gerichtsgebäude nicht. Dennoch fehlte vom 22-jährigen Untersuchungshäftling Paul U. trotz intensiver Fahndung bis gestern Abend noch jede Spur.

Der gebürtige Pasewalker war am Dienstagnachmittag vom Amtsgericht seiner Heimatstadt wegen schweren Diebstahls zu einer neunmonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt worden. Nach Ansicht des Gerichts war Paul U. im Sommer vergangenen Jahres mit einer Brechstange in einen Imbisswagen eingedrungen, um dort Lebensmittel und Alkohol zu stehlen. "Anschließend soll er den Tatort mit einem gestohlenen Fahrrad verlassen haben", berichtete ein Sprecher des Schweriner Justizministeriums gegenüber unserer Redaktion. Seit September saß der bereits einschlägig vorbestrafte junge Mann in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Neubrandenburg.

Dorthin wollte der Verurteilte offensichtlich auf keinen Fall mehr zurück. Nach der Urteilsverkündung saß der Untersuchungsgefangene vorübergehend in einer Gewahrsamszelle im Gericht. Als die Justizbediensteten ihn gegen 15 Uhr von dort zum Gefangenentransportwagen bringen wollten, riss er sich los und flüchtete. Dabei kam ihm offensichtlich eine Unachtsamkeit des Gerichts zu Hilfe. Eine normalerweise verschlossene Tür in der Nähe der Gewahrsamszelle war offen. Die Justizbediensteten nahmen die Verfolgung auf, waren dem 22-Jährigen allerdings läuferisch unterlegen. "Die Bediensteten konnten uns zumindest die Fluchtrichtung angeben", sagte ein Polizeisprecher in Anklam gestern. Der Flüchtige trug keine Fessel.

Nach Alarmierung der Polizei leiteten die Beamten eine bundesweite Fahndung nach Paul U. ein. Der ist bei Justiz und Polizei kein Unbekannter. Aktenkundig sollen mehrere Drogendelikte und Diebstähle des Obdachlosen sein. Auch in der Justizvollzugsanstalt Neustrelitz kennt man den Pasewalker. Denn bereits 2008 war er als Strafgefangener in die Jugendhaftanstalt eingeliefert worden.

Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht nach Einschätzung des Justizministeriums nicht. "Er gilt nicht als gefährlich. Nach unserer Kenntnis ist der junge Mann nicht gewalttätig", sagte ein Ministeriumssprecher. Zumindest seien keine Gewalttaten von Paul U. bekannt.

Bei der Polizei rechnet man mit einem Fahndungserfolg. Verwandte und Bekannte sowie Szenetreffs werden von den Ermittlern aufgesucht. "Der Flüchtige braucht bei dieser Kälte nachts eine warme Bleibe, und etwas zu essen braucht er auch", so der Polizeisprecher. Zu einer Öffentlichkeitsfahndung mit Foto des 22-Jährigen konnte sich die Neubrandenburger Staatsanwaltschaft bislang zumindest noch nicht entschließen.

Das Justizministerium kündigte eine Untersuchnung der Umstände der Flucht an. "Wenn Fehler gemacht wurden, dann müssen wir daraus lernen", so der Ministeriumssprecher.

Allerdings ist Paul U. nicht der erste Häftling, der der Justiz Mecklenburg-Vorpommerns in den vergangenen Monaten ausgebüxt ist. Unter ähnlichen Umständen gelang im September einem 18-Jährigen in Stralsund die Flucht. Kaum hatte ihn das Amtsgericht der Hansestadt wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt, war der jugendliche Delinquent schon weg. Trotz Handfessel konnte er sich vor dem Gericht losreißen und schneller laufen als die Justizbediensteten, von denen sich einer durch einen Sturz verletzte. Nach wenigen Tagen saß der Jugendliche allerdings wieder hinter Gittern.

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