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Lokales

13. Dezember 2017 | 06:27 Uhr

Ökostrom teilt die Meinungen

vom

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2011 | 07:04 Uhr

Schwaan | Sie kam unverhofft und wurde dann mit ziemlicher Heftigkeit geführt: die Debatte über das Thema Ökostrom. Losgetreten hatte diese vor der Stadtvertretersitzung die Schwaanerin Petra Palm von der evangelischen Kirchgemeinde mit einer offenbar überraschenden Frage an die Stadtvertreter.

Die Kirchgemeinde Schwaan bemühe sich, atomfreien Strom für die Beheizung ihrer Räume zu nutzen, so Petra Palm. "Gibt es solche Bemühungen auch in der Stadt Schwaan?", wollte sie wissen und betonte: "Man muss doch mal ein Zeichen setzen!"

Fast verblüfft fiel die erste Reaktion der Stadtvertreter aus: "Woran erkennt man denn Ökostrom?", klang es aus CDU-Reihen. Doch dann fassten sich die Gemüter.

"Für uns ist wichtig, dass uns jemand Strom so günstig wie möglich verkauft, ob nun aus Atom oder nicht", meinte Bürgermeister Peter Faix (CDU). "Man sollte mit gutem Beispiel vorangehen und prüfen, welche Alternativen es gibt", hielt dem Rüdiger Zöllig (Die Grünen) entgegen.

Jetzt zu sagen, ich hab grünen Strom, sei "Unsinn", meinte der stellvertretende Bürgermeister Klaus Burzlaff (CDU). "Je mehr Interessenten es gibt, je mehr können regenerative Energien ausgebaut werden", erklärte er. Er habe gerade gelesen, sagte er, dass die Energiebilanz bei Strom aus Mais schlechter sei als bei herkömmlicher Stromproduktion. Man müsse erstmal abwarten, wohin die Entwicklung geht, findet er. "Wir haben nichts gekonnt, wenn wir sagen, ich beziehe Ökostrom, wenn deren Herstellung die Umwelt mehr belastet als die herkömmliche Energiegewinnung", so Burzlaff. Außerdem habe die Stadt mit dem bisherigen Energielieferanten Wemag einen Vertrag bis 2012.

"Man soll sich über alternative Sachen Gedanken machen, aber man muss auch abschätzen, was das für Folgen hätte", so Gerd Dümmel (CDU). Die Folgen wären sicher, dass der Strom dann teurer würde, vermutet er.

Es sei auf keinen Fall so, dass Ökostrom teurer als Atomstrom sei, konterte Zöllig von den Grünen. Das Gegenteil sei der Fall. Die Stadt könne schon etwas tun in dieser Beziehung, "indem wir die Satzung fürs Gewerbegebiet in die Richtung ändern, dass dort auch Photovoltaik und eine Bioenergieanlage aufgestellt werden können", schlug Zöllig vor.

Was Bürgermeister Faix offenbar für völlig absurd hielt. "Die Flächen sind voll erschlossen. Da können wir keine Photovoltaikanlage drauf stellen", meinte er. Dies wäre nicht nur Verschwendung, weil viel Geld in die Erschließung investiert wurde, sondern es müssten dann auch Fördermittel zurück gezahlt werden, die einst für die Erschließung geflossen seien.

"Die Diskussion zeigt doch, dass es sich um ein Thema handelt, das vielen unter den Nägeln brennt", fasste am Ende Sitzungsleiter Rudolf Kerl (Die Linke) zusammen. "Wir sind uns einig: Wir dürfen das nicht dem Selbstlauf überlassen". Stadtvertreter und -verwaltung sollten die Entwicklung auf diesem Gebiet beobachten und dann später darüber eine Entscheidung treffen, so sein Vorschlag.

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