Öffnungszeit auch für den Friedhof?

svz.de von
01. Juli 2010, 07:46 Uhr

Perleberg | Ein schmales Fenster des Funktionsgebäudes auf dem Friedhof ist eingeschlagen, die Tür zur Halle aufgebrochen. "Zerstört wurde offensichtlich aber weiter nichts und auch nichts entwendet", so Pfarrer Tilmann Kuhn. Er ist sichtlich froh, dass nicht mehr passierte. Der angerichtete Schaden wird schnellstens in Ordnung gebracht.


Es ist das Werk von Vandalen, die Sonntag sich auf dem Friedhof zu schaffen machten. Nicht das erste Mal, dass der Ort der Totenruhe heimgesucht wurde, gar Diebe hier auf Beutezug waren. "Von der vor Jahren gestohlenen Bronzefigur fehlt bis heute jede Spur", fügt der Pfarrer an.


Im Zusammenhang mit dem letzten Vorfall kommt wieder die Frage auf, ob der Friedhof rund um die Uhr zugänglich sein sollte. In der entsprechenden Ordnung heißt es, dass jener im Zeitraum zwischen 7 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit offen zu halten ist. Als es noch einen Friedhofsgärtner gab, sei dieser bei Einbruch der Dunkelheit das Gelände noch einmal abgegangen und habe dann die Pforten verschlossen. Seit Jahrzehnten werde das aber nicht mehr praktiziert, berichtet Tilmann Kuhn. Und das unter anderem auch, weil etliche Perleberger, vor allem aus dem Bereich der Heinrich-Heine-Straße, den Weg über den Friedhof gern als Durchgangsweg nutzen. "Dagegen ist auch überhaupt nichts einzuwenden", betont der Pfarrer.

Doch leider gibt es immer wieder einige wenige, die so eine Regelung, wie die durchgängige Öffnung in Frage stellen. So wird der Friedhof eben auch als Übergangsfläche genutzt, um sich am Wochenende über den Zaun seines Elektroschrottes in den offenen Containern auf dem Gelände der Kreis straßenmeisterei zu entledigen. Wie kann erreicht werden, dass die Toten ihre Ruhe haben, das ist die Frage. "Abschließen nach Sonnenuntergang wäre eine Möglichkeit, die aber auch von der Öffentlichkeit getragen werden muss", unterstreicht Pfarrer Kuhn.

Für Langfinger und Vandalen wird es damit gewiss etwas beschwerlicher, aber nicht unmöglich, hier ihr Unwesen zu treiben. Denn Zäune sind überwindbar und anschließend zumeist zerstört.

"Einfacher ist, dass jeder mehr hinschaut, was um ihn herum passiert, und den Friedhof auch als geschützten Bereich betrachtet", betont Pfarrer Kuhn. Und das auch mit Blick, auf das, was geplant ist. Am Kompostplatz wird demnächst eine Gerätehalle errichtet. Werkzeug und Gerätschaften, die für die Bewirtschaftung des Friedhofes notwendig sind, sollen hier ihren Platz bekommen und über Winter dann auch die Bänke eingelagert werden. Seit drei Jahren bewirtschaftet die Kirchgemeinde den Friedhof als Eigenbetrieb. Rund 30 000 Euro sind für das Projekt veranschlagt. Kuhn befürchtet natürlich, dass mit Fertigstellung mitunter auch neue Begehrlichkeiten bei jenen geweckt werden könnten, die nichts Gutes im Schilde führen.

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